240805 Inntaler Höhenweg Etappe II (Rosenjoch)

Nach einer überraschend guten Nacht im Matratzenlager, es war extrem ruhig, genießen wir ein gutes Frühstück auf der Glungezerhütte. Ein Blick aus dem Fenster offenbart Nebel, zumindest ist es trocken.
Wir sind heute auf der sogenannten „7-Summit-Etappe“ unterwegs, Gipfel bis zum Abwinken, verspricht der Prospekt. Leider ist die Sicht alles andere als berauschend.

Während der eine oder andere Wanderer noch zuwarten will, machen sich Biggi und ich auf, den Weg über das Grat zu meistern. Schwierigkeiten sind keine zu erwarten. Nach ein paar Schritten sind wir schon in der wilden Landschaft des Glunezers, Felsblöcke und Verbruch, wohin man schaut.

Wir erreichen zuerst den Glungzer (2.677m), ein paar Meter hinter der Hütte. Ab hier folgend wir immer dem Grat, der Weg ist gut markiert und leicht. Manchmal reißt ein Wolkenfenster auf und ermöglicht uns Blicke in die Umgebung.

So können wir einen Blick auf die Blauen Seen erhaschen, mit dem darunter liegenden „Gschriebenen Stein“. Die Farbe ist aktuell nicht so leuchtend, wie ich das sonst kenne.
Dann schließt sich die Wolkendecke wieder und wir sind von Nebel und Steinen umgeben.

Ein lustiges Auf und Ab charakterisiert diese Etappe, die nächsten Gipfel am Weg sind die Gamslahnerspitze (2.681m), und das Kreuzjoch (2.575m). Weiter dem Grat entlang erreichen wir dann auch die Kreuzspitze (2.746m).

Die Temperaturen sind perfekt zum Wandern, man kann jeder Witterung etwas positives abgewinnen. Die Laune ist gut, und wir kommen schnell voran. Immer wieder laufen uns zwei Deutschen über den Weg, die die Strecke mit uns teilen.

Wir sind auf über 2.500m, daher sind immer wieder Schneereste sichtbar. Allerdings nicht auf dem Weg, sondern immer in schattigen Karen, die wir seitlich passieren.

Der nächste Gipfel, die Beschreibung der vielen Spitzen ist nicht übertrieben, ist das Rosenjoch (2.796m), heute die höchste Erhebung. Hier setzen wir uns ein wenig in den Windschatten und verspeisen eine kleine Jause.

Faszinierend, wie schöne Pflanzen wie diese hier in dieser Höhe „überleben“ können. Eine einleuchtende Erklärung bekomme ich von Biggi: Hier müssen diese Pflanzen nicht mit anderen konkurrieren, der Preis ist die Anpassung an das raue Klima.

Immer wieder passieren wir schöne Passagen, die zum Fotografieren einladen.

In den Seeblesböden liegt noch mehr Schnee, auch Schafe entdecken wir, die hier den Almsommer genießen.

Gegen Mittag nähern wir uns unserem letzten großen Gipfel, die Grünbergspitze (2.690m). Alleerings müssen wir hier erst in den Sattel absteigen und auf der anderen Seite wieder hochsteigen.

Der Gipfel der Grünbergspitze ist überraschend sanft, ich kenne diesen Berg auch als lange Skitour aus dem Arztal heraus.

Hier wird nochmals eine kurze Pause eingelegt, der Himmel ist mittlerweile ein wenig freundlicher gestimmt und zeigt schon ein wenig Blau zwischen den vielen Wolken.

Beim Abstieg vom Gipfel entdecken wir einen kleinen See mit einem Schneefeld. Hier blitzt das Wasser richtig blau zu uns hoch. Das wird wohl auch der Grund für die Namensgebung der nahe gelegenen „Blauen Seen“ sein.

Kleine, einfache Kraxelstellen peppen den Weg ein wenig auf, die Aussicht wird mit jeder Stunde besser.

Wir erreichen bald den südlichen südlichen Punkt der „7 Sumits“, die Grafmartspitze. Zumindest ist das der letzte Gipfel, den wir besteigen. Die Naviser Sonnenspitze lassen wir heute nämlich aus.

Am weiteren Weg macht sich plötzlich wieder ein Wolkenfenster auf. Wir können nun endlich den heimlichen Herrscher der Tuxer Alpen sehen… den Olperer. Dieser liegt zwar in den Zillertaler Alpen, aber ich finde immer, dieser ist von fast überall in den Tuxern zu sehen.

Wir haben einen längeren Abstieg vom letzten Gipfel hinab ins Naviser Jöchl, der Weg ist spannend und durch die besonderen Steinformationen sehr schön.

Nun kommt der Olperer und der Hauptkamm immer öfter sichtbar hinter den Wolken hervor…

Wir nutzen eine kurze Sonnenphase machen Pause mit Jause auf einer Bergwiese. Die Jause, wir sind super ausgestattet, schmeckt super, wir genießen die Ruhe und Stille.

Gestärkt geht es wieder weiter, bald erreichen wir das Mölsjoch.

Hier überschreiten wir das erste, aber nicht das letzte Mal die Grenze zum Truppenübungsplatz. Heute werden uns noch öfter diese Infoschilder des Österreichischen Bundesheeres auffallen.

Unter der Naviser Sonnenspitze hindurch wandern wir weiter gen Osten, zu unserem heutigen Tagesziel, der Lizumer Hütte.

Die Landschaft wird lieblicher und das Wetter freundlicher. Es passt alles zusammen, und Biggi und ich kommen gut voran.

Am Klammsee angekommen müssen wir auf die Heeresstraße wechseln und ein gutes Stück auf dieser weitergehen. Wir kommen zwar flott voran, aber der Weg ist nicht gerade der Schönste… unterwegs kommt uns ein Puch G des Bundesheeres entgegen. Die Befürchtung, dass sie was von uns wollen, verpufft, als sie mit Staubwolke an uns vorbeirauschen.

Bald sehen wir das Lager Lizum und die Lizumer Hütte. Wir können die Forststraße ein wenig abkürzen und verlieren auf diesem Wege weniger Höhenmeter.

Den Lizumerbach überquerend stehen wir endlich am Ziel. Freundliches Personal empfängt uns gleich am Eingang, obwohl hier viel los ist, ist der Hüttenbetrieb absolut vorbildlich.

Wir setzen uns auf die Terasse, bestellen uns ein Getränk und können hier auch gleich „einchecken“. Das läuft alles wie am Schnürchen

Am Abend gibt es noch ein feines Menü, es ist zwar ein wenig eng am Tisch, dafür ist das Essen vorzüglich. Für heute haben wir ein 4-Bett-Zimmer mit zwei älteren Damen, da lässt es sich sehr gut schlafen.

Tourendaten:
Gesamtlänge: 7:43 h
Gesamtlänge: 16,47 km
Höhenmeter: ∇ 844 / ∇ 1.413

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