171014 Durch das Höttinger Bergbaugebiet

Nachdem ich erfolglos 2 Jahre versucht habe, eine Anmeldung beim Kurs der Volkshochschule zum Thema „Bergbaugebiet Hötting“ zu erwirken, hat es heuer endlich geklappt. Zwei der begehrten Plätze konnte ich für Papa und mich ergattern.

Wir treffen uns für die Rundwanderung am Wanderparkplatz beim Planötzenhof. Nachdem wir fast komplett sind, machen wir uns zunächst auf, Richtung Höttinger Bild.

Wir finden, dank der fleißigen Hinweise von Peter Gstrein, dem Leiter des Kurses, immer wieder Spuren vom ehemaligen Bergbau in diesem Gebiet.

Interessanterweise bin ich schon öfter hier vorbeigekommen, wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass es sich hierbei um Halden und Pingen ehemaliger Bergwerke handelt.

Auch das Höttinger Bild, das auf einer ehemaligen großen Halde steht, wurde vermutlich als Nachfolgebau einer Bergknappenkapelle in eben diesem Gebiet erstellt. Heute zeugen noch 4 Heilige am Alter in der Kapelle von der montanen Geschichte.

Direkt hinter der Kapelle ist eine Pinge mit dem ehemaligen Mundloch zu sehen, links davon ein zweiter Anschlag in die Grube, der jedoch auch nur mehr erahnt werden kann.

Nach ein paar erklärenden Worten wandern wir weiter, auf Spurensuche nach weiteren Bergstollen. Schon nach wenigen Schritten sehen wir eine weitere Pinge mit den Spuren eines weiteren Mundlochs. Trotz kleiner Halde hat Peter eine gute Erklärung, warum gerade dieser Stollen sehr ergiebig gewesen sein Muss. Da auf einer Halde nur taubes Gestein liegt, wurde vermutlich einfach viel gutes Material abgefahren und verhüttet.

Der montane Krimi geht weiter, als Peter uns erklärt, dass es sich jedoch nicht um den Fundbau handelt, sondern dass der Fundbau weiter östlich zu finden ist. Bald schon haben wir diesen Teil des Bergwerks gesichtet, auch hier ist ein Betreten der ehemaligen Anlagen nicht mehr möglich, da das Mundloch nur noch erahnt werden kann. Nachdem Peter uns die Überlegungen hinter diesem Bergbaugebiet erklärt hat, macht die Lage der einzelnen Stollen plötzlich Sinn: Der Fundbau ist zu den weiteren Bergwerken versetzt, weil die Bergleute feststellen mussten, dass die Vererzung  eben weiter westlich ist.

Als ein Highlight des Tages können wir uns das Bergwerk „Weinberg III“ anschauen, das heute als Trinkwasserquelle für Innsbruck dient. Der Zugang ist strickt kontrolliert. Unter Tage zeigt uns Peter dann allerlei Techniken des alten Bergbaus. Von der Feuersetzung bis zu den Schremmspuren sehen wir die Verfahren, geschlossen, wie die Sprengung in der Fachsprache der Bergleute heißt, wurde hier fast nicht mehr, da der Bergbau vor der Etablierung der Sprengungen eingestellt wurde.

Nach ein er gemütlichen Pause beim Mundloch machen wir uns weiter zum nächsten Bergrevier, nämlich dem von Gramart. Auf dem Weg dorthin erklärt und Peter immer wieder interessante Episoden aus seinem Berufsleben als Geologe.

Bald erreichen wir das Bärenloch, einem noch sichtbaren Mundloch, das jedoch nach wenigen Metern verstürzt ist und daher nicht mehr befahrbar ist. Dennoch ist das schiere Ausmaß dieser Anlage schon beeindruckend. Eine sehr große Pinge vor dem Mundloch zeugt von reger Tätigkeit. Manch dieser Stollen reichten hunderte Meter in der Berg hinein.

Ein weiteres interessantes Detail zeigt uns Peter gleich im Anschluss. Ein Baum, der wie eine Spirale gewachsen ist, mit einem „Linksgewinde“. Laut Messungen des Geologen könnte es sich hier um eine Reaktion auf Erze im Boden handeln.

Wir verlassen nun das Höttinger Bergbaurevier und gehen fast nahtlos ins Gramarter Bergbaugebiet. Dort ist auch einmal ein sehr großer und wahrscheinlich einträglicher Bergbau vorhanden gewesen, aber auch hier können die ehemaligen Reichtümer nur mehr erahnt werden. Nichts desto trotz, wenn man sich ein wenig umsieht in der Natur, gibt es wahnsinnig viel zu entdecken.

Bald erreichen wir wieder die „Zivilisation“, ein wenig unterhalb des Höttinger Steinbruchs erreichen wir die Straße. Von hier geht es über kleine Wege und Sträßchen, vorbei an weiteren Mundlöchern, die jedoch für die Wasserversorgung gut in Stand gestellt wurden, das Ufer des Inns.

Hier gehen wir eine Weile der Straße entlang und erreichen bald das „Heimgartl“. Hier erwartet uns das Highlight dieser Tour.

Wir fahren wieder in den Berg ein. Zuerst einmal besichtigen wir die ehemalige Bunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg. Ein riesiges Areal, das jedoch niemals fertiggestellt wurde. 40.000 Menschen sollten hier Unterschlupf vor dem Bombeninferno Schutz finden.

Das wären mehr Menschen gewesen, als überhaupt in Innsbruck gelebt haben. Doch da Innsbruck in dem Hilter-Konzept der „Alpenfestung“ eine große Rolle angedacht war, machen auch die größeren Bunker Sinn.

Nie fertiggestellt, wurde die Bunkeranlage irgendwann von einem Champion-Züchter übernommen. Leider ging dieser nach ein paar Saisonen bankrott und musste die Zucht wieder aufgeben. Seitdem stehen die riesigen Anlagen leer und werden vom Zahn der Zeit angenagt. Zur Zeit wird das Anwesen über willhaben.at veräußert, sollte wer Interesse haben. Ganz ohne wird das wohl nicht sein…

Doch das eigentliche Highlight wartet fast am Schluss der Bunkeranlage. Der Maximilianstollen. Eines der größten finanziellen Debakel der Bergbaugeschichte Tirols, hat der Maximilanstollen einen faszinierenden Hintergrund.

Auf der Suche nach der „Gottesgabe“ wurde dieser Stollen angeschlagen. Über 600m wurde dem Berg millimeterweise der Stein abgerungen, dann wurde der Bau eingestellt. Man war nicht auf den ersehnten Bergsegen gestoßen. Heute vermutet man, dass diese „Gottesgabe“ wahrscheinlich erst in ca. 2400m erreicht worden wäre. Also noch 4 mal so weit zu graben gewesen wäre.

Der Stollen selber ist, obwohl komplett manuell mit Hammer und Meißel geschlagen, von einer makellosen Perfektion. Fast über die gesamte begehbare Länge ist der Stollen mustergültig ausgearbeitet, die Wände schön gearbeitet.

Dennoch war die ganze Arbeit umsonst, das Geld, das in der Bergbau hier floss, kam nie mehr zurück.

Auf dem Rückweg gehen wir nochmals durch die weitläufigen Flügel des Bunkers, dann sehen wir wieder das Tageslicht beim Heimgartl.

Nach ein paar Schritten in der Wärme erreichen wir das Gasthaus Dollinger, in dem wir uns noch ein Bier gönnen und den interessanten und langen Tag Revue passieren lassen.

Tourendaten
Gesamtlänge: 7,69 km (ohne Stollenbefahrung)
Gesamtdauer: 6:49 h
Höhenmeter: 543 m

Route

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