Gestern haben wir schon einen Teil der heutigen Route ausgekundschaftet, heute wollen wir die Überschreitung des Koflerjochs angehen. Biggi und ich haben auf der Hütte übernachtet, nach einem guten Frühstück kommt Papa noch zu unserer Wanderschaft dazu. Das Wetter ist heute ein Traum!

Der erste Teil des Aufstiegs liegt noch im Schatten, aber wir sind zuversichtlich, dass wir bald bestes Bergwetter genießen können.

Gegenüber sehen wir die Tannheimer Berge, die schon voll im Sonnenlicht strahlen. Was für ein Glück wir heute haben…

Beim Pflacher Älpele, das wir gestern schon besucht hatten, sehen wir ein wunderschönes Schauspiel: Cirren (Federwolken) am Himmel, wahrscheinlich bedingt durch eine Föhnströmung, sind wie Pinselstriche an den ansonsten blauen Himmel gemalt.

Kurz nach der Alm ziehen wir uns die Grödel an, die sich nun wieder sehr bewähren. Die Schneedecke ist hart gefroren und tragfähig. Daher reichen die Spikes und die Schneeschuhe bleiben noch am Rucksack.

Vom Grat beim Zunterkopf eröffnet sich ein besonderer Blick in die Ammergauer Alpen. Dieses zu Unrecht wenig bekannte und begangene Gebiet hat ein paar schöne Touren parat: Hoher Straußberg, Krähe, Hochplatte und Hochblasse. Hier könnte man Tage um Tage ohne Massenansturm verbringen.

Wir genießen eine kurze Pause und die Aussicht, mittlerweile haben wir die sonnigen Hänge erreicht. Der Schnee wird nun ein wenig weicher, aber noch brechen wir nicht durch den Harschdeckel durch

Während auf der Nordseite die Ammergauer Alpen locken, sehen wir im Süden den Eingang ins Lechtal, die Tannheimer Berge (Gehren-, Köllenspitze, Gimpel und Rotflüh). Heute sehen wir keine einzige Wolke am Firmament, auch das Tal ist heute sonnendurchflutet.

Den mächtige Säuling mit dem Ostanstieg und der Lehngära, und im Vordergrund unsere Spuren…

Wir folgen ungefähr dem Sommerweg auf den Gipfel des Koflerjochs, dennoch müssen wir das eine oder andere Mal ausweichen. Die Latschen sind mit Vorsicht zu genießen, unter den zugeschneiten Stauden können wir große Hohlräume verstecken, die unweigerlich zum Einbruch durch die Schneedecke führen.

Am Grat selber ist der Schnee ziemlich verblasen, die Aussicht zwischen Säuling und Tegelberg zeigt und schon das „Brettl-Eben“ Alpenvorland.

Die Sonne wärmt uns nun sehr gut, noch ein Stück schaffen wir am Rücken ohne Schneeschuhe, aber dann wird es doch Zeit, die Auflagefläche am Schnee zu vergrößern.

Die Schneeschuhe sind schnell angelegt, für Biggi übrigens das erste Mal, und dann stapfen wir schon am Grat weiter Richtung Gipfel. Schon von hier sehen wir, dass es hier heute nicht einsam ist…

Immer wieder müssen lassen wir unsere Blicke über die wunderschöne Landschaft schweifen, nach Westen blickens sehen wir Vils und Pfronten, darüber thronen die Große Schlicke, Vilser Kegel, Aggenstein, Breitenberg und viele mehr.

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Nun stehen wir schon direkt unter dem Gipfelkreuz, die letzten Meter steigen wir steil, aber doch problemlos zum Gipfel auf.
Oben angekommen, schauen wir wieder in die Runde, unter uns der Almengrund der Kofelalpe, im Hintergrund der mächtige Bergstock der Zugspitze.

Da ich mir eine leichte Augenentzündung zugezogen habe, muss ich mit optischer Brille und darüber der Skibrille aufsteigen. Aber es ist eh Fasching…

Eine ausgiebige Pause am Gipfel, mit selbstgemachtem Zelten und Tee lässt uns neue Kraft tanken. Den Abstieg meistern wir, nachdem dies von ein paar entgegenkommenden Leuten empfohlen wurde, wieder mit den Grödeln. Der Aufstieg mit den Schneeschuhen war zwar leider kurz, hat aber viel Spaß gemacht.

Über die Sattelköpfe wandern wir nun hinab Richtung Dürrenberger Alm, die wir nach kurzem Auf- und Ab erreichen. Erst hatten wir überlegt, hier eine Einkehr zu machen, aber zum einen ist die Hüttenveranda voll, zum anderen haben wir noch eine gute Wegstrecke vor uns.

Am Westrand der Alm erreichen wir den Steig Richtung Falzkopfhütte.

Kurz bevor wir die Hütte erreichen, zweigen wir in die Sieben Täler ab, dieser Weg führt uns wieder zum Pflacher Älpele.

Hier wechselt der Weg nun häufig ab, zwischen hoch-winterlich und fast schon sommerlich. An manchen Stellen kommt wohl den ganzen Winter keine Sonne zu, daher müssen wir an diesen Stellen auch aufpassen.

Speziell der Oberlauf des Lettenbaches liegt in „ewigem Dunkel“ und ist stark vereist. Wunderschön anzuschauen, beim Abstieg mit ein wenig Vorsicht zu genießen

Der Schnee ist nur an einer Stelle stark gefroren, ansonsten ist es fast schon feiner Stapfschnee, in dem man gut Stufen treten kann. An den pfiffigeren Stellen ziehen wir die Grödel an, damit läuft es sich dann ganz sicher.

Nach einigem Auf- und Ab erreichen wir dann wieder das Pflacher Älpele, mit dem uns nun bekannten Weg zurück zur Hütte.

Die letzten Meter laufen wir angenehm der Forststraße entlang, ich finde diese Teil trotz Monotonie immer angenehm, denn hier kann man fein auslaufen…


Wir kehren noch kurz bei der Hütte ein, trinken ein Bier und Kaffee, Essen eine Kleinigkeit und räumen zusammen.
Dann spazieren wir weiter ins Tal, zum Auto. Eine feine Zeit auf der Hütte neigt sich dem Ende zu, wir kommen hoffentlich bald wieder…

Tourendaten
Gesamtdauer: 5:21 h
Gesamtlänge: 13,10 km
Höhenmeter: △ 1.074m / ▽ 1.060m

