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210620 Hüttenspitze (1.858m) ✨

Nachdem das Wetter nicht so schlecht gemeldet ist, mir aber noch die lange Nacht des Bergfeuers in den Knochen steckt, beschließe ich, eine beschauliche Tour auf die Hüttenspitze am Eingang des Halltals zu machen. Es sind schon ein paar Jahre vergangen, seit ich auf diesem schönen Gipfel gesessen bin.
Ausgangspunkt ist der Hackl, da ich nicht allzu früh am Wege bin, ist der Parkplatz schon gut belegt. Trotzdem finde ich gleich einen Platz und mache ich auf den Weg.

Vom Hackl aus ist die Wegsuche immer ein wenig abenteuerlich, ein Stück muss ich am Halltalbach bzw. Weißenbach entlang wandern. An einigen Stellen ist der Steig unterbrochen, den hat wohl der Bach bei höheren Wasserständen „abgenagt“.

Schließlich zieht der Weg recht in den Wald hinauf. Die Temperaturen im Wald sind grenzwertig und schrauben meinen Flüssigkeitsbedarf dramatisch in die Höhe.

Ab und zu kommt ein laues Lüftchen auf, höchst willkommene Erfrischung, die aber nicht von Dauer ist.

Faszinierende Blicke ins Halltal entschädigen für die Anstrengung. So mancher Wanderer begegnet mir, später stelle ich fest, dass diese zum Großteil von der Alpensöhnehütte kommen.

Nachdem ich die Hütte passiert habe, wird es ruhiger, nur wenige Bergsteiger finden den Weg auf diesen faszinierenden Berg, der im Schatten seiner größeren Nachbarn, wie zum Beispiel dem Bettelwurf steht.

Die Fernsicht ist heute in zweierlei Hinsicht nicht besonders: Zum einen ist die Luft immer noch Gewitterschwanger, wobei kein akuter Ausbruch zu erwarten ist, zum anderen bläst der Südwind Saharastaub in die Alpen und beeinträchtigt damit die Sicht.

Nun habe ich die Rinne erreicht, die einfach zu erklettern, aber dennoch mit Vorsicht zu genießen ist. Zu locker ist das Gestein geschichtet und immer wieder brechen kleinere und größere Brocken ab und suchen schwerkraftsbedingt ihren Weg nach unten.

Nachdem ich den bröckeligen Teil hinter mir gelassen habe, ist der Rest des Aufstiegs einfach und, Gott sei es Gedankt, auch ein wenig erträglicher geworden, da nun ein reges, stetes Lüftchen weht.

Auch im Unterland ist die Sicht alles andere als gut, den Glotzen und auch das Kellerjoch kann man gerade noch erahnen.

Unter mir liegt das Halltal in seiner ganzen Pracht, St. Magdalena und im Hintergrund Kartellerjöchl mit den altehrwürdigen Herrenhäusern, überragt von Wildanger-, Stempeljochspitze und Roßkopf. Sogar die Rumerspitze lässt sich erahnen.

Zufrieden erreiche ich den Gipfel, nun wird gejausnet und auch eine Cachekontrolle eines meiner ältesten Caches, „Hüttenspitze“ durchgeführt.

Für mich ist das Highlight der Tour die „Abfahrt“ über die Wechselreise. Da ich keine Möglichkeit habe, in den oberen Teil der Rinne einzusehen, bleibt ein gewisses Restrisiko, dass noch Schneefelder den Abstieg erschweren.

Dennoch wage ich den nordöstlichen Abstieg, der ein wenig pfiffiger als der Aufstieg ist.

Die Schlüsselstelle, eine steile Rinne, ist wie ich schon das letzte Mal feststellen konnte, mit Henkelgriffen ausgestattet und daher leicht abzusteigen. Rasch befinde ich mich am Einstieg in die Wechselreise, die sich schneefrei präsentiert.

Die ersten Meter des Abstiegs sind immer ein wenig holprig, das Gestein ist hier grob und erlaubt keine feinen Schwünge. Doch nach ca. 100m eröffnet sich die Bahn mit perfektem Laufschotter… und das fast 600 Höhenmeter bis kurz vor die Halltalstraße.

Rückblickend schaut die Reise nicht ganz so steil aus, allerdings täuscht dies ein wenig. Die objektiven Gefahren halten sich in Grenzen, ein Totalabsturz ist unwahrscheinlich, eher würden die scharfkantigen Steine ihre volle Bremswirkung entfalten, was dem weichen Hautgewebe wohl nicht sehr zuträglich wäre.

Just diese Erfahrung muss ich im untersten Bereich machen. Ein unachtsamer Tritt und schon habe ich einen unangenehmen Schnitt am Oberschenkel. Die bei diesen Temperaturen nicht ausbleibende Schweißbildung erinnert mich anschließend permanent auf unangenehme Weise an meine Unachtsamkeit.

Dennoch kann eine solche Lappalie mir das Lächeln ob der tollen Abfahrt nicht aus dem Gesicht vertreiben. Einen solchen Abstieg kann man nur genießen.

Einmal noch schaue in den Talschluss mit seinen majestätischen Gipfeln ausgiebig an. Einige davon stehen immer noch ganz oben auf meiner Liste.

Den Abschluss meiner tollen Tour macht dann der Fluchtsteig, der mich wieder an den Parkplatz beim Hackl leitet. Dort, auch schon Tradition, drehe ich 5 Runden im Kneippbecken, bis ich meine Füße nicht mehr spüre… so erfrischt kann der ruhige Teil des Tages beginnen.

Tourendaten
Gesamtdauer: 3:25 h
Gesamtlänge: 10,29 km
Höhenmeter: 1.084 m

210524 Halltal

Heuer haben sich die Geschwister April und Mai einen Scherz erlaubt und haben sich, zwillingsmäßig, getauscht… zumindest was das Wetter betrifft. Während der April relativ stabiles Wetter aufgewiesen hatte, ist der Mai heuer unberechenbar. Blauer Himmelt tauscht in kürzester Zeit mit leichtem Nieselregen, dann wieder warm, teilweise schwül… es ist alles dabei.
Um dennoch ein wenig in der Natur zu sein, wandern Letu und ich in unser geliebtes Halltal. Die Idee kam übrigens vom Junior höchstpersönlich.

Da wir nicht gerade früh aufgebrochen sind, finden wir den Parkplatz Hackl schon gut belegt vor, dennoch können wir einen Parkplatz ergattern. Den ersten Teil bestreiten wir, wie fast immer, auf dem Fluchtsteig, ein wenig erhöht über der eigentlichen Salzstraße.

Wie immer macht diese Passage sehr viel Spaß, der aus lawinentechnischen Überlegungen gebaute Steig ist heute der schönest Eintritt in dieses wild-romantische Tal.

Beim Bettelwurfeck, das wir unter uns sehen, zweigen wir heute nach links ab, ins sogenannte Eibental. Dieser Weg, den ich vor kurzem das erste Mal begangen bin, führt Steil, sehr steil empor.

Es ist genau so, wie ich es mag… die Anstrengung ist hier am Anfang, knackig steigen wir empor… weiter oben flacht der Pfad dann auch ab… erst die Arbeit, dann das Spiel.

Wenn man am Eibental-Steig den Scheitel erreicht hat, quert der Weg in Grasflanken parallel zur Salzstraße. Die Aussicht ins hintere Halltal ist von diesem Pfad spektakulär.

Ohne Höhenänderung verläuft der Weg erst auf einem schmalen Steig, der sich dann kurz vor St. Magdalena zur breiten Forststraße weitet. Und dann strahlt schon das weiße Gebäude des ehemaligen Klosters zu uns her.

Heute marschieren wir gleich weiter, ein kurzes Stück wandern wir noch auf der Forststraße, bis wir über ebendiese die Einmündung in die Salzstraße erreichen. Hier drehen wir um, um nun auf der Asphaltstraße wieder hinab ins Tal zu gehen.

Auch in diesem rauen Tal zieht der Frühling ein, überall sprießen schöne gelbe Blümchen, es könnte sich hierbei um Steinkraut handeln…

Bei der Trinkwasserfassung queren wir wieder auf den Fluchtsteig mit seinen Relikten (Soleleitung) aus den goldenen Zeiten des Salzabbaues.

Knorrige alte Buchen, die hier neben dem Weg wachsen, sind unter Tage schön anzusehen, in der Nacht könnten diese aber auch ein wenig wohligen Grusel auslösen.

Am Rückweg kommen wir wieder an unserem Aufstiegspfad zurück, ein Wegweiser zeigt hier das Eibental an.

Der Fluchtsteig macht immer in beiden Richtungen Spaß, der Rückblick zur Bettelwurfreise lässt erahnen, dass bei Gewitter hier die Stimmung nicht so entspannt ist.

Kurz vor dem Parkplatz entdeckt Letu ein paar verblühte Löwenzahn, oder auch Pusteblumen, die er freudestrahlend in alle Windrichtungen bläst. Da wird nächstes Jahr der Löwenzahn wohl wieder gut wachsen…

Das Kneippbecken am Hackl ist wieder eröffnet. Ich bezweifle allerdings, ob viele Lebewesen abgesehen von den schockgefrorenen Regenwürmern dieses Angebot heuer schon genutzt haben. Letu und ich wagen ein „Tänzchen“, nach einer Runde sind die Beine gefühllos, die zweite Runde ist dann schon fast eine Zumutung. Dafür ist die Wärme im Anschluss an das Kneippen sehr angenehm.

Ein schöne Einstimmungswanderung, der hoffentlich noch viele Tage im Halltal folgen werden.

Tourendaten
Gesamtdauer: 2:43 h
Gesamtlänge: ca. 8km (GPS Aussetzer)
Höhenmeter: 576 m

210424 Figln – Nordkette

Heute steht eine für uns neue Sache auf dem Programm… Figln. Figl, auch Firngleiter genannt, sind Kurzski ohne Belag, damit die Teile auch richtig robust sind. Die Fahrt mit diesem Spaßgerät ist fast ausschließlich im Frühjahr, eben bei Firn möglich. Und die Nordkette in Innsbruck ist hier ein Hotspot dafür geworden…

Mit Skischuhen neben der Blumenwiese

Im Frühjahr finde ich die letzten Winteraktivitäten immer sehr amüsant. Während wir mit Skischuhen durch die Stadt trampeln, kommen uns schon Leute mit Shorts entgegen. Trotzdem, das zeichnet Innsbruck aus, man wird nicht komisch angeschaut, das ist hier ganz normal… das Nebeneinander der Extreme.

Auffahrt mit der Hungerburgbahn

Mit der Hungerburg- und anschließend der Nordkettenbahn erreichen wir rasch die sogenannte Seegrube. Das Anziehen der Figl gestaltet sich als recht mühsam, weil unsere Leihgeräte eine Schnürung aufweisen. Das wird aber dem Spaß keinen Abbruch tun…

Erste Schritte

Nachdem die Gleiter fest am Schuhwerk montiert sind, starten wir unsere ersten Versuche… spaßig, aber gar nicht so leicht. Die Ski sind so kurz, das man fast vergessen könnte, dass da überhaupt was an den Schuhen ist.

Übersicht Seegrube

Nach der Devise, der frühe Vogel fängt den Wurm, sind wir zeitig auf der Seegrube gekommen und dementsprechend sind noch nicht so viele Leute. Der Schnee ist aber schon weich, daher haben wir gut gewählt…
Die erste Abfahrt besteht noch aus viel Bodenkontakt, aber mit jedem Meter wird, das Gleichgewicht fordernd, die Figlkunst besser. So bald rauschen wir in den Rinnen und im weichen Schnee nach unten…

Rinne

Speziell die Rinnen sind ein Markenzeichen der Nordkette… da hier viele Leute die selben Spuren abfahren, sind diese Abfahrtsschneisen in manchen Wintern fast schon mannshoch.

Sara in der Rinne

So manchen Sturz gönnen wir uns, wegen dem weichen Schnee wird man aber nur nass, richtig wehtun kann man sich zum Glück nicht…

Mit fortschreitender Stunde füllt sich das Skigebiet mit Figlern. Da der Sessellift hier schon an die Grenzen kommt, wird die Schlange der Wartenden immer länger… am Schluss brauchen wir fast 15min. am Lift.

Das ist was los…

Beim Hochfahren sieht man wieder die Rinnen, die hier überall entstehen.

Bergfahrt

Der Blick auf die Landeshauptstadt, Patscherkofel, Serles und Habicht, Tuxer und Stubaier Alpen ist einfach toll…
Wir genießen die Aussicht und beschließen, es gut sein z -lassen.

Innsbruck mit Tuxern und Stubaiern

Die Gondel bringt uns wieder ins Tal, überrascht stellen wir fest, wie viele Leute hier noch auf die Bergfahrt warten. Die Entscheidung, früh zu starten, war definitiv die Richtige.
Den Kindern und mir hat es sehr gut gefallen… das ist definitiv nicht das letzte Mal mit den Firngleitern.

Da ist noch mehr los…

210405 Hochmahdkopf (1.738m)

Den eigentlichen Plan hat es mir heute ein wenig durcheinander gewirbelt, da sieht man wieder, wie wichtig eine Tourenplanung, inklusive Alternative oder Notfallplan ist.
Ich starte um 7:15 Uhr beim Hackl in Absam, gleich vom Parkplatz zieht ein steiler Pfad hinauf, mein erstes Ziel ist der Hochmahdkopf.

Steil ist der Weg, aber so macht man halt auch schnell Höhe. Das Wetter ist noch blenden, der Ausblick auch. Vor mir taucht immer wieder das beeindruckende Bettelwurfmassiv auf.

Im Tal grünt es schon sehr, das sieht man aus dieser Höhe gut. Und ich sehe von hier auch nach Hause, ins Mittelgebirge und nach Aldrans.

Der Blick ins Unterland zeigt anhand der Luft schon den kommenden Wetterumschwung. Sogar mit Schnee ist zu rechnen, aktuell fast nicht vorstellbar.

Ich habe nun den Bereich erreicht, der besonders schwer vom Waldbrand 2014 betroffen war. Noch hat sich hier die Natur nicht erholt, das wird wohl noch einige Jahre dauern.

Schließlich erreiche ich den Hochmahdkopf (1.738 m). Ich bin alleine, ein Stück hinter mir sehe ich einen zweiten Wanderer hochsteigen.

Ich raste kurz aus, trinke einen Schluck und mache mich auf zum zweiten Gipfel, dem Haller Zunterkopf.

Von hier finde ich die Aussicht auf Innsbruck immer sehr schön, eingebettet zwischen den Bergen liegt sie da, die Alpenhauptstadt.

War bis jetzt fast gar kein Schnee beim Aufstieg vorhanden, wechselt nun die Landschaft recht rasch. Das hat auch mit der Ausrichtung zu tun, hier oben scheint die Sonne dann doch nicht direkt auf den Schnee und er hält sich umso länger.

Schon von weitem habe ich die Schlüsselstelle zum Haller Zunterkopf gesehen. Meist ist der Weg einfach, einzige die Steilstelle mit Seil, die überwunden werden will, damit der Weg fortgesetzt werden kann, ist ein wenig fordernd.
Leider muss ich feststellen, dass mit meinen Bordmitteln und meinem Können hier Schluss ist. Zu steil und ausgesetzt wäre die Eiskletterei über die Stufe. Diesen Gang werde ich nochmals bei weniger Schnee durchführen.

Ich verschnaufe kurz und betrachte den Aufstiegsweg. Die Schneedecke auf der Nordseite ist noch recht mächtig. Ich beschließe dennoch, mein Glück mit dem Nordabstieg nach St. Magdalena zu wagen.

Hier kommt die Sonne selten her, daher hat sich der Schnee gut gehalten und macht so manche Passage spannend. Ich montiere mir die Grödel, und wieder einmal bin ich froh, dass ich im Frühjahr dieses Hilfsmittel immer im Rucksack habe.

Sehr steil führt der Pfad durch den Hochwald, drei Lawinenkegel muss ich queren. Der Weg ist nicht immer sichtbar und die wenigen Fußspuren, denen ich folge, sind auch nicht immer schlüssig.

Dennoch erreiche ich nach ca. 40 Minuten das Gasthaus St. Magdalena. Hier gönne ich mir ein Bier und wunderbar schmeckende „Sankt Johanner“ (übrigens seit kurzer Zeit meine absoluten Lieblingswürste).

Mit meinem Sitznachbarn, einem ehemaligen Gschnitzer, habe ich eine feine Konversation, so vergeht die Zeit im Fluge. Leider muss ich nach kurzer Zeit schon wieder aufbrechen, ich habe noch was vor…

Für den Abstieg wähle ich den Fluchtsteig, der mich rasch bis zur zweiten Ladhütte führt.

Schnee ist fast keiner mehr vorhanden, aber ein paar eisige Stellen verlangen Aufmerksamkeit. Die Hüttenspitze lacht zu mir herüber, diese hätte ich heute auch als Ziel im Auge gehabt.

Der Fluchtsteig ist trotz der frühen Jahreszeit in sehr gutem Zustand und kann ohne größere Probleme begangen werden, wie mir durch die Frequenz der mir entgegenkommenden Wanderaspiranten vor Augen geführt wird.

Ich bin glücklich, meinen speziellen Weg heute gegangen zu sein. Meistens war ich auf einsamen Bergpfaden unterwegs, die wenigen Begegnungen waren sehr angenehm. Im Halltal ist heute auch nicht ganz so viel los, aber je weiter ich zum Hackl komme, desto mehr Spaziergänger treffe ich.

Schließlich erreiche ich den Ein- und Ausgang des Halltals, den Hackl. Die Brücke ist mir immer ein lieber Wegmarker, über den ich gerne zum Abschluss schreite.
Eine tolle Tour neigt sich dem Ende zu, das Wetter ist zwar noch warm, aber nicht mehr so strahlend schön wie in der Früh…

Tourendaten
Gesamtlänge: 11,28 km
Gesamtdauer: 4:12 h
Höhenmeter: 1.352 m
Lawinenwarnstufe: 2 (Nassschnee, Triebschnee)

210319 St. Magdalena im Halltal (1.287m)

Nach dem Skifahren sind Letu und ich noch nicht ganz ausgelastet, daher wandern wir noch ein Stück ins Halltal. Die Schneeschuhe lassen wir zu Hause, weil so viel Schnee liegt nicht… wie wir uns da getäuscht haben.

Schon am Eingang beim Hackl sehen wir, dass hier genug Schnee liegt. Je höher wir kommen, desto besser wird die Schneehöhe… Sogar „Banklsitzen“ wird so zur Herausforderung…

Gott sei Dank ist unser Schuhwerk, wenngleich klobig und im Falle von Letu sogar noch ein wenig groß, den Unbilden des Schnees mehr als gewachsen.

Kurz vor dem Bettelwurfeck müssen wir einen frischen Lawinenkegel übersteigen. Es war zwar nur ein kleiner Rutscher, aber doch beeindruckend.

Schnell verlassen wir den Bereich, wenngleich die Gefahr wohl gebannt ist, denn „da oben“ dürfte nicht mehr viel Schnee in der Rinne liegen.

Auf der anderen Talseite lacht der Bettelwurf zu uns herunter. Dieser Bereich ist im Hochwinter ein gefürchteter Lawinenstrich, im Sommer rauschte so manche Mure in die Talsohle.

Am Bettelwurfeck wird die Straße extrem steil, eine Steigung von 32% ist hier angezeigt. Gerade im Sommer, mit dem Mountainbike, eine sportliche Herausforderung.

An Ende des Ecks, die Straße verläuft nun nach Westen, wird der Weg flacher und führt weiter Richtung Herrenhäuser und Bergwerksareal.

Ein Blick zurück zeigt mir meine geliebte Hüttenspitze, ein wenig versteckt sieht man auch die Wechselreise.

Vor uns, schon fast am Ziel, sehen wir das Kartellerjöchl, das dem Bergwerk direkt vorgelagert ist.

Nordseitig kann man die fast surreal wirkenden Plattentürme, der Sage nach versteinerte Knappen, daher auch im Volksmund „Steinerne Knappen“ genannt, bewundern. Geologisch gesehen sind diese Türmchen die letzten Reste einer Brecciedecke.

Kurz vor Erreichen von St. Magdalena überholen wir zwei ältere Herren. Am Berggasthaus angekommen treffen wir den Rest der lustigen Runde. Und sogar die Küche ist offen, so bekommen wir auch noch was zu trinken und einen Buchtel mit Vanillesauce.

Nach der Pause steigen wir den selben Weg ab, der Schnee im hinteren Halltal wird uns heuer wohl noch eine Weile begleiten.

Der Bergbach ist fast nicht sicht- und hörbar, der Schnee hat sich dämpfend über das normalerweise gurgelnde Wasser gelegt.

Unterwegs sehen wir immer wieder abgestellte Rodeln, die man bei St. Magdalena ausleihen kann. Leider geht es heute nicht zu rodeln, der Schnee ist zu pappig. Letu probiert es selber aus… und gibt nach kurzer Zeit auf.

Beim Trinkwasserstollen wird die Schneedecke wieder dünner, wir bleiben der Einfachheit halber auf der Salzstraße, den Fluchtsteig nehmen wir das nächste Mal. Bei den kühnen Felswänden tummeln sich ein paar Gämsen, die wir eine Zeitlang beobachten.

Beim Abstieg treffen wir wieder die Männertruppe vom Gasthaus, wir unterhalten uns ein wenig über das Halltal. Es dämmert schon, als wir den Parkplatz glücklich erreichen.

Tourendaten
Gesamtlänge: 10,0 km
Gesamtdauer: 3:26 h
Höhenmeter: 537 m
Lawinenwarnstufe: 2 (Gleitschnee unterhalb 2.000m)

210307 Halltal, Herrenhäuser (1.485m)

Da sich heute aus familiären Gründen keine Skitour ausgegangen ist, habe ich beschlossen, die Bergschuhe auszupacken, die Zeit zu nutzen und ins Halltal zu wandern.

Ein wunderschöner Morgen, es ist ja immerhin schon 9:30 Uhr, öffnet mir den Weg vom Hackl hinein ins Halltal. Wo es geht vermeide ich die Asphaltstraße und laufe auf dem Steig.

So erreiche ich zügig den Trinkwasserstollen vor dem Bettelwurfeck. Überraschend aper ist es hier, der Lenz zieht dem Winter im vorderen Tal schon die Zähne.

Am Fluchtsteig sieht man die Spuren des Winters, überall liegt Schutt und manchmal auch größere Steine auf dem Pfad.

Der Fluchtsteig ist im ersten Teil nordöstlich ausgerichtet, und nur dank der relativ niedrigen Höhe vom Schnee entledigt. Teilweise, an Stellen ohne jeglichem Sonnenkontakt, liegen ein paar sulzige Schneefelder.

Ich wollte ja schon viele Malen den Weg durch das Eibental gehen, heute erfülle ich mir mein Wunsch. Steil zieht der Pfad vom Fluchtsteig hinauf. Obwohl ich mir dachte, es wäre hier wohl ruhig, werde ich von zwei „Läufern“ überholt.

Ich gehe mein stetes Tempo, mittlerweile mit T-Shirt und zur kurzen Hose umfunktionieren Beinkleid. Die beiden Burschen habe ich bald wieder geschnupft. In weiterer Folge werde ich allerdings auch wieder überholt. Ich beobachte lieber die gar nicht scheuen Gämsen…

Schließlich erreiche ich den Scheitel und die Sicht öffnet sich auf das Halltal.

Am Weg plätschert ein kleines Brünnlein, ich wundere mich, dass überhaupt Wasser fließt. Vor mir eröffnet sich ein wunderschöner Blick auf den Roßkopf, Großen und Kleinen Lafatscher.

Nun verläuft der Pfad ein gutes Stück flach, bis ich schließlich, fast ein wenig unverhofft, vor St. Magdalena stehe…

Das ehemalige Kloster fasziniert mich jedes Mal wieder, die Lage ist einfach einmalig. Heutzutage ist hier eine Wirtschaft untergebracht, die heute sogar Corona-konform geöffnet hat.

Ich will allerdings erst noch zu den Herrenhäusern weitergehen. Ab der zweiten Ladhütte, so sagt man, setzt im Frühjahr immer noch der Schnee ein… und ich kann das nur bestätigen…

Ich wandere an den Zeugen des ehemaligen Salzbergbaus vorbei. Vor kurzem hatte ich auch das sehr schöne Buch „tiroler SALZ“ geschenkt bekommen, mit vielen Informationen dieser langsam vergessenen Zeit.

Nach zwei weiteren Kehren sehe ich auch schon das Zentrum des Bergbaus hier im Halltal, die Herrenhäuser.

Leider muss ich feststellen, dass der Zustand der Gebäude mit jedem Jahr schlechter wird. Zumindest der Teil, in dem sich das Knappenhäusl befindet, macht einen guten Eindruck.

Das Herrenhaus mit dem Lawinenschaden von 1999 ist dagegen nicht mehr so toll in Schuss. Es wäre wünschenswert, wenn hier eine Einigung über die Zukunft der Gebäude gefunden werden würde… um diesen ältesten Industriebetrieb Tirols für die Nachwelt zu erhalten… gerade in Zeiten der großen Traditionspflege wäre es wichtig so ein bedeutendes Gebäude zu schützen.

Der Blick gegen das Inntal offenbart die Hüttensitze, von hier ein wunderschön geformter Berg, vom Inntal fast nicht erkennbar im Schatten seiner größeren Brüder und Schwestern, Fallbachkarspitze, Fürleg und Walderkampspitze.

Ich gehe fast den gleichen weg wieder retour, bei St. Magdalena kehre ich ein und gönne mir eine Stärkung, Sankt Johanner mit Brot! Die Kapelle lasse ich natürlich auch nicht aus…
Anschließend wandere ich durch den schönen Buchenwald zum Bettelwurfeck.

Den Schnee lasse ich beim Bettelwurfeck hinter mir, auch ein Skitourengeher, der vom Hafelekar gekommen ist, verstaut hier seine Tourenausrüstung.

Der Wechsel von hinteren ins vordere Halltal ist unglaublich und auch wunderschön… von tiefsten Schnee ins Frühjahr, und das auf wenigen Kilometern.

Eine stimmige Tour, bestimmt bin ich hier heuer wieder öfter am Weg. Und ich gebe es unverhohlen zu, ich freue mich schon wieder auf die Wander- und Bergsteigerzeit.

Tourendaten
Gesamtlänge: 11,55 km
Gesamtdauer: 2:50 h
Höhenmeter: 767 m
Lawinenwarnstufe: 1 (unter 2000m, Triebschnee NW, N, NO)

201207 Walderjoch (1.636m)

Es hat geschneit, und die Landschaft ist endlich „weihnachtlich“, wobei wir in Zentraltirol vom Schnee größtenteils verschont worden sind. In Osttirol, so hört man, wissen sie nicht mehr wohin mit der weißen Pracht.
Ich beschließe, da ich heute frei habe, eine kleine Wanderung auf das Walderjoch zu machen. Vorsorglich habe ich meine Schneeschuhe eingepackt. Den Start mache ich beim Wanderparkplatz in St. Michael bei Gnadenwald.

Beim Parkplatz überlege ich mir noch, die Schneeschuhe im Auto zu lassen, denn arg viel Schnee liegt hier doch noch nicht…

… aber je weiter ich hochsteige, desto üppiger wird der Wintermantel. Im Tal ist es noch neblig, aber je höher ich steige, desto heller wird es. Und manchmal lacht sogar die Sonne kurz aus dem Dunst.

Dann öffnet sich der Himmel, strahlend blau zeigt sich das Firmament, die Temperaturen sind aber nach wie vor kühl.

Wunderschön zeigt sich die Landschaft heute, es hat sich wieder einmal rentiert, die bequeme „Ofenbank“ zu verlassen und die Wunder der Natur zu bestaunen.

Eindrücke über Eindrücke prasseln auf mich nieder, immer wieder muss ich stehenbleiben und mich umschauen, zu schön ist es hier, um einfach achtlos weiterzulaufen.

Die Wolkendecke im Tal hält sich vehement, der Wetterbericht hat mal wieder genau richtig gelegen. Im Tal länger Hochnebel, am Berg Föhn-Einfluss… die Temperaturen sind nun auch angenehm geworden.

Hier liegt nun schon gut Schnee, fast habe ich die Walderalm erreicht, die Schneeschuhe brauche ich aber immer noch nicht, denn ein gut gespurter Weg ist vorhanden.

Kurz vor der Alm muss ich über Wiesengelände gehen, hier ist Vorsicht geboten. Der Platz ist recht sumpfig, und ein Fehltritt würde in einem Schlamassel ausarten… zumindest wäre man wohl g`scheit dreckig.

Schlussendlich erreiche ich den schönen Boden der Walderalm, eine Fläche, wie geschaffen für eine Alm. Die Hütten lasse ich vorerst aber noch links liegen und wandere zur Walderkapelle.

Hier mache ich eine kurze Pause. Die Türe ist leider wie so oft verschlossen, aber ein Blick durch das Eingangsportal offenbart eine Besonderheit. Hinter dem Altar ist ein Panoramafenster, mit Blick auf den verschneiten Hochnissl. Was für eine grandiose Aussicht…

Nun ist es Zeit für die Schneeschuhe geworden, ein Blick zurück zeigt nochmals den schönen Boden der Alm und im Hintergrund den von dieser Seite abweisend wirkende Hundskopf.

Mein Weg führt mich in die entgegengesetzte Richtung, den Großteil des Weges kann ich auch hier auf einer Forststraße zurücklegen, spuren muss ich trotzdem…

Nur die letzten Meter hinauf zum unspektakulären Gipfel des Walderjochs gehe ich querfeldein über verschneite Wiesen. Am „Gipfel“, von einem Berg kann man hier ja nicht sprechen, ist ein kleines Gedenkkreuz und eine Sitzbank.

Ich packe meine Jause aus, die lasse ich hier hier im Sonnenschein schmecken. zum Glück ist es windstill, daher ist die Pause sehr angenehm. Eine zusätzliche Jacke brauche ich dann allerdings doch…

Lange bleibt mir die Sonne nicht erhalten, eine dichte Nebelbank zieht vom Inntal herauf. Schade eigentlich, jedoch ist die neblige Aussicht sehr stimmig.

Rasch ist die Landschaft in dicken Nebel gehüllt, also packe ich meine Siebensachen und mache mich wieder auf den Rückweg, bevor es noch ungemütlicher wird.

War die Spurarbeit bergauf noch Schwerstarbeit, der Schnee ist schwer, hält aber mein Gewicht nicht, ist der Rückweg nun richtig lustig. Teilweise kann ich mit den Schneeschuhen die Gefälle runterrutschen und lege so relativ schnell den Weg zur Alm zurück.

Beim Abstieg kommt mir der erste Wanderer entgegen, heute war es hier relativ ruhig. Kurz vor der Alm ist der Nebel dann so dicht, dass ich die Gebäude erst im letzten Moment erkenne. Und so manches Schneeloch übersehe ich auch. Alles schaut aktuell gleich aus, Nebel, Schnee… eine graue Masse.

Etwas tiefer wird der Nebel lichter und ich kann zumindest ein Stück weit sehen. Je weiter ich absteige, desto besser wird die Sicht.

Die Schneeschuhe musste ich schon vor einer Weile ausziehen, denn der Weg im unteren Drittel ist gut mit normalen Schuhen zu gehen.
Zufrieden erreiche ich wieder den Wanderparkplatz.

Tourendaten
Gesamtlänge: 10,23 km
Gesamtdauer: 3:30 h
Höhenmeter: 840 m
Lawinenwarnstufe: 3

201129 Hochmahdkopf (1.738m)

Nachdem das Wetter die letzten Tage schön war, beschließen wir, auch den Sonntag noch zu nützen. Doch welcher Schreck, in der Früh hängt eine richtig fiese Hochnebeldecke über dem Inntal. Wir wollen trotzdem probieren, ob wir dieses Grau nicht umgehen können. Heute wollen wir auf den Hochmahdkopf steigen…

Beim Parkplatz beim Hackl in Absam geht es los, direkt auf einen kleinen Steig, der steil den Berg hinaufzieht.

„Steil“ ist heute Programm, der Weg lässt nur ganz kurze Verschnaufpausen zu, der Pfad zieht zuerst durch Wald und später durch die Verbrennungszone (Waldbrand 2014) am Hochmahdkopf hinauf. Hier im unteren Teil hat der Nebel wunderschöne Eisgebilde an die Vegetation gezaubert…

… die Stimmung ist heute grandios, mit dem Reif, dem Nebel und dem „Grau-in-Grau“ erzeugt dies eine fast schon gespenstische Stimmung.

Je höher wir steigen, desto heller wird es in der Umgebung, fast erscheint es wie eine zweite Dämmerung…

Schließlich brechen wir durch den Nebel, ein grandioses Schauspiel, das man nicht so oft erlebt. Wie ein Wattekissen liegt der Hochnebel über dem Inntal, teilweise sieht man noch den verschwommenen Wald durch die Schwaden.

Wir haben nun den Teil erreicht, an dem 2014 das Wetter wohl am fürchterlichsten gewütet hatte.. das Gras hat sich schnell erholt, aber die Latschen (Legföhren) werden wohl noch viele Jahre brauchen, bis sie sich hier wieder ansiedeln werden… wenn überhaupt!

War es im Tal noch kalt, ca. -1°C, so haben wir über der Hochnebeldecke schon wieder T-Shirt-Temperaturen. Nun ja, ich gebe zu ich bin nicht verfroren, aber es ist wirklich sehr angenehm geworden.

Der Gipfelhang mit den verbrannten Latschen liegt nun vor uns, im Sommer sicher unter Tags eine Herausforderung, wegen der südlichen Ausrichtung.

Immer wieder schweifen unsere Blicke ins wolkenverhangene Inntal, sogar Aldrans scheint heute keine Chance auf Sonne zu bekommen.

Der Bettelwurf lacht zu uns herüber, genauso wie im Hintergrund das Kellerjoch. Wie Inseln im Meer schauen die Bergriesen heute aus… vielleicht hat es zur Eiszeit mit dem Inntalgletscher auch so ausgesehen.

Schlussendlich erreichen wir nach ziemlich genau 1.000 steilen Höhenmetern den Gipfel des Hochmahdkopfs (1.738m). Die Fernsicht ist außergewöhnlich, der Blick über die Alpengipfel fast unendlich…

Die Brotzeit, ein uns wichtiges Ritual, wird ausgepackt und die Umgebung mit dem Fernglas erkundet. Im Aufstieg hatten wir ein paar Gämsen gesehen, nun ist es aber wohl zu hektisch geworden, viele Wanderer haben nun den Gipfel erreicht.

Wir haben eine Bank am Gipfelaufbau ergattert, da lässt es sich schon eine Weile aushalten. Während wir uns stärken, erörtern wir unsere Optionen für den Weiterweg. Wir beschließen, den Weg nach St. Magdalena zu wagen, hoffen allerdings auf nicht zu viel Schnee und Eis.

Schon die ersten Meter zeigen uns, wie der Weg ins Tal ausschauen wird… Eis und Schnee… Trotzdem wollen wir den Abstieg wagen, höchste Konzentration ist nun gefragt.

Im oberen Teil ist der Weg teils eisig und stark abschüssig, da müssen wir mit größter Vorsicht absteigen. Letu macht seine Sache sehr gut und steig bei den kritischen Stellen vorsichtig ab.

Der Schnee ist nur im oberen Teil der Wand zu finden, weiter unten wird es dann aper und somit auch leichter.

Schließlich erreichen wir das wunderschöne Kloster St. Magdalena. Der Nebel kommt wieder herein, es wird wohl bald wieder dumper werden.

Dieses ehemalige Kloster und nunmehr als Restaurant benutze Plätzchen ist einfach wunderbar. Ob im Nebel, im Sonnenschein, bei Nacht oder am Tage, immer strahlt dieser Ort Kraft und Ruhe aus. Wir schauen einen Sprung in die Kapelle, die mich immer wieder an die Hüttenkapelle am Hüttenbichl in Pflach erinnert.

Es ist kühl, daher brechen wir auf, nun müssen wir durch ein schon fast hoch-winterlich anmutendes Halltal zurück zum Parkplatz wandern. Letu bereut, dass wir keine Rodel mitgenommen haben und versucht mit seinen Schuhen den Weg hinunter zu rutschen.

Es macht eindeutig Spaß und die Vorfreude auf den Winter ist nun schon groß.

Am Ende ist das Halltal dann wieder Grau-in-Grau gehalten, der Schnee ist weg und der Nebel in Talnähe dick und zäh.

Die letzten Meter wandern wir auf dem Fluchtsteig hinaus aus dem urigen Tal. Waren wir im oberen Teil des Tales noch alleine, begegnen uns nun ein paar Spaziergänger, die sich trotz vermeintlichem Schmuddelwetter hinaus gewagt haben.

Auf der Brücke am Hackl schauen wir auf den Parkplatz und sind verwundert… da ist heute richtig was los. Wir scheinen die ruhigere Tour ausgesucht zu haben.

Eine wunderschöne, wenn auch in der Nordlage herausfordernde Wanderung, die heute ein wenig Vorsicht beim Abstieg ins Halltal gefordert hat.

Tourendaten
Gesamtlänge: 10,83 km
Gesamtdauer: 4:10 h
Höhenmeter: 1.022 m

200616 Zirler Klammwanderung

Schlechtes Wetter bedeutet nicht immer, daß man zu Hause bleiben muß. Es gibt Wanderungen, die sich für solche Tage geradezu anbieten. Eine Route, die mir schon öfter ins Auge gestochen ist, und auch schon mal in der Tiroler Tageszeitung, zumindest in einer kürzeren Variante geschrieben stand, ist der Gang durch die Ehnbach- und dann weiter in die Schlossbachklamm.
Ich starte in Zirl beim Wanderparkplatz bei der Rettung, heute habe ich keine Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu bekommen, denn ich bin der Erste hier.

Keilerboden

Von Zirl gehts steil über den kurzen Steig hinauf zum Keilerboden. Hier eröffnet sich eine wunderbare Aussicht auf Zirl. Ein kleiner Grillplatz auf der Aussichtskanzel zeugt von der Beliebtheit dieses Platzes… bei der Sicht kein Wunder.

Blick auf Zirl

Weiter gehts in die Ehnbachklamm. Der Bach führt heute nicht viel Wasser, aber man sieht am Geschiebe, daß das kleine Bächlein auch ganz anders kann. Ich gehe ein paar Meter am Bach entlang und gelange wieder auf den Wanderweg. Hier treffe ich meinen einzigen Mitwanderer an diesem Tag… eine ältere Frau mit Hund.

Sicht auf den Ehnbach und das Geschiebe…

Ich bewundere das Klettergebiet, und auch die Formationen, die man hier sieht. Ein kleines Köpferl schaut aus wie ein Gnom, der über der Schlucht wacht.

Saftiges Grün, verwitterte Felsen, Höhlen und uralte Bäume formen eine fast schon unwirkliche Landschaft, die wunderschön anzuschauen ist.

Märchenlandschaft

Der Wanderweg geht noch ein wenig über das Klettergebiet hinaus, dann quert der Pfad über einer Brücke auf die andere Talseite. Hier ist der Bahnhof Hochzirl und das LKH angeschrieben.

Vorbei an dem Bahnhof und ein wenig Zivilisaton quere ich in die Schloßbachklamm. Hier verläuft nun eine technische Meisterleistung. Die Mittenwaldbahn, mein Zug nach Hause…
Diese Bahntrasse wurde schon 1912 eröffnet, man kann sich heute gar nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen diese Bahn gebaut wurde, und welche technische Meisterleitung von Josef Riehl und Wilhelm Carl von Doderer erbracht wurde…

Mittenwaldbahn, Abschnitt Karwendelbahn

Immer wieder rauscht ein Talent-Personenzug vorbei, die Strecke ist besser befahren als ich angenommen hatte.

Blick zum Zug auf der anderen Seite der Schlossbachklamm

Am Ende der Schlossbachklamm, zumindest am Wegende, führt eine steile Treppe ins Bachbett und zu einer Brücke, die über den Bach führt. Und hier sieht man noch ein Highlight dieser Wanderung…

Schlosbachklamm

… die denkmalgeschütze Schlossbachgrabenbrücke. Diese von der k.u.k. Hof-Eisen-Construktions-Werkstätte 1912 erbaute Brücke überspannt die Klamm mit einer Spannweite von 56m. 2012, zum 100jährigen Jubiläum wurde die Brücke saniert und erstrahlt heute wieder in „altem“ Glanz.

Schlossbachgrabenbrücke

Vom Bachbett muss ich nach der kleiner Stegbrücke wieder hinauf, auf Höhe der Bahntrasse aufsteigen. Dabei geht es steil zu Sache, doch bald bin ich auf dem höchsten Punkt meiner heutigen Wanderung angelangt.

Steg über den Schlossbach

Abgesehen von den Eisenbahnbauwerken und der Trasse finde ich immer wieder andere Spuren von Zivilisation inmitten dieser wilden Landschaft. Zum Beispiel eine verwitterte Staumauer, bei der nur noch der obere Teil der Krone stehengeblieben ist (siehe nächstes Bild)…

Verwitterte Rückhalte-Staumauer

Vorbei an einem schönen Föhrenwald, immer noch die Stille genießend stehe ich plötzlich vor der B177…

Farnen-Armee

… die Seefelder Straße, vielen auch aus dem Verkehrsfunk bekannt wegen den immer wieder vorkommenden Staus an Wochenenden.

Zum Glück muss ich nur ein paar Meter neben der Bundesstraße laufen, dann zweigt der Pfad in den Wald und weg vom Verkehrslärm. Leider scheint hier keine bessere Routenführen möglich gewesen zu sein…
Meine letzte Station ist die Burgruine Fragenstein, die zu ihren aktiven Zeiten einen wichtigen Schutz des Salzhandels über den Seefelder Sattel darstellte.

Fragenstein

Vorbei am Kriegerdenkmal, der Gedenkstätte für die Zirler Euthansieopfer-Opfer und über eine steile, aber toll angelegte Stiege erreiche ich den Eingang zur Ehnbachklamm und damit fast wieder den Parkplatz. Schließlich bin ich bei meinem Auto, das immer noch weit und breit alleine auf dem Parkplatz steht…

Tourendaten
Gesamtdauer: 3:45 h
Gesamtlänge: 13,38 km
Höhenmeter: 809 m

200517 Kartellerjöchl (1.731m)

Wieder einmal zieht es Letu und mich, ins Halltal, Heute steht das Kartellerjöchl auf dem „Speiseplan“, ein im hinteren Halltal aufragender Felsblock, der das Tal teilt. Südlich davon verläuft das Halltal, nördlich liegt der Issboden.
Wir beginnen unsere Wanderung beim Hackl, wie jedes Mal. Heute ist jedoch richtig was los, nur mit Müh und Not bekommen wir einen Parkplatz. Abweichend zu sonst, nehmen wir heute die Asphaltstraße bis zur Ochsenbrücke, immer ganz nahe beim Weißenbach.

Vorbei kommen wir natürlich auch bei der mächtigen Bettelwurfreise, die immer einen Gefahr für das Halltal darstellte und immer noch darstellt. Der Sage nach handelt es sich hier um den Bettelwurfgeist, der unsichtbar in den Felswänden des Halltals geistert. Im Winter tritt er Staublawinen los, im Sommer löst er Muren vom brüchigen Gestein. An warmen Föhntagen kann man sein Heulen und Toben aus den Klüften der Felsen hören.

Ab dem Bettelwurfeck öffnet sich das Tal wieder, Buchen mit frischem Laub säumen den Weg, der Frühling hat es auch ins Halltal geschafft. Bald erreichen wir die Herrenhäuser, die Hauptattraktion des aufgelassenen Bergbaus. Spuren gibt es allerdings noch wesentlich mehr. Im Hintergrund sehen wir schon das Kartellerjöchl.

Die Bedeutung des Halltals kann man heute nur noch erahnen, leider wird meiner Meinung nach dieses bedeutende Erbe Tirols nicht genug gewürdigt. Das ehrwürdige Herrenhaus ist mittlerweile in einem erbärmlichen Zustand und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis hier ein Unglück passieren wird.

Vorbei an den Herrenhäusern steigen wir höher auf der ehemaligen Werkstraße. Immer wieder stoßen wir auf Überbleibsel vom Bergbau.

Wobei man mit dieser Aussage Vorsicht walten lassen muss. Obwohl der aktive Bergbau nicht mehr vorangetrieben wird, ist der Haller Salzberg nach wie vor aktiv und muss gewartet werden. Ein Laugwerk kann nicht einfach stillgelegt werden…

Fast am höchsten Punkt, dem Wasserberg, finden wir wunderschön aufgeschichtete Lawinenschutzbauten, die im 19. Jahrhundert angelegt worden sind.

Das letzte, und in meinen Augen schönste Gebäude, von dem ich jedoch keinen Namen weiß, ist auf diesem Bilde zu sehen. Noch stehen die meisten Bauten, aber der Zahn der Zeit nagt fest daran…

Schlussendlich erreichen wir das Kartellerjöchl, mit einer wunderschönen Aussicht auf das Halltal. Und ein kleiner, unscheinbarer Fels wird von uns auch näher betrachtet. Der Gamskogel. Auf den müssen wir mal rauf, beschließen wir spontan. Heute nicht, denn wir haben kein Seil dabei, und eine seilfreie Begehung ist mir mit Junior zu riskant.

Auch beim Rückweg kommen wir an verschiedenen Stollen vorbei. Das ganze Ausmass der Anlage kann hier erahnt werden. Es wurden ja zig Kilometer Stollen in den Berg gehauen…

Hier im Bild sieht man gut das Resultat der Schadlawine von 1999, ein Teil des Herrenhauses wurde weggerissen und nur notdürftig repariert.

Ein Besuch im Halltal darf nicht ohne Einkehr bei Sankt Magdalena abgeschlossen werden. Nun, da die Hütten zaghaft aufsperren, gönnen wir uns eine Erfrischung. Der Erdbeerkuchen ist ein Gedicht.

Der weitere Weg führt nun wie gewohnt, aber nie langweilig, von Sankt Magdalena…

… über Buchenwälder…

… und den spektakulären Fluchtsteig…

… hinaus in die Zivilisation, zum Hackl. Ein letztes Blick zurück ins Halltal…

… wir kommen gewiss bald wieder!

Tourendaten
Gesamtlänge: 16,43 km
Gesamtdauer: 4:16 h
Höhenmeter: 1000 hm (auf den Meter genau…)