Biggi und ich sind am Sonntag auf die Hütte gefahren. Das Wetter hat sich über das Wochenende beruhigt, daher beschließen wir, direkt den Hausberg, den Säuling zu besteigen. Von der Hütte aus sparen wir uns ca. 150 Höhenmeter…

… dafür müssen wir den ersten Teil über die Forststraße aufsteigen. Doch nach dem unspektakulären Start erreichen wir bald den Steig.

Die gabelt sich der Weg nochmals, gerade aus erreicht man das Pfacher Älpele, Koflerjoch und die Sieben Täler, wir zweigen nach Links in Richtung Säulinghaus.

Zuerst noch ein wenig im Wald, wird die Vegetation immer lichter und wir bekommen einen Blick auf unser Tagesziel.

Am aktuell geschlossenen Säulinghaus machen wir eine Trinkpause und verstecken eine Flasche Bier, die wir extra für den Schluss mitgenommen haben.
Die Wirtschaft wurde nach vielen Jahren geschlossen, da bestimmte Investitionen in das Haus nicht mehr getätigt wurden. Nun schaut das geschichtsträchtige Haus einer unsicheren Zukunft entgegen…

Anstatt wir üblich auf den Gipfel zu gehen, haben wir beschlossen, zuerst die Umrundung des Säulingsockels anzugehen. Dafür zweigen wir direkt beim Winterraum in westliche Richtung ab.

Über große Schotterreisen und vorbei an kompakten Felswänden wandern wir fast eben in Richtung Pilgerschorfen. Über uns thronen die 12 Apostel, so ist der zackige Grat zwischen Pilgerschrofen und Säuling genannt.

Es ist angenehm warm, nicht zu heiß. Es liegen schon einige Cirren in der Luft, der nächste Wetterumschwung kündigt sich an.

Auf den Schotterreisen haben wir Glück, Steinböcke haben sich zu einem Stelldichein versammelt. Sie ignorieren uns gekonnt, man könnte fast meinen, wir Wanderer sind ihnen egal.

Im Westteil des Säulings war vor einigen Jahren ein großer Kahlschlag des Bergwaldes, nun hat man eine tolle Aussicht auf den Talkessel und den Eingang zum Lechtal.

Im Nordwesten liegt Vils, Pfronten und die Allgäuer Seen im Voralpengebiet. Immer wieder staune ich, wie abrupt der Wechsel vom Berg- zum Flachland hier am Säuling von Statten geht.

Am Wegesrand gibt es viel zu bestaunen, wie zum Beispiel den grün-metallischen Käfer, der regelmäßige Löcher in ein Pestwurzblatt stanzt. Nun wandern wir flach und teils abwärts auf Deutschem Staatsgrund.

Mit der Wilzsulzhütte erreichen wir den niedrigsten Punkt am Sockel des Säulings. Die Hütte wird gerade renoviert, das ist wohl dringend notwendig geworden.

Nun geht es wieder bergauf, durch uralten Waldbestand, hier darf der Wald noch Wald sind, ohne großen Eingriff durch den Menschen.

Wechseln wandern wir durch den Wald, dann wieder über kleine Lichtungen, die den Blick ins wunderschöne Allgäu eröffnen.

Schließlich erreichen wir wieder eine Abzweigung, jetzt geht es über steile Pfade endlich hinauf zum Gipfel. Den Start macht eine Eisenleiter, der Weg anschließend ist relativ einfach.

Steil führt der Steig ziemlich gerade durch die Nordwand, es ist teils schattig und angenehm zu gehen. Die Temperaturen sind mittlerweile wieder recht hoch, da ist Schatten höchst willkommen.

Die Aussicht auf das Alpenvorland, Tegelberg und Schloss Neuschwanstein ist wunderbar.

Rasch haben wir die Wand durchstiegen, der Wegweiser am Anfang hat uns beide ob der Länge ein wenig verunsichert… zum Glück war das wohl eine falsche Angabe.

Über die Gamswiese geht es nun weiter über breite Wege hinauf zum Gipfel.

Das letzte Stück ist nochmals ein wenig felsiger, schließlich erreichen wir den Gipfel des Säulings (2.048m). Das neue Gipfelkreuz, von meinem Cousin gezeichnet, strahlt uns schon entgegen. Ein würdiger Ersatz für das ehemalige Holzkreuz.

In den Osten geblickt sehen wir den massiven Bergstock des Wettersteins mit der dominierenden Zugspitze, vor uns liegt das Koflerjoch, dahinter die Soldatenköpfe und ein Teil des Plansees, bei der „Forelle“. Morgen wollen wir dort stehen…

Während im Südwesten noch die Allgäuer und Lechtaler Berge sind, öffnet ich das Land im Nordwesten und wird „Brettl-eben“.

Das neue Gipfelkreuz, wie schon oben beschrieben, finde ich sehr gelungen.

Nach einer feinen Pause am Gipfel machen wir uns an den Rückweg, dieses Mal geht es über die österreichische, bzw. Südseite hinab zu Säulinghaus.

Das Grenzschild bei der Gamswiese steht noch, der Unterstand der Zöller ist nur mehr schwer erkennbar.

Ein paar Stellen sind seilversichert, generell ist die Südseite häufiger begangen und auch speckiger. Dennoch ist der Weg gut zu begehen und rasch erreichen wir wieder den schönen Boden vor dem Säulinghaus.

Nun holen wir unser Bier aus einer Felsnische, es ist jetzt richtig kühl. Damit setzen wir uns zum Säulinghaus und genießen die feine Sonne und den Durstlöscher!

Der weitere Weg ist nur ident mit dem Aufstieg, erst über den Steig, dann die letzten Meter über den Forstweg. Schließlich erreichen wir wieder unsere Hütte.

Wir setzen uns noch auf die Terrasse, die Sonne schein noch ein wenig her. Dann bereiten wir das Essen her, es gibt heute Pfifferlinge mit Spiralnudeln. Dazu einen guten Salat, ein herrliches Menü.

Nach einem gemütlichen Abend, einem Kartenspiel und Gesprächen krabbeln wir müde ins Bett, es war ein langer, aber feiner Tag!
Tourendaten
Gesamtdauer: 7:09 h
Gesamtlänge: 13,69 km
Höhenmeter: △ 1. 331 m / ▽ 1.311 m




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