Ein Bergsteigerwochenende steht vor der Tür… bei der Planung haben wir allerdings vergessen, gutes Wetter einzufordern. Nun fahren wir, Papa und ich, über regennasse Straßen und beeindruckenden Wolkenformationen zum Treffpunkt.
Am Hackl in Absam treffen wir auf den zweiten Teil der Gesellschaft, Maggo und Daniel. Gemeinsam wollen wir heute den Absamer Klettersteig und nach einer Übernachtung auf der Bettelwurfhütte weiter auf den Großen Bettelwurf gehen.

Es ist nicht kalt, aber das Wetter ist dennoch nicht angenehm. Wir steigen vom Hackl über den Fluchtsteig bis zur „Ersten Ladhütte“ auf, dort zweigen wir auf den Weg zum Klettersteig.

Nach kurzer Beratung, der Fels ist nass, beschließen Maggo und Daniel den Klettersteig zu besuchen, während Papa und ich auf dem Normalweg zur Hütte aufsteigen werden.

Das Wetter spiel heute alle Stücke, mal reißt die Wolkendecke auf, im nächsten Moment ziehen wieder verrückte Wolken durch das Tal. Der Aufstieg durch Schotterreisen und Latschenfeldern gestaltet sich allerdings so angenehm.

An der Farbe der Wechselreise kann man sehen, dass es doch ganz nett geregnet haben muss in den Nachtstunden. Meine geliebte Abfahrtsspur ist heute besonders gut zu sehen (siehe Hüttenspitze).

Während Papa und ich rasch über den Normalsteig aufsteigen, sind Maggo und Daniel voller Genuss im Klettersteig. Ein paar rutschige Stellen an den Platten sind vorhanden, aber generell ist der Steig gut zu gehen.

Je höher wir kommen, desto schöner zeigt sich erst das Halltal, später auch noch das Inntal.


Am sogenannten „Juchizer“ sehen wir dann die Hütte das erste Mal, doch trotz vermeintlicher Nähe zieht sich der Weg zur Hütte ganz nett…

Der Normalweg auf die Bettelwurfhütte ist an heißen Tagen nicht empfehlenswert, aber heute fein zu besteigen. Dennoch ist es kein trivialer Wandersteig, sondern auch schon ein teilweise seil-versicherter Alpinsteig.

Maggo und Daniel befinden sich zu dieser Zeit bei den wunderschönen Platten im Klettersteig, auch hier ist die Aussicht wunderbar!

Papa und ich haben mittlerweile die Bettelwurfhütte (2.077m) erreicht, unser Zimmer bezogen, eine kleine Speise und das obligatorische Erfrischungsgetränk zu uns genommen. Da Maggo und Daniel noch eine Weile unterwegs sind, machen wir uns auf, die Speckkarspitze (2.621m) zu besuchen.

Das Wetter hat aufgerissen, es schaut gar nicht schlecht aus. Den Wilde-Bande-Steig von der Bettelwurfhütte zum Lafatscherjoch (2.081m) geht in angenehmem Auf und Ab durch Schotterfelder und Felsen. Zwischendurch sehen wir immer wieder Gämsen.


Der Blick kurz vor dem Lafatscherjoch zurück zeigt das beeindruckende Massiv des Bettelwurfs und den Steig von der Hütte.

Die gegensätzliche Richtung offenbart uns das hintere Halltal, den Issboden und das Stempeljoch.

Vom Lafatscherjoch steigen wir mühselig über Schotter in Richtung „Südwestgrat“ auf


Im oberen Teil wird es dann ein wenig spannender, zwei Stellen erfordern den Einsatz der Hände, und 2-3 luftige Gratstellen müssen gemeistert werden.

Die Aussicht in den Issboden und ins Tal des Lafatscherbachs, auch Isarursprung genannt, ist beeindruckend.

In angenehmer Kraxelei bewegen wir uns zum Gipfel, immer wieder tauchen neue Impressionen auf, ein sehr schöner Weg führt hier zum Gipfel.

Der letzte Aufschwung zum Gipfel besteht wieder aus wunderbarstem Karwendelbrösel, es ist aber nicht ausgesetzt oder schwierig.

Schließlich erreichen wir das Gipfelkreuz und genießen die schöne Aussicht. Endlich habe ich auch diesen Gipfel, den ich immer wieder von zu Hause bewundert kann, bestiegen.

Der Blick gen Westen zeigt das wild-schroffe Grat über den Signalkopf und den Kleinen und Großen Bettelwurf. Letztere das Ziel für den nächsten Tag…

Wir genießen die Pause auf dem Gipfel, es ist allerdings kühl, nicht verwunderlich in dieser Höhe. Also Abstiegsroute wählen wir den Nordwestkamm.

Vermehrte Wolkenbildung erinnert uns daran, weiterzumachen. Aber noch ist kein Grund zur Besorgnis.

Ein Blick ins zentrale Karwendel offenbart und Blicke auf die Hinterautal-Vomper-Kette mit dem höchsten Gipfel des Karwendels: der Birkkarspitze (2.749m). Ein lohnendes Ziel, das auch noch auf der Liste steht…


Der Abstieg über den Normalweg (Nordwestkamm) ist im Gegensatz zum Aufstieg seil-versichert, aber auch einfacher. Beim Abstieg denke ich mir nicht nur einmal, dass wir die richtige Runde gemacht haben… der Aufstieg hier wäre um einiges mühseliger gewesen.

Bald erreichen wir, wieder beobachtet von Gämsen, das Joch.

Der Blick zurück zeigt uns nochmals schön eine Übersicht über den Abstieg von der Speckkarspitze.

Fast schon plötzlich verschlechtert sich das Wetter, eine ungute Wolkenbank zieht aus Westen an. Nun heißt es sich sputen, das könnte noch was abgeben.

Papa gibt es straffes Tempo vor, der Wilde-Bande-Steig lässt zum Glück eine höhere Geschwindigkeit zu.

Unterwegs treffen wir eine Familie mit zwei Kindern. Der kleinere Junge braucht an manchen Stellen ein wenig länger, die Schwester ist fit und muss warten. Kurzentschlossen nehmen wir die Schwester mit zur Hütte, damit sich die Eltern auf den Sohn konzentrieren können.

Fast trocken erreichen wir die Hütte, Maggo und Daniel hatten noch einen Kurztrip zum Signalkopf gemacht, allerdings den finalen Aufstieg nicht gemacht.
Dafür haben sie schon ein Erfrischungsgetränk auf dem Tisch. Rasch bestellen wir auch so einen Saft, der Durst war am Schluss nämlich schon groß.

Bei einem gemütlichen Hüttenabend werden Geschichten ausgetauscht, gelacht und debattiert. Genau so sollte es sein! Ins Bett gehen wir dann alle gern! Ein langer Tag liegt hinter uns… und morgen haben wir auch noch was vor!
Tourendaten
Gesamtdauer: 7:18 h
Gesamtlänge: 20,68 km
Höhenmeter: △ 2.066 m / ▽ 929 m



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