Schönstes Wetter, Biggi und ich sind da natürlich wieder draußen in der Natur. Heute steht wieder eine tolle Tour auf dem Programm. Wir wollen die Lamsenspizte im Karwendel von der Gramai aus besteigen. der bisschen längere Anreiseweg rentiert sich schon bald, das Wetter ist perfekt und der Herbst ist einfach die beste Wanderzeit.

Vom Parkplatz startet die Wanderung relativ flach in den Gramaier Grund. Wir sind hier schon über 1.200 Höhenmeter und die Natur ist hier schon viel herbstlicher als im Inntal. Wunderschön verfärben sich die ersten Bäume.

Im Hintergrund erhebt sich die mächtige Lamsenspitze direkt vor uns. Uneinnehmbar sieht der Felsblock von der Ostseite aus. Über Serpentinen steigen in wir zur Lampenjochhütte (1.953 m) auf…

… die in einem schönen Boden unterhalb der Lamsenwände liegt. Hier machen wir eine kurze Pause, bevor wir den weiteren Weg über den Brudertunnel beschreiten.

Der Brudertunnel, ein kurzer Klettersteig (Schwierigkeit C) führt kurz nach der Hütte direkt hinauf zum Grat und damit weiter ins Lamsenkar.

Benannt ist der Tunnel nach den Brüdern Franz-Karl und Toni Unterlechner, welche ebendiesen nach dem zweiten Weltkrieg gangbar machten (Quelle: Wikipedia). Natürlich wurde der Steig immer wieder gewartet und befindet sich in vorbildlichem Zustand.

Highlight der kurzen Kraxlerei ist der eigentliche Tunnel am Ende der Schlucht, hier liegt viel Geröll und verursacht immer wieder kleinere Steinschläge. Kurz nicht aufgepasst und es kracht wieder in der darunterliegenden Schlucht.

Die Schlüsselstelle liegt am Ende des Steiges. Vor vielen Jahren war ich hier mit dem Bundesheer unterwegs, damals machten wir eine Mehrtagestour im Karwendel!

Nun befinden wir uns im Lamsenkar, Schöne Ausblicke auf das Inntal, Tuxer Alpen und im Vordergrund die Walder Alm.

Bald erreichen wir wieder den Grat, hier sehen wir gut in den Kessel der Lampenjochhütte. Es lockt schon die Pause, aber noch haben wir einen längeren Weg bis zur Spitze und dann natürlich retour.

Nach dem Brudertunnel haben wir das Klettersteigset wieder im Rucksack verschwinden lassen, aber der „neue“ Aufstieg auf die Lamsenspitze ist auch versichert, teilweise schaut es recht spannend aus.. Daher beschließen wir, das Set nochmals anzuziehen und im Bedarfsfall zu verwenden.

Unterwegs sind wir ob unserer Entscheidung froh, allerdings ist nicht der Klettersteig selber die Herausforderung, sondern die ungesicherten, dafür brösligen Stellen, die kurz vor dem Gipfel auftauchen.

Wir schaffen es gut auf den Gipfel, nun haben wir uns den zweiten Teil der Jause wohl verdient. Am Gipfel sind doch einige Leute, hoffentlich ergibt das keinen Stau im Abstieg…

Die Aussicht vom Gipfel ist wunderbar, wir sehen wieder einmal Großglockner und Venediger, im Nahfeld sehen wir Hahnenkampl und das mächtige Sonnjoch.

Der Abstieg verläuft dann besser als zuerst befürchtet, die Leute verteilen sich gut über den Hang, der Steinschlag hält sich in Grenzen und die Tritte lassen sich im Abstieg fast besser finden.

Wohlbehalten erreichen wir wieder das Kar, nun wandern wir auf gleichen Weg ein Stück zurück bis zur Lamsscharte.

Von oben erkennen wir schon die tolle Schotterreise, mit der wir unseren Abstieg versüßen wollen.

Zuerst müssen wir aber noch ein paar Höhenmeter, teils seilgesichert bis zur Reise absteigen.

Die Schotterreise ist perfekt, wir nehmen gleich den ersten und damit längsten Abstieg. Perfekter Schotter lässt das Laufen zum absoluten Vergnügen werden. Rasch geht es nach unten, die Höhenmeter purzeln nur so…

Ich laufe vor um den Weg zu erkunden, Biggi läuft meiner Spur hinterher. So geht es flott und lustig hinab in Richtung Hütte.

Am Ende der Reise, der Weg beginnt hier und das Gelände ist flach, passiert das Unglück. Ich will mich umdrehen, um nach Biggi zu schauen, steige auf einen Stein, knicke um… ein Stich fährt durch meinen Körper, jetzt ist was passiert… ich setze mich kurz auf einen Stein,.. atme mal durch!

Nach ein paar Augenblicken stehe ich wieder auf, aber ich merke schon, etwas passt nicht mehr mit dem Sprunggelenk. Bis zur Hütte gehen wir langsam, dann machen wir eine Pause, trinken und essen eine Kleinigkeit, danach wird es schon wieder gehen.

Der anschließende Abstieg ist unangenehm, der Fuß ist nicht in Ordnung. Die Pause auf der Hütte hat es eher verschlechtert, der Knöchel ist mittlerweile geschwollen. Statt der 1:30 Stunden brauchen wir fast 2:30 Stunden…

… doch schließlich schaffe ich es bis zum Parkplatz. Zumindest, abgesehen vom Schmerz, scheint das meiste zu funktionieren, das beruhigt mich sehr.

Wir fahren wieder retour nach Innsbruck, ich nehme den Bus nach Hause und lege mich auf die Couch. Ein wenig geschafft bin ich schon doch, das merke ich jetzt. Die Tour war toll, das Missgeschick hat allerdings einen Schatten auf das Vergnügen gelegt!
Nachtrag:
Am nächsten Tag werde ich doch in der Klinik vorstellig, nach 3 Stunden steht fest: Es ist nichts gebrochen, aber die Bänder sind in Mitleidenschaft gezogen. Ich muss jetzt für 6 Wochen eine Unterstützung für´s Gelenk, Tag und Nacht tragen. Natürlich bin ich nicht froh, gerade jetzt, die perfekte Wanderzeit, wir wohl die nächste Zeit ohne mich auskommen müssen… aber es hätte auch Schlimmer kommen können!

Tourendaten
Gesamtdauer: 8:24 h
Gesamtlänge: 14,85 km
Höhenmeter: △ 1.456 m / ▽ 1.445 m
Schwierigkeit: T4 / KS C

















































































































































































































