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211121 Kaisersäule (1.700m) und Törl (1.773m)

„Auf den Spuren der Thaurer Knappen“, so würde der Alternativtitel meiner heutigen Tour wohl heißen. Wer meinen Ausführungen aufmerksam folgt, kennt meine Affinität zum Bergbau. Und das Halltal, dieses Tiroler Kleinod, ist hier ein wahrer Fundus.
Meine heutige Tour starte ich an anderer Stelle, in Thaur. Einige Salzknappen kamen aus Thaur, und der von mir gewählte Weg war ihr Arbeitsweg zum Salzbergwerk…

Mit dem Bus erreiche ich Thaur, durch das schöne Dorf wandere ich hinauf zum Romediuskirchl und weiter zum Thaurer Schlössl. Es ist noch früh, aber im Gasthaus herrscht schon emsiges Treiben… der letzte Tag vor dem Corona-Lockdown Nr. #4 muss noch genutzt werden.

Mir ist es für eine Einkehr noch zu zeitig, nach kurzem Gespräch mit der Wirtin wandere ich, noch im Schatten, in höhere Gefilde… schon bald lugt die Sonne über die Tuxer Alpen und wärmt mich angenehm auf.

Der Blick ins Inntal, leicht dunstig, offenbart den anrückenden Winter. Die Nordhänge können sich nicht mehr vom weißen Kleid befreien, an den Südhängen ist es aber noch angenehm.

Der Weg ist steil, mit dem logischen Vorteil, schnell Höhe zu machen. Überall strahlen die wunderschönen gelblichen Lärchen aus dem Wald hervor…

Bald schon erreiche ich die Thaurer Alm (1.464m). Zu meinem Leidwesen bin ich hier noch nie eingekehrt, obgleich ich schon ein paar Mal vorbei gelaufen bin. Auch heute hat sie, wie fast jede Alm, den Betrieb schon eingestellt. Einsamkeit pur, bis jetzt ist mir nur ein Wanderer entgegengekommen…

Von der Alm zieht ein feiner Weg in Richtung Osten, mit Umweg zur Kaisersäule, aber auch direkt zum Törl. Ich wähle den Umweg, der mich in Folge wieder zum Törl bringen wird.

Schon fast bei der Kaisersäule angekommen, genieße ich den Ausblick ins Oberland und zur wunderschön gelegenen Thaurer Alm.

Nun ist mein erstes Ziel, die Kaisersäule erreicht. Hier muss ich wohl ein paar erklärende Worte spendieren: Die Säule ist keine Säule, sondern eine Pyramide. Und der Namenspender ist Kaiser Franz I., der an diesem Ort die Schlachtorte der Tiroler Freiheitskämpfe von 1809 besichtigte. Im Erinnerung an diesen denkwürdigen Besuch errichteten die Salinenarbeiter anno 1838/39 das Denkmal.

Fürwahr wurde der Platz wunderbar gewählt, die Aussicht ist grandios und ich nutze die Gelegenheit, meine Jause hier zu verzehren. Bei so einem Blick schmeckt das Mitgebrachte gleich zweimal so gut…

Nach verdienter Pause mache ich mich auf, den weiteren Weg zu bestreiten. Zuerst muss ich ein paar Höhenmeter zum Törl zurücklegen. Hier könnte man zur Wildangerspitze abzweigeb, ein Ziel, das ich gerne nächstes Jahr machen würde…

Schatten, verursacht durch den Thaurer Zunterkopf lässt den Schnee hier nicht mehr abschmelzen, der wird die noch magere Unterlage für einen hoffentlich schneereichen Winter bilden.

Die Gämsen ziehen um diese Jahreszeit in tiefere Gefilde, immer wieder kann ich diese begnadeten Kletterer am Wege beobachten. Ich versuche, möglichst leise vorbei zu schleichen, damit der schon angefressene Winterspeck nicht unnötig reduziert wird.

Die Rücksicht lohnt, langsam und ohne Eile ziehen die Geißen an mir vorbei, und kommen so relativ nahe an meine Position.

Mit dem Übergang ins Halltal, beschattet durch die Berge, breitet sich nun Kälte aus… diese wird mich wohl mit kurzen Pausen bis zu Ausgang des Tales begleiten.

Bizarre Felsformationen, brüchig und bedrohlich, erinnern mich, dass vor kurzem der Übergang über das Törl noch wegen Steinschlags gesperrt war. Mittlerweile ist der Weg ein wenig verlegt, daher kann man diese Passage gefahrlos begehen.

Schließlich erreiche ich die Herrenhäuser, stumme Zeitzeugen einer einst glorreichen Zeit, als das Salzbergwerk noch aktiv war. Erst 1967 wurde der Bergbau eingestellt, nach 700jährigem Bestehen. Zwar weniger bekannt als der Silberbergbau in Schwaz, hatte die Saline den größeren finanziellen Ertrag pro Jahr. Zu besten Zeiten wurden hier 16.800 Tonnen Salz pro Jahr gefördert… lange Zeit der größte Industriebetrieb Tirols.

Leider hat der Zahn der Zeit und auch die Natur ihre Spuren an diesem wunderschönen Ensemble hinterlassen… seit kurzem bemüht sich neuerdings ein Verein um eine Revitalisierung der altehrwürdigen Gebäude. Hoffentlich sind sie erfolgreich…

Ein weiterer Zeitzeuge aus längst vergangenen Tagen ist St. Magdalena im Halltal. Ehemals als Kloster angelegt, ist hier nun ein kleines Berggasthaus einquartiert. Im Winter lockt der Platz unter anderem mit einer toller Naturrodelbahn.

Als Abstiegsweg nütze ich den Steig durch das Eibental. Der Steig führt hoch über dem Talboden hinaus zum Bettelwurfbründl.

Von hier hat man einen guten Überblick über den Talanfang. Auch das Mundloch des Margarethen-Trinkwasserstollen, der die Trinkwasserversorgung für die Region Hall-Wattens sicherstellt, kann entdeckt werden. Der Stollen wurde zwischen 1995 – 2002 erbaut, nachdem die alte Trinkwasserversorgung am 31. Juli 1992 durch eine gewaltige Mure zerstört wurde.

Zu guter Letzt erreiche ich den Hackl, Ausgangspunkt für viele Wanderungen im malerischen Tal. Der Parkplatz ist voll, viele Wanderer wollen das schöne Wetter nutzen und auch dem morgen startenden Lockdown nochmals entkommen.

Ich muss feststellen, dass ich noch eine Stunde Zeit bis zu meinem Bus habe, daher beschließe ich, nach Hall zu wandern. Dort genieße ich die Sonne im Kurzpark, während ich auf den Bus warte.

Zufrieden erreiche ich wieder mein Heim, eine feine Wanderung liegt hinter mir, mit vielen Eindrücken, von denen ich nun zehren kann.

Tourendaten
Gesamtdauer: 4:30 h
Gesamtlänge: 18,47 km
Höhenmeter: 1.230 hm / 1.367 hm

211009 Winklerhütte (1.367m)

Heute steht wieder mal das Halltal auf dem Programm. Das Wetter ist überraschend kühl und die Hochnebeldecke halt sich vehement fest an den Bergflanken. Dennoch beschließen wir, in Richtung Hüttenspitze aufzusteigen.

Vom Hackl über die erste Brücke erreichen wir das Ufer des Weißenbachs, an dem wir weiter taleinwärts wandern.

Bald zweigen wir in den Wald ab, so manche Felswand muss umgangen werden, daher holt der Weg immer wieder großzügig aus.

Dennoch kommen wir gut voran, überrascht von der großen Anzahl an Mitwanderern, die für diese Ecke eher unüblich sind.

Bald weist uns ein Schild auf den Weg zur Alpensöhnehütte, auch Winklerhütte genannt, hin. Da es kühl und neblig, ist, sind wir noch uneins über ein Ziel.

Das Halltal zeigt sich heute von seiner mystischen Seite. Immer wieder öffnen sich Wolkenfenster und erlauben einen Blick ins hintere Tal.

Vorbei an der Halltalerhütte, der Weg ist nun teils recht ausgesetzt…

…erreichen wir das Jausenbankerl kurz vor der Winklerhütte. Hier packen wir uns warm ein, zum Glück haben wir die Winterjacken dabei, und genießen unsere Brotzzeit.

Lange können wir nicht pausieren, zu kalt ist es heute. Auf unserem Weg kommen wir noch an der wunderschönen Alpensöhnehütte vorbei.

Die Hütte gehört der renommierten „Bergsteigergesellschaft Alpensöhne“, die schon seit 1893 existiert und ihren Sitz in Hall in Tirol hat.

Nach der Hütte wandern wir wieder talauswärts, und so erreichen wir bald unseren Aufstiegsweg.

Kurz nach der Halltalerhütte zweigen wir auf einen Pfad Richtung Halltal ab, der uns durch die Ladhüttenklamm führt.

Der Steig scheint vor nicht allzu langer Zeit renoviert worden zu sein, die Versicherungen an den steilen Stellen sind vorbildlich, und so mancher Waldschratt grüßt uns am Wegesrand.

Der Steig selber ist als Steinschlaggefährdet ausgeschrieben, aber für uns war das kein Problem. Es waren allerdings auch keine anderen Wanderer am Weg.

Schließlich erreichen wir die asphaltierte Halltalstraße, die uns wieder zurück zum Hackl führt.

Der Andrang ist jetzt schon viel größer als in der Früh, aber irgendwie verläuft sich das im Tal dann alles wieder…

Bevor wir nach Hause fahren, „hängen“ wir unsere Füße ins wirklich eiskalte Wasser, nach 3-4 Schritten fast nicht mehr aushaltbar.
So erfrischt fahren wir retour, es war wieder einmal ein schöner Tag in der Natur!

Tourendaten
Gesamtlänge: 7,66 km
Gesamtdauer: 2:51 h
Höhenmeter: 730 m

210828 Enzianhütte (1.041m)

Das Wetter ist leider nicht „Höhentauglich“, daher beschließe ich spontan, eine Cacherunde zu machen. Als Ziel küre ich die Mühlauer Klamm, da habe ich noch Dosen offen… vom Balkon sehe ich jeden Tag diesen Abschnitt der Nordkette.

Die Anfahrt, obwohl als Luftlinie nur ein Katzensprung, ist geführt immer eine Weltreise, da keine direkte Anfahrt quer durch Innsbruck möglich ist. Beim Karmelitinnenkloster parke ich, und nach ein paar Metern bin ich am Steig durch die Mühlauer Klamm.

Obwohl das Wetter nicht sommerlich ist, fürs Wandern gestaltet es sich perfekt. Es ist kühl, keine Leute am Weg und der Nieselregen lässt sich gut aushalten. Flux erreiche ich die Teufelskanzel, heute ein schöner Rastpunkt, um den sich allerdings schaurige Sagen aus längst vergessenen Zeiten handeln.

Ein Stück weiter treffe ich auf das Hexenloch, hier sollen sich die Hexen der Umgebung zu heimlichen Treffen zusammengefunden haben und wohl auch so manches Wetter gekocht haben.

Ab hier wird der Steig ein wenig steiler, nun zweige ich vom Mühlauer Bach ab hinein in den Wald.

Es hat wieder ein wenig zu regnen angefangen, für mich kein Problem. Jedes Wetter hat seine schönen Seiten, heute glänzen und funkeln die nassen Blätter und Sträucher…

Generell hat man hier, ganz in der Nähe der Landeshauptstadt, das Gefühl, in einem Urwald zu wandeln.

Der Pfad hat in einem Bogen wieder zurück zum Mühlauer Bach gefunden, eine der Hauptwasserquellen Innsbrucks, und das schon seit Jahrhunderten.

Obwohl der Bach heute beruhigend vor sich hinplätschert, kann dieses Gewässer auch ganz anders… die Mühlauer-Klamm-Lawine hat schon viel Leid und Pein über die Bevölkerung gebracht. Dagegen wurde in den Jahren 2002 bis 2007 ein riesiger Lawinenbrecher gebaut, um die Stadtteile am Ausgang der Klamm zu schützen.

Von der Krone des Damms erblickt man einen kleinen Teil Innsbrucks, die Sicht ins Mittelgebirge ist durch tief hängende Wolken verhindert.

Am Kreuzungspunkt mehrerer Wege befindet sich die Teehütte, ein spektakulärer Bau in einer Brecciewand. Dieser Bau ist uralt und bestand schon vor dem Bau der aktuellen Forststraße.

Mein Weg führt mich weiter bergan, hinauf zur Enzianhütte, die nun in greifbare Nähe gerückt ist.

Die Sonne bricht manches Mal durch die Wolkendecke und zaubert helle Farbtupfen in den Blätterwald…

Schließlich stehe ich vor der schönen, 2019 neu errichteten Privathütte. Wegen des Wetters ist fast nichts los, dennoch bietet sich eine Einkehr geradezu an.

Ich gönne mir eine Leber-/Kasknödel-Suppe, dazu einen Radler als Erfrischung. Das tut gut, und das Essen ist vorzüglich. Dazu kommt eine nette Unterhaltung mit dem Eigner der Hütte, der die Pause schön abrundet.

Ich verlasse die Hütte, gehen ungefähr fünf Minuten, dann sehe ich was Gelbes im Wald leuchten. Bei der Nachschau entpuppt sich dieser Farbklex als wahrliche Eierschwammerl-Plantage. Innerhalb kürzester Zeit habe ich ungefähr ein Kilogramm dieser Köstlichkeiten gepflückt. Schöne große Exemplare, nicht die kleinen Stöpsel, von denen man keinen Korb voll bekommt…

Nun führ der Weg ins Tal, ein paar Mal zweige ich in den Wald ab, nur um noch mehr Pfifferlinge zu ernten.

Vor dem Abstieg in die Klamm konsultiere ich nochmals die Karte und entdecke einen Alternativweg auf der orographisch linken Seite des Baches. Anfangs ist der Weg gut, führt zu ein paar Boulderfelsen und scheint gut frequentiert zu sein.

Je weiter ich nach unten komme, desto schmäler wird der Pfad. Durch den feuchten Boden ist eine saubere Steigerei Garant dafür, dass die Waschmaschine nachher keine Überstunden machen muss.

Die rutschigste Stelle ist mit einem Seil entschärft, so erreiche ich ohne zu rutschen, das Schuhwerk war dem Wege doch gewachsen, die Talsohle, bzw. den Bach.

Hier treffe ich wieder auf den Aufstiegsweg, der mich nun mühelos in ein paar Minuten zum Ausgangspunkt führt.

Dort wartet mein treues Auto auf mich… noch immer bin ich der einzige Besucher des Parkplatzes… eine gemütliche Schlechtwettertour, oder wenn man mal nicht arg viel tun mag. Fein…

Tourendaten
Gesamtdauer: 2:00 h
Gesamtlänge: 6,1 km
Höhenmeter: 593 m
Geocaches: 7 Stück

210620 Hüttenspitze (1.858m) ✨

Nachdem das Wetter nicht so schlecht gemeldet ist, mir aber noch die lange Nacht des Bergfeuers in den Knochen steckt, beschließe ich, eine beschauliche Tour auf die Hüttenspitze am Eingang des Halltals zu machen. Es sind schon ein paar Jahre vergangen, seit ich auf diesem schönen Gipfel gesessen bin.
Ausgangspunkt ist der Hackl, da ich nicht allzu früh am Wege bin, ist der Parkplatz schon gut belegt. Trotzdem finde ich gleich einen Platz und mache ich auf den Weg.

Vom Hackl aus ist die Wegsuche immer ein wenig abenteuerlich, ein Stück muss ich am Halltalbach bzw. Weißenbach entlang wandern. An einigen Stellen ist der Steig unterbrochen, den hat wohl der Bach bei höheren Wasserständen „abgenagt“.

Schließlich zieht der Weg recht in den Wald hinauf. Die Temperaturen im Wald sind grenzwertig und schrauben meinen Flüssigkeitsbedarf dramatisch in die Höhe.

Ab und zu kommt ein laues Lüftchen auf, höchst willkommene Erfrischung, die aber nicht von Dauer ist.

Faszinierende Blicke ins Halltal entschädigen für die Anstrengung. So mancher Wanderer begegnet mir, später stelle ich fest, dass diese zum Großteil von der Alpensöhnehütte kommen.

Nachdem ich die Hütte passiert habe, wird es ruhiger, nur wenige Bergsteiger finden den Weg auf diesen faszinierenden Berg, der im Schatten seiner größeren Nachbarn, wie zum Beispiel dem Bettelwurf steht.

Die Fernsicht ist heute in zweierlei Hinsicht nicht besonders: Zum einen ist die Luft immer noch Gewitterschwanger, wobei kein akuter Ausbruch zu erwarten ist, zum anderen bläst der Südwind Saharastaub in die Alpen und beeinträchtigt damit die Sicht.

Nun habe ich die Rinne erreicht, die einfach zu erklettern, aber dennoch mit Vorsicht zu genießen ist. Zu locker ist das Gestein geschichtet und immer wieder brechen kleinere und größere Brocken ab und suchen schwerkraftsbedingt ihren Weg nach unten.

Nachdem ich den bröckeligen Teil hinter mir gelassen habe, ist der Rest des Aufstiegs einfach und, Gott sei es Gedankt, auch ein wenig erträglicher geworden, da nun ein reges, stetes Lüftchen weht.

Auch im Unterland ist die Sicht alles andere als gut, den Glotzen und auch das Kellerjoch kann man gerade noch erahnen.

Unter mir liegt das Halltal in seiner ganzen Pracht, St. Magdalena und im Hintergrund Kartellerjöchl mit den altehrwürdigen Herrenhäusern, überragt von Wildanger-, Stempeljochspitze und Roßkopf. Sogar die Rumerspitze lässt sich erahnen.

Zufrieden erreiche ich den Gipfel, nun wird gejausnet und auch eine Cachekontrolle eines meiner ältesten Caches, „Hüttenspitze“ durchgeführt.

Für mich ist das Highlight der Tour die „Abfahrt“ über die Wechselreise. Da ich keine Möglichkeit habe, in den oberen Teil der Rinne einzusehen, bleibt ein gewisses Restrisiko, dass noch Schneefelder den Abstieg erschweren.

Dennoch wage ich den nordöstlichen Abstieg, der ein wenig pfiffiger als der Aufstieg ist.

Die Schlüsselstelle, eine steile Rinne, ist wie ich schon das letzte Mal feststellen konnte, mit Henkelgriffen ausgestattet und daher leicht abzusteigen. Rasch befinde ich mich am Einstieg in die Wechselreise, die sich schneefrei präsentiert.

Die ersten Meter des Abstiegs sind immer ein wenig holprig, das Gestein ist hier grob und erlaubt keine feinen Schwünge. Doch nach ca. 100m eröffnet sich die Bahn mit perfektem Laufschotter… und das fast 600 Höhenmeter bis kurz vor die Halltalstraße.

Rückblickend schaut die Reise nicht ganz so steil aus, allerdings täuscht dies ein wenig. Die objektiven Gefahren halten sich in Grenzen, ein Totalabsturz ist unwahrscheinlich, eher würden die scharfkantigen Steine ihre volle Bremswirkung entfalten, was dem weichen Hautgewebe wohl nicht sehr zuträglich wäre.

Just diese Erfahrung muss ich im untersten Bereich machen. Ein unachtsamer Tritt und schon habe ich einen unangenehmen Schnitt am Oberschenkel. Die bei diesen Temperaturen nicht ausbleibende Schweißbildung erinnert mich anschließend permanent auf unangenehme Weise an meine Unachtsamkeit.

Dennoch kann eine solche Lappalie mir das Lächeln ob der tollen Abfahrt nicht aus dem Gesicht vertreiben. Einen solchen Abstieg kann man nur genießen.

Einmal noch schaue in den Talschluss mit seinen majestätischen Gipfeln ausgiebig an. Einige davon stehen immer noch ganz oben auf meiner Liste.

Den Abschluss meiner tollen Tour macht dann der Fluchtsteig, der mich wieder an den Parkplatz beim Hackl leitet. Dort, auch schon Tradition, drehe ich 5 Runden im Kneippbecken, bis ich meine Füße nicht mehr spüre… so erfrischt kann der ruhige Teil des Tages beginnen.

Tourendaten
Gesamtdauer: 3:25 h
Gesamtlänge: 10,29 km
Höhenmeter: 1.084 m

210524 Halltal

Heuer haben sich die Geschwister April und Mai einen Scherz erlaubt und haben sich, zwillingsmäßig, getauscht… zumindest was das Wetter betrifft. Während der April relativ stabiles Wetter aufgewiesen hatte, ist der Mai heuer unberechenbar. Blauer Himmelt tauscht in kürzester Zeit mit leichtem Nieselregen, dann wieder warm, teilweise schwül… es ist alles dabei.
Um dennoch ein wenig in der Natur zu sein, wandern Letu und ich in unser geliebtes Halltal. Die Idee kam übrigens vom Junior höchstpersönlich.

Da wir nicht gerade früh aufgebrochen sind, finden wir den Parkplatz Hackl schon gut belegt vor, dennoch können wir einen Parkplatz ergattern. Den ersten Teil bestreiten wir, wie fast immer, auf dem Fluchtsteig, ein wenig erhöht über der eigentlichen Salzstraße.

Wie immer macht diese Passage sehr viel Spaß, der aus lawinentechnischen Überlegungen gebaute Steig ist heute der schönest Eintritt in dieses wild-romantische Tal.

Beim Bettelwurfeck, das wir unter uns sehen, zweigen wir heute nach links ab, ins sogenannte Eibental. Dieser Weg, den ich vor kurzem das erste Mal begangen bin, führt Steil, sehr steil empor.

Es ist genau so, wie ich es mag… die Anstrengung ist hier am Anfang, knackig steigen wir empor… weiter oben flacht der Pfad dann auch ab… erst die Arbeit, dann das Spiel.

Wenn man am Eibental-Steig den Scheitel erreicht hat, quert der Weg in Grasflanken parallel zur Salzstraße. Die Aussicht ins hintere Halltal ist von diesem Pfad spektakulär.

Ohne Höhenänderung verläuft der Weg erst auf einem schmalen Steig, der sich dann kurz vor St. Magdalena zur breiten Forststraße weitet. Und dann strahlt schon das weiße Gebäude des ehemaligen Klosters zu uns her.

Heute marschieren wir gleich weiter, ein kurzes Stück wandern wir noch auf der Forststraße, bis wir über ebendiese die Einmündung in die Salzstraße erreichen. Hier drehen wir um, um nun auf der Asphaltstraße wieder hinab ins Tal zu gehen.

Auch in diesem rauen Tal zieht der Frühling ein, überall sprießen schöne gelbe Blümchen, es könnte sich hierbei um Steinkraut handeln…

Bei der Trinkwasserfassung queren wir wieder auf den Fluchtsteig mit seinen Relikten (Soleleitung) aus den goldenen Zeiten des Salzabbaues.

Knorrige alte Buchen, die hier neben dem Weg wachsen, sind unter Tage schön anzusehen, in der Nacht könnten diese aber auch ein wenig wohligen Grusel auslösen.

Am Rückweg kommen wir wieder an unserem Aufstiegspfad zurück, ein Wegweiser zeigt hier das Eibental an.

Der Fluchtsteig macht immer in beiden Richtungen Spaß, der Rückblick zur Bettelwurfreise lässt erahnen, dass bei Gewitter hier die Stimmung nicht so entspannt ist.

Kurz vor dem Parkplatz entdeckt Letu ein paar verblühte Löwenzahn, oder auch Pusteblumen, die er freudestrahlend in alle Windrichtungen bläst. Da wird nächstes Jahr der Löwenzahn wohl wieder gut wachsen…

Das Kneippbecken am Hackl ist wieder eröffnet. Ich bezweifle allerdings, ob viele Lebewesen abgesehen von den schockgefrorenen Regenwürmern dieses Angebot heuer schon genutzt haben. Letu und ich wagen ein „Tänzchen“, nach einer Runde sind die Beine gefühllos, die zweite Runde ist dann schon fast eine Zumutung. Dafür ist die Wärme im Anschluss an das Kneippen sehr angenehm.

Ein schöne Einstimmungswanderung, der hoffentlich noch viele Tage im Halltal folgen werden.

Tourendaten
Gesamtdauer: 2:43 h
Gesamtlänge: ca. 8km (GPS Aussetzer)
Höhenmeter: 576 m

210424 Figln – Nordkette

Heute steht eine für uns neue Sache auf dem Programm… Figln. Figl, auch Firngleiter genannt, sind Kurzski ohne Belag, damit die Teile auch richtig robust sind. Die Fahrt mit diesem Spaßgerät ist fast ausschließlich im Frühjahr, eben bei Firn möglich. Und die Nordkette in Innsbruck ist hier ein Hotspot dafür geworden…

Mit Skischuhen neben der Blumenwiese

Im Frühjahr finde ich die letzten Winteraktivitäten immer sehr amüsant. Während wir mit Skischuhen durch die Stadt trampeln, kommen uns schon Leute mit Shorts entgegen. Trotzdem, das zeichnet Innsbruck aus, man wird nicht komisch angeschaut, das ist hier ganz normal… das Nebeneinander der Extreme.

Auffahrt mit der Hungerburgbahn

Mit der Hungerburg- und anschließend der Nordkettenbahn erreichen wir rasch die sogenannte Seegrube. Das Anziehen der Figl gestaltet sich als recht mühsam, weil unsere Leihgeräte eine Schnürung aufweisen. Das wird aber dem Spaß keinen Abbruch tun…

Erste Schritte

Nachdem die Gleiter fest am Schuhwerk montiert sind, starten wir unsere ersten Versuche… spaßig, aber gar nicht so leicht. Die Ski sind so kurz, das man fast vergessen könnte, dass da überhaupt was an den Schuhen ist.

Übersicht Seegrube

Nach der Devise, der frühe Vogel fängt den Wurm, sind wir zeitig auf der Seegrube gekommen und dementsprechend sind noch nicht so viele Leute. Der Schnee ist aber schon weich, daher haben wir gut gewählt…
Die erste Abfahrt besteht noch aus viel Bodenkontakt, aber mit jedem Meter wird, das Gleichgewicht fordernd, die Figlkunst besser. So bald rauschen wir in den Rinnen und im weichen Schnee nach unten…

Rinne

Speziell die Rinnen sind ein Markenzeichen der Nordkette… da hier viele Leute die selben Spuren abfahren, sind diese Abfahrtsschneisen in manchen Wintern fast schon mannshoch.

Sara in der Rinne

So manchen Sturz gönnen wir uns, wegen dem weichen Schnee wird man aber nur nass, richtig wehtun kann man sich zum Glück nicht…

Mit fortschreitender Stunde füllt sich das Skigebiet mit Figlern. Da der Sessellift hier schon an die Grenzen kommt, wird die Schlange der Wartenden immer länger… am Schluss brauchen wir fast 15min. am Lift.

Das ist was los…

Beim Hochfahren sieht man wieder die Rinnen, die hier überall entstehen.

Bergfahrt

Der Blick auf die Landeshauptstadt, Patscherkofel, Serles und Habicht, Tuxer und Stubaier Alpen ist einfach toll…
Wir genießen die Aussicht und beschließen, es gut sein z -lassen.

Innsbruck mit Tuxern und Stubaiern

Die Gondel bringt uns wieder ins Tal, überrascht stellen wir fest, wie viele Leute hier noch auf die Bergfahrt warten. Die Entscheidung, früh zu starten, war definitiv die Richtige.
Den Kindern und mir hat es sehr gut gefallen… das ist definitiv nicht das letzte Mal mit den Firngleitern.

Da ist noch mehr los…

210405 Hochmahdkopf (1.738m)

Den eigentlichen Plan hat es mir heute ein wenig durcheinander gewirbelt, da sieht man wieder, wie wichtig eine Tourenplanung, inklusive Alternative oder Notfallplan ist.
Ich starte um 7:15 Uhr beim Hackl in Absam, gleich vom Parkplatz zieht ein steiler Pfad hinauf, mein erstes Ziel ist der Hochmahdkopf.

Steil ist der Weg, aber so macht man halt auch schnell Höhe. Das Wetter ist noch blenden, der Ausblick auch. Vor mir taucht immer wieder das beeindruckende Bettelwurfmassiv auf.

Im Tal grünt es schon sehr, das sieht man aus dieser Höhe gut. Und ich sehe von hier auch nach Hause, ins Mittelgebirge und nach Aldrans.

Der Blick ins Unterland zeigt anhand der Luft schon den kommenden Wetterumschwung. Sogar mit Schnee ist zu rechnen, aktuell fast nicht vorstellbar.

Ich habe nun den Bereich erreicht, der besonders schwer vom Waldbrand 2014 betroffen war. Noch hat sich hier die Natur nicht erholt, das wird wohl noch einige Jahre dauern.

Schließlich erreiche ich den Hochmahdkopf (1.738 m). Ich bin alleine, ein Stück hinter mir sehe ich einen zweiten Wanderer hochsteigen.

Ich raste kurz aus, trinke einen Schluck und mache mich auf zum zweiten Gipfel, dem Haller Zunterkopf.

Von hier finde ich die Aussicht auf Innsbruck immer sehr schön, eingebettet zwischen den Bergen liegt sie da, die Alpenhauptstadt.

War bis jetzt fast gar kein Schnee beim Aufstieg vorhanden, wechselt nun die Landschaft recht rasch. Das hat auch mit der Ausrichtung zu tun, hier oben scheint die Sonne dann doch nicht direkt auf den Schnee und er hält sich umso länger.

Schon von weitem habe ich die Schlüsselstelle zum Haller Zunterkopf gesehen. Meist ist der Weg einfach, einzige die Steilstelle mit Seil, die überwunden werden will, damit der Weg fortgesetzt werden kann, ist ein wenig fordernd.
Leider muss ich feststellen, dass mit meinen Bordmitteln und meinem Können hier Schluss ist. Zu steil und ausgesetzt wäre die Eiskletterei über die Stufe. Diesen Gang werde ich nochmals bei weniger Schnee durchführen.

Ich verschnaufe kurz und betrachte den Aufstiegsweg. Die Schneedecke auf der Nordseite ist noch recht mächtig. Ich beschließe dennoch, mein Glück mit dem Nordabstieg nach St. Magdalena zu wagen.

Hier kommt die Sonne selten her, daher hat sich der Schnee gut gehalten und macht so manche Passage spannend. Ich montiere mir die Grödel, und wieder einmal bin ich froh, dass ich im Frühjahr dieses Hilfsmittel immer im Rucksack habe.

Sehr steil führt der Pfad durch den Hochwald, drei Lawinenkegel muss ich queren. Der Weg ist nicht immer sichtbar und die wenigen Fußspuren, denen ich folge, sind auch nicht immer schlüssig.

Dennoch erreiche ich nach ca. 40 Minuten das Gasthaus St. Magdalena. Hier gönne ich mir ein Bier und wunderbar schmeckende „Sankt Johanner“ (übrigens seit kurzer Zeit meine absoluten Lieblingswürste).

Mit meinem Sitznachbarn, einem ehemaligen Gschnitzer, habe ich eine feine Konversation, so vergeht die Zeit im Fluge. Leider muss ich nach kurzer Zeit schon wieder aufbrechen, ich habe noch was vor…

Für den Abstieg wähle ich den Fluchtsteig, der mich rasch bis zur zweiten Ladhütte führt.

Schnee ist fast keiner mehr vorhanden, aber ein paar eisige Stellen verlangen Aufmerksamkeit. Die Hüttenspitze lacht zu mir herüber, diese hätte ich heute auch als Ziel im Auge gehabt.

Der Fluchtsteig ist trotz der frühen Jahreszeit in sehr gutem Zustand und kann ohne größere Probleme begangen werden, wie mir durch die Frequenz der mir entgegenkommenden Wanderaspiranten vor Augen geführt wird.

Ich bin glücklich, meinen speziellen Weg heute gegangen zu sein. Meistens war ich auf einsamen Bergpfaden unterwegs, die wenigen Begegnungen waren sehr angenehm. Im Halltal ist heute auch nicht ganz so viel los, aber je weiter ich zum Hackl komme, desto mehr Spaziergänger treffe ich.

Schließlich erreiche ich den Ein- und Ausgang des Halltals, den Hackl. Die Brücke ist mir immer ein lieber Wegmarker, über den ich gerne zum Abschluss schreite.
Eine tolle Tour neigt sich dem Ende zu, das Wetter ist zwar noch warm, aber nicht mehr so strahlend schön wie in der Früh…

Tourendaten
Gesamtlänge: 11,28 km
Gesamtdauer: 4:12 h
Höhenmeter: 1.352 m
Lawinenwarnstufe: 2 (Nassschnee, Triebschnee)

210319 St. Magdalena im Halltal (1.287m)

Nach dem Skifahren sind Letu und ich noch nicht ganz ausgelastet, daher wandern wir noch ein Stück ins Halltal. Die Schneeschuhe lassen wir zu Hause, weil so viel Schnee liegt nicht… wie wir uns da getäuscht haben.

Schon am Eingang beim Hackl sehen wir, dass hier genug Schnee liegt. Je höher wir kommen, desto besser wird die Schneehöhe… Sogar „Banklsitzen“ wird so zur Herausforderung…

Gott sei Dank ist unser Schuhwerk, wenngleich klobig und im Falle von Letu sogar noch ein wenig groß, den Unbilden des Schnees mehr als gewachsen.

Kurz vor dem Bettelwurfeck müssen wir einen frischen Lawinenkegel übersteigen. Es war zwar nur ein kleiner Rutscher, aber doch beeindruckend.

Schnell verlassen wir den Bereich, wenngleich die Gefahr wohl gebannt ist, denn „da oben“ dürfte nicht mehr viel Schnee in der Rinne liegen.

Auf der anderen Talseite lacht der Bettelwurf zu uns herunter. Dieser Bereich ist im Hochwinter ein gefürchteter Lawinenstrich, im Sommer rauschte so manche Mure in die Talsohle.

Am Bettelwurfeck wird die Straße extrem steil, eine Steigung von 32% ist hier angezeigt. Gerade im Sommer, mit dem Mountainbike, eine sportliche Herausforderung.

An Ende des Ecks, die Straße verläuft nun nach Westen, wird der Weg flacher und führt weiter Richtung Herrenhäuser und Bergwerksareal.

Ein Blick zurück zeigt mir meine geliebte Hüttenspitze, ein wenig versteckt sieht man auch die Wechselreise.

Vor uns, schon fast am Ziel, sehen wir das Kartellerjöchl, das dem Bergwerk direkt vorgelagert ist.

Nordseitig kann man die fast surreal wirkenden Plattentürme, der Sage nach versteinerte Knappen, daher auch im Volksmund „Steinerne Knappen“ genannt, bewundern. Geologisch gesehen sind diese Türmchen die letzten Reste einer Brecciedecke.

Kurz vor Erreichen von St. Magdalena überholen wir zwei ältere Herren. Am Berggasthaus angekommen treffen wir den Rest der lustigen Runde. Und sogar die Küche ist offen, so bekommen wir auch noch was zu trinken und einen Buchtel mit Vanillesauce.

Nach der Pause steigen wir den selben Weg ab, der Schnee im hinteren Halltal wird uns heuer wohl noch eine Weile begleiten.

Der Bergbach ist fast nicht sicht- und hörbar, der Schnee hat sich dämpfend über das normalerweise gurgelnde Wasser gelegt.

Unterwegs sehen wir immer wieder abgestellte Rodeln, die man bei St. Magdalena ausleihen kann. Leider geht es heute nicht zu rodeln, der Schnee ist zu pappig. Letu probiert es selber aus… und gibt nach kurzer Zeit auf.

Beim Trinkwasserstollen wird die Schneedecke wieder dünner, wir bleiben der Einfachheit halber auf der Salzstraße, den Fluchtsteig nehmen wir das nächste Mal. Bei den kühnen Felswänden tummeln sich ein paar Gämsen, die wir eine Zeitlang beobachten.

Beim Abstieg treffen wir wieder die Männertruppe vom Gasthaus, wir unterhalten uns ein wenig über das Halltal. Es dämmert schon, als wir den Parkplatz glücklich erreichen.

Tourendaten
Gesamtlänge: 10,0 km
Gesamtdauer: 3:26 h
Höhenmeter: 537 m
Lawinenwarnstufe: 2 (Gleitschnee unterhalb 2.000m)

210307 Halltal, Herrenhäuser (1.485m)

Da sich heute aus familiären Gründen keine Skitour ausgegangen ist, habe ich beschlossen, die Bergschuhe auszupacken, die Zeit zu nutzen und ins Halltal zu wandern.

Ein wunderschöner Morgen, es ist ja immerhin schon 9:30 Uhr, öffnet mir den Weg vom Hackl hinein ins Halltal. Wo es geht vermeide ich die Asphaltstraße und laufe auf dem Steig.

So erreiche ich zügig den Trinkwasserstollen vor dem Bettelwurfeck. Überraschend aper ist es hier, der Lenz zieht dem Winter im vorderen Tal schon die Zähne.

Am Fluchtsteig sieht man die Spuren des Winters, überall liegt Schutt und manchmal auch größere Steine auf dem Pfad.

Der Fluchtsteig ist im ersten Teil nordöstlich ausgerichtet, und nur dank der relativ niedrigen Höhe vom Schnee entledigt. Teilweise, an Stellen ohne jeglichem Sonnenkontakt, liegen ein paar sulzige Schneefelder.

Ich wollte ja schon viele Malen den Weg durch das Eibental gehen, heute erfülle ich mir mein Wunsch. Steil zieht der Pfad vom Fluchtsteig hinauf. Obwohl ich mir dachte, es wäre hier wohl ruhig, werde ich von zwei „Läufern“ überholt.

Ich gehe mein stetes Tempo, mittlerweile mit T-Shirt und zur kurzen Hose umfunktionieren Beinkleid. Die beiden Burschen habe ich bald wieder geschnupft. In weiterer Folge werde ich allerdings auch wieder überholt. Ich beobachte lieber die gar nicht scheuen Gämsen…

Schließlich erreiche ich den Scheitel und die Sicht öffnet sich auf das Halltal.

Am Weg plätschert ein kleines Brünnlein, ich wundere mich, dass überhaupt Wasser fließt. Vor mir eröffnet sich ein wunderschöner Blick auf den Roßkopf, Großen und Kleinen Lafatscher.

Nun verläuft der Pfad ein gutes Stück flach, bis ich schließlich, fast ein wenig unverhofft, vor St. Magdalena stehe…

Das ehemalige Kloster fasziniert mich jedes Mal wieder, die Lage ist einfach einmalig. Heutzutage ist hier eine Wirtschaft untergebracht, die heute sogar Corona-konform geöffnet hat.

Ich will allerdings erst noch zu den Herrenhäusern weitergehen. Ab der zweiten Ladhütte, so sagt man, setzt im Frühjahr immer noch der Schnee ein… und ich kann das nur bestätigen…

Ich wandere an den Zeugen des ehemaligen Salzbergbaus vorbei. Vor kurzem hatte ich auch das sehr schöne Buch „tiroler SALZ“ geschenkt bekommen, mit vielen Informationen dieser langsam vergessenen Zeit.

Nach zwei weiteren Kehren sehe ich auch schon das Zentrum des Bergbaus hier im Halltal, die Herrenhäuser.

Leider muss ich feststellen, dass der Zustand der Gebäude mit jedem Jahr schlechter wird. Zumindest der Teil, in dem sich das Knappenhäusl befindet, macht einen guten Eindruck.

Das Herrenhaus mit dem Lawinenschaden von 1999 ist dagegen nicht mehr so toll in Schuss. Es wäre wünschenswert, wenn hier eine Einigung über die Zukunft der Gebäude gefunden werden würde… um diesen ältesten Industriebetrieb Tirols für die Nachwelt zu erhalten… gerade in Zeiten der großen Traditionspflege wäre es wichtig so ein bedeutendes Gebäude zu schützen.

Der Blick gegen das Inntal offenbart die Hüttensitze, von hier ein wunderschön geformter Berg, vom Inntal fast nicht erkennbar im Schatten seiner größeren Brüder und Schwestern, Fallbachkarspitze, Fürleg und Walderkampspitze.

Ich gehe fast den gleichen weg wieder retour, bei St. Magdalena kehre ich ein und gönne mir eine Stärkung, Sankt Johanner mit Brot! Die Kapelle lasse ich natürlich auch nicht aus…
Anschließend wandere ich durch den schönen Buchenwald zum Bettelwurfeck.

Den Schnee lasse ich beim Bettelwurfeck hinter mir, auch ein Skitourengeher, der vom Hafelekar gekommen ist, verstaut hier seine Tourenausrüstung.

Der Wechsel von hinteren ins vordere Halltal ist unglaublich und auch wunderschön… von tiefsten Schnee ins Frühjahr, und das auf wenigen Kilometern.

Eine stimmige Tour, bestimmt bin ich hier heuer wieder öfter am Weg. Und ich gebe es unverhohlen zu, ich freue mich schon wieder auf die Wander- und Bergsteigerzeit.

Tourendaten
Gesamtlänge: 11,55 km
Gesamtdauer: 2:50 h
Höhenmeter: 767 m
Lawinenwarnstufe: 1 (unter 2000m, Triebschnee NW, N, NO)

201207 Walderjoch (1.636m)

Es hat geschneit, und die Landschaft ist endlich „weihnachtlich“, wobei wir in Zentraltirol vom Schnee größtenteils verschont worden sind. In Osttirol, so hört man, wissen sie nicht mehr wohin mit der weißen Pracht.
Ich beschließe, da ich heute frei habe, eine kleine Wanderung auf das Walderjoch zu machen. Vorsorglich habe ich meine Schneeschuhe eingepackt. Den Start mache ich beim Wanderparkplatz in St. Michael bei Gnadenwald.

Beim Parkplatz überlege ich mir noch, die Schneeschuhe im Auto zu lassen, denn arg viel Schnee liegt hier doch noch nicht…

… aber je weiter ich hochsteige, desto üppiger wird der Wintermantel. Im Tal ist es noch neblig, aber je höher ich steige, desto heller wird es. Und manchmal lacht sogar die Sonne kurz aus dem Dunst.

Dann öffnet sich der Himmel, strahlend blau zeigt sich das Firmament, die Temperaturen sind aber nach wie vor kühl.

Wunderschön zeigt sich die Landschaft heute, es hat sich wieder einmal rentiert, die bequeme „Ofenbank“ zu verlassen und die Wunder der Natur zu bestaunen.

Eindrücke über Eindrücke prasseln auf mich nieder, immer wieder muss ich stehenbleiben und mich umschauen, zu schön ist es hier, um einfach achtlos weiterzulaufen.

Die Wolkendecke im Tal hält sich vehement, der Wetterbericht hat mal wieder genau richtig gelegen. Im Tal länger Hochnebel, am Berg Föhn-Einfluss… die Temperaturen sind nun auch angenehm geworden.

Hier liegt nun schon gut Schnee, fast habe ich die Walderalm erreicht, die Schneeschuhe brauche ich aber immer noch nicht, denn ein gut gespurter Weg ist vorhanden.

Kurz vor der Alm muss ich über Wiesengelände gehen, hier ist Vorsicht geboten. Der Platz ist recht sumpfig, und ein Fehltritt würde in einem Schlamassel ausarten… zumindest wäre man wohl g`scheit dreckig.

Schlussendlich erreiche ich den schönen Boden der Walderalm, eine Fläche, wie geschaffen für eine Alm. Die Hütten lasse ich vorerst aber noch links liegen und wandere zur Walderkapelle.

Hier mache ich eine kurze Pause. Die Türe ist leider wie so oft verschlossen, aber ein Blick durch das Eingangsportal offenbart eine Besonderheit. Hinter dem Altar ist ein Panoramafenster, mit Blick auf den verschneiten Hochnissl. Was für eine grandiose Aussicht…

Nun ist es Zeit für die Schneeschuhe geworden, ein Blick zurück zeigt nochmals den schönen Boden der Alm und im Hintergrund den von dieser Seite abweisend wirkende Hundskopf.

Mein Weg führt mich in die entgegengesetzte Richtung, den Großteil des Weges kann ich auch hier auf einer Forststraße zurücklegen, spuren muss ich trotzdem…

Nur die letzten Meter hinauf zum unspektakulären Gipfel des Walderjochs gehe ich querfeldein über verschneite Wiesen. Am „Gipfel“, von einem Berg kann man hier ja nicht sprechen, ist ein kleines Gedenkkreuz und eine Sitzbank.

Ich packe meine Jause aus, die lasse ich hier hier im Sonnenschein schmecken. zum Glück ist es windstill, daher ist die Pause sehr angenehm. Eine zusätzliche Jacke brauche ich dann allerdings doch…

Lange bleibt mir die Sonne nicht erhalten, eine dichte Nebelbank zieht vom Inntal herauf. Schade eigentlich, jedoch ist die neblige Aussicht sehr stimmig.

Rasch ist die Landschaft in dicken Nebel gehüllt, also packe ich meine Siebensachen und mache mich wieder auf den Rückweg, bevor es noch ungemütlicher wird.

War die Spurarbeit bergauf noch Schwerstarbeit, der Schnee ist schwer, hält aber mein Gewicht nicht, ist der Rückweg nun richtig lustig. Teilweise kann ich mit den Schneeschuhen die Gefälle runterrutschen und lege so relativ schnell den Weg zur Alm zurück.

Beim Abstieg kommt mir der erste Wanderer entgegen, heute war es hier relativ ruhig. Kurz vor der Alm ist der Nebel dann so dicht, dass ich die Gebäude erst im letzten Moment erkenne. Und so manches Schneeloch übersehe ich auch. Alles schaut aktuell gleich aus, Nebel, Schnee… eine graue Masse.

Etwas tiefer wird der Nebel lichter und ich kann zumindest ein Stück weit sehen. Je weiter ich absteige, desto besser wird die Sicht.

Die Schneeschuhe musste ich schon vor einer Weile ausziehen, denn der Weg im unteren Drittel ist gut mit normalen Schuhen zu gehen.
Zufrieden erreiche ich wieder den Wanderparkplatz.

Tourendaten
Gesamtlänge: 10,23 km
Gesamtdauer: 3:30 h
Höhenmeter: 840 m
Lawinenwarnstufe: 3