Archiv der Kategorie: Höhenweg

220826 Augsburger Höhenweg: Abstieg Augsburger Hütte (2.289 m)

Nach einer gemütlichen Nacht im privaten Zimmer wachen wir wieder zu bestem Wetter auf. Ein Blick aus dem Fenster, spektakulär über das Stanzertal, lässt den Tag gut beginnen.

Heute steht nicht mehr viel auf dem Programm, wir packen unsere Siebensachen, frühstücken auf der gemütlichen AV-Hütte und bereiten uns auf den Abstieg vor.

Von der Hütte haben wir nochmals einen tollen Blick auf den Passeier und der davor liegende Bocksgartenspitze. Wir verabschieden uns von Hubert, Vanessa und dem Hüttenpersonal.

Der Abstieg ist steil, aber gut hergerichtet. Teilweise ist der Weg sogar betoniert, das finden wir ein wenig übertrieben, aber es wird wohl einen Grund dafür geben…

Ein Blick zurück zur Hütte zeigt den extremen Platz, den sich die Sektion Augsburg für ihre Hütte ausgesucht hat. Bis jetzt wohl eine der schönsten Hütten, auf denen ich war, sowohl was den Platz als auch die Hütte betrifft.

Ein Blick hinauf ins Gasilltal offenbart hier große Geschiebebewegungen. Bei Gewitter ist das wahrscheinlich kein Platz, an dem man gerne sein möchte.

Der Wetterbericht hat für das kommende Wochenende eine Wetterverschlechterung gemeldet, aber heute haben wir noch Glück, die Sonne lacht vom Himmel.

Doch schon wachsen ein paar Wolken am Himmel. Der Nachmittag bzw. Abend wird wohl ein wenig nass werden…

Auf dem Weg nach Grins müssen wir einmal den Gasillbach queren, das erfolgt über eine neu gebaute Stahlbrücke.

Wann immer wir zurückschauen, wie hier in Richtung Gatschkopf, werden uns wieder die Dimensionen dieses Bergstocks bewusst.

Ab der Brücke wird der Weg gemütlich, es geht durch Latschen, genannt ist die Gegend hier „Steiniger Boden“.

Der Weg ist nun flach geworden, dadurch zieht er sich in die Länge…

Dennoch erreichen wir schlussendlich den Parkplatz am Schwimmbad. Hier ist für Papa nun Endstation, er hat mit Hubert ausgemacht, dass sie gemeinsam zurückfahren. Hubert ist aus Kempten, da fährt er sowieso durch Reutte durch.

Daniel und ich wandern weiter, zuerst ins Ortsgebiet von Grins. Hier erhalten wir die Auskunft, dass die Bushaltestelle verlegt wurde. Wir gehen in Richtung Pians.

Über einen kleinen Steig erreichen wir den Weiler Gurnau, hier sehen wir gerade, wie unser Bus abfährt. Zum Glück kommt in einer halben Stunde erneut ein Bus

Der Bus bringt uns von Gurnau nach Landeck. Während Daniel mit dem Auto nach Hause fährt, nehme ich den Zug nach Innsbruck… um Mittag sind wir alle wieder wohlbehalten zu Hause.

Eine tolle Tour mit feinen Begleitern und tollen Erlebnissen ist zu Ende. Lange wollte ich diese Tour machen, schlussendlich wurden meine Erwartungen sogar übertroffen…

Tourendaten
Gesamtlänge: 9,12 km
Gesamtdauer: 2:30 h
Höhenmeter: ∆ 29 m / ∇ 1.477 m

220825 Augsburger Höhenweg: Über den Dawinkopf (2.968m)

Heute, endlich nach ein paar Jahren, steht der Augsburger Höhenweg auf dem Programm. Der AVF Lechtaler Alpen schreibt hierzu: „Einer der anspruchsvollsten, aber auch großartigsten Höhenwege überhaupt. Absolute Trittsicherheit im Schrofengelände, gute Verhältnisse und zuverlässiges Wetter unbedingt notwendig…“

Die Verhältnisse könnten idealer nicht sein. Die Sonne scheint vom Firmament und die Temperaturen sind geradezu perfekt.

Start von der Ansbacher Hütte

Der Start von der Ansbacher Hütte zur Kopfscharte (2.484 m) ist angenehm und einfach zu begehen, schon vor Jahren bin ich hier mal mit Papa unterwegs gewesen.

Kopfscharte (2.484 m)

Unter dem Stierkopf mit seinen brüchigen Hängen wandern wir weiter zum Winterjöchl (2.528 m)

Unterm Stierkopf

Am Winterjöchl legen wir eine kurze Pause ein, schauen uns den weiteren Weg an und staunen ob der Schönheit und Wildheit der Lechtaler Berge.

Am Winterjöchl (2.528 m)
Am Winterjöchl (2.528 m)

Der Weg führt nun durch das Untere Grießl, ein längerer Abschnitt ohne Schwierigkeiten…

Unteres Grießl

… der uns in weiterer Folge zum Grünen Brünnele führt.

Unteres Grießl

Der Hohe Riffler (3.168 m) kommt immer wieder ins Blickfeld, ein herrlicher Berg, der wohl auch mal auf meiner Liste stehen wird.

Blick zum Hohen Riffler

Rund ums Grüne Brünnele wird der Weg nun rassiger, die Tobel unter dem Stierlochkopf und Schwarzlochkopf erfordern Konzentration, der Weg ist allerdings vorbildlich gewartet und gut begehbar.

Einstieg in die Tobel beim Stierlochkopf
Aufstieg zum Schwarzlochkopf

Wir erreichen eine berüchtigte Stelle, mit Seilen versichert. Die Eisrinne, hier liegt normalerweise bis in den Spätsommer Schnee, ist heute komplett trocken und dank Versicherungen gut zu begehen.

Hier befindet sich normalerweise eine Schneerinne

Es müssen hier ein paar Meter ab- und dann wieder aufgestiegen werden. Wir haben sicherheitshalber Grödel mitgenommen, aber die scheinen dieses Mal nicht notwendig zu sein.

Der Weg verläuft weiter spektakulär über Felsbänder, Schotterriepen und Tobel.

Brüchiges Gelände

Schließlich müssen wir noch ein paar Höhenmeter aufsteigen und erreichen den Übergang beim Grießmuttekopf, der uns wieder auf die Südseite der Schotterhänge bringt.

Aufstieg
Übergang beim Großmuttekopf

Bald kommt die eindrucksvolle Eisenspitze (2.855 m) ins Blickfeld. Ein formschöner Berg, der von der Passeierscharte aus bestiegen werden kann.

Eindrucksvolle Eisenspitze

Wir sind schon eine Zeit lang am Weg, daher gönnen wir uns an einem schönen Platz eine kurze Pause.

Kurze Pause

Es wird noch einmal ein wenig ausgesetzter und mit schottrigen Passagen.

Schotterpassagen
Rückblick

Über den Glatten Rücken erreichen wir dann den schon fast als lieblich zu bezeichnenden Flirscher Passeier, tief unter uns ist sogar eine kleine Schäferhütte mit ein paar Tieren.

Der Glatte Rücken
Durch den oberen Teil des Flirscher Passeier

Der Schluss des Aufstiegs durch den oberen Flirscher Passeier wird wieder Vegetationslos, steinig und dank der Sonne nun auch recht warm. Langsam wandern wir himmelwärts….

Heißer Aufstieg zur Passeierscharte

… bis wir schlussendlich die Passeierscharte erreichen. Hier wäre die Abzweigung zur Eisenspitze, die wir aber ob der Länge des Höhenweges auslassen.

Rückblick auf den Arlberg

Hier beginnt nun der Weg ins Gelbe Schartl. Steil, ausgesetzt und moralisch anspruchsvoll. Dank der Sektion Augsburg ist der Weg aber sehr gut in Schuss. An dieser Stelle ein großes Kompliment an die Wegebauer der Sektion DAV Augsburg!

Kurz nach der Passeierscharte (2.604 m)

Im Rückblick sieht man, wie ausgesetzt der Weg ist. Ein Fehltritt ist hier keine Option, zu tief wäre der Fall. Eine Versicherung ist in diesem Gelände nicht möglich, eine stabile Verankerung wäre nicht setzbar. Also obliegt es der Trittsicherheit des Bergsteigers allein, hier heil über diese Stelle zu gelangen.

Steile Stelle nach der Passeierscharte

Schritt für Schritt, so bewältigen wir die Stelle. Und wieder wächst mein Vertrauen in meine neuen Bergschuhe, die mir ein sehr gutes Standgefühl geben.

Durch den Steinschlag

Nach dieser unguten Stelle müssen wir ein paar Meter im sogenannten Steinschlag absteigen…

Abstieg im Steinschlag
Abstieg im Steinschlag

In der Nähe hören wir immer wieder Steinschlag, die erste und einzige Gruppe kommt uns hier entgegen.
Die moralische Schlüsselstelle befindet sich kurz vor dem Gelben Schartl… kiesig, nicht versicherbar, und der Weg gerade mal Handbreit.
Gut beschrieben auch durch folgenden Spruch: „Ein gewaltiger Steinbruch über den Köpfen und Luft unter den Füßen!“

Steile Passagen im Gelben Schartl

Das Gelbe Schartl, oftmals mit Eis gefüllt, finden wir heute auch schneefrei vor. Daher müssen wir hier ein paar Meter am gespannten Seil absteigen und gegenüber wieder hinauf.

Eis(freie) Rinne im Gelben Schartl

Dann kommt noch eine kurze, fast könnte man sagen Klettersteigpassage, hinauf zur Dawinscharte.

Aufstieg zur Dawinscharte (2.650 m)

Dort können wir durchatmen und schauen hinab zum Zammer Passeier mit dem Passeierbach.

Blick in den Zammer Passeier

Hier trinken wir wieder etwas, wir sind schon einige Stunden am Weg. Die reine Entfernung und Höhe ist weniger das Problem, es sind die anspruchsvollen Stellen, die immer wieder Zeit kosten.

Dawinscharte (2.718 m)

Von der Dawinscharte wandern wir durch einfaches Gelände in Richtung „Südlicher Schwarzer Kopf“.

Rücken von der Dawinscharte zum Dawinkopf (2.968 m)
Letzte Meter

Kurz unter dem Gipfel müssen wir in die südliche Flanke ausweichen und über Bänder in die nächste namlose Scharte queren.

Durchschlupf zwischen „Südlicher Schwarzer Kopf“ und „Dawinkopf“

Der Dawinkopf liegt nun zum Greifen nahe… der zweithöchste Gipfel der Lechtaler Alpen. Nur vom Passeier wird dieser Gipfel übertrumpft.

Ein letzter Verschnaufer…

Ein kurzer versicherter Klettersteig bringt uns auf den höchsten Punkt unserer Tour.

… dann ist das Gipfelkreuz da.

Hier wird nun eine Brotzeit ausgepackt, die sich sehen lässt. Während ich hier nicht mitgedacht habe, sind Papa und Daniel kulinarisch ausgerüstet und lassen mich an ihren Leckerbissen teilhaben. Was für ein Glück…

Ausblick vom Dawinkopf auf den Weg, im Hintergrund die Ansbacher Hütte

Neben der Jause ist mehr wie genug Zeit, die Aussicht zu genießen. Man merkt allerdings die fast 3.000 m, die hier vorherrschen. Sobald eine kleine Wolke die Sonne verdeckt, wird es kühl und unangenehm.

Aussicht genießen…

Nach ausgiebiger Rast machen wir uns an den Abstieg vom Dawinkopf. Der Weg geht nun vorerst im gleichen Takt weiter…

Abstieg vom Dawinkopf

Der Abstieg erfordert nochmals höchste Konzentration, speziell nach einer längeren Pause stellt der Start eine kleine Herausforderung dar.

Abstieg vom Dawinkopf

Ein Blick nach Norden erlaubt uns die kläglichen Reste des einst mächtigen Parsseier Ferners zu betrachten. Nur noch kleine Reste, die die nächsten Jahre wohl nicht mehr überstehen werden, sind zu sehen.

Nördlicher Schwarzer Kopf mit Resten des Passeier Ferners

Der Abstieg ist spektakulär, aber überschaubar schwierig… richtige Genusskraxlerei am Grat entlang.

Die letzten Meter werden von uns noch klettern überwunden, dann stehen wir am Übergang zum Bocksgarten.

Letzte Klettermeter

Feine Wege führen hier über den Rücken unter die Bocksgartenspitzen.

Aufstieg zum Bocksgarten

Und dann sehen wir den Kessel unterhalb der Passeierspitze (3.036 m). Erst hatten wir uns eine Besteigung eben Dieser überlegt, aber es sprechen einige Faktoren dagegen. Zum einen sind wir schon ob der langen Wanderung müde, zum Anderen sind ein paar Gruppen eingestiegen und verursachen immer wieder Steinschlag… später erfahren wir auch, dass ein Bergsteiger hier großes Glück hatte…

Im Bocksgarten, Blick auf Passeierspitze und Gletscherreste vom Grinnerferner

Wir beschließen infolge dessen, über den Bocksgarten hinunter zum Grinner Ferner, bzw. dessen Überresten abzusteigen.

Pause am Rücken zum Gatschkopf (2.945 m)

Am Gletschersee vorbei erreichen wir den Aufstieg zum Gatschkopf (2.945 m) und die Patrolscharte (2.846 m). Es sind zwar nur ein paar Höhenmeter, aber diese ziehen sich.

Mondlandschaft am Gatschkopf

Der Rücken zum Gatschkopf ist eine echt schräge Landschaft. Daniel meint, wie eine Mondlandschaft, dem kann ich nur zustimmen. Bänder von hellem und dunklem Geröll wechseln sich hier ab. Lias-Fleckenmergel heißt das Gestein, wie ich später herausfinde…

Immer noch fit…

Vom Gatschkopf haben wir eine wunderschöne Aussicht, im Westen liegt die beeindruckende Passeierspitze mit dem dunklen Band im Gipfelaufbau und dem Kessel mit dem ehemaligen Grinner Ferner.

Vom Gatschkopf, Blick auf Passeierspitze, Grinner Ferner und Bocksgartenspitzen

Gegen Nordwesten sehen wir die ganzen namhaften Gipfel der Lechtaler und Allgäuer Alpen. Ein Panorama, das seinesgleichen sucht. Sogar meinen geliebten Hausberg, den Säuling können wir ausmachen.

Blick über die Lechtaler und Allgäuer Berge

Am Gipfel treffen wir ein deutsches Pärchen, das sich nach einem erfolglosen Versuch an der Passeierspitze auch zum Abstieg zur Augsburger Hütte aufmacht.

Am Gatschkopf (2.945 m)

Obwohl der Gipfelaufbau des Gatschkopfs recht unspektakulär aussieht, hat es der Abstieg nochmals in sich. Nicht die technischen Schwierigkeiten stehen hier im Vordergrund…

Abstieg vom Gatschkopf

… es ist die Länge und die teilweise schwere Wegfindung. Ein Verlaufen ist allerdings unmöglich, hier führen wirklich alle Wege, mehr oder weniger schwer, nach Rom.

Abstieg vom Gatschkopf
Abstieg vom Gatschkopf

Nach langen 8 ¾ h erreichen wir schließlich unser heutiges Refugium. Schon am Eingang werden wir mit einem Schnaps begrüßt. Die junge Hüttlerin meint, nachdem sie uns mit Vornamen begrüßt hat, wir sind heute fast alleine. Scheinbar haben wir uns den richtigen Tag ausgesucht. Wir gönnen uns ein Bier und lehnen uns zufrieden zurück.

Letzte Meter zur Augsburger Hütte (2.289 m)

Eine gewaltige Tour, die wir heute absolviert haben. Wir sind hoch zufrieden, der Hüttenabend mit neuen Bekannten, Vanessa und Hubert lässt den feinen Tag gut ausklingen.
Hubert erzählt uns beiläufig, dass ihn bei seinem Passeierbesteigungsversuch ein Stein durch vorgehende Bergsteiger oder evtl. auch Gämsen nur knapp verfehlt hat. Sein Rucksack wurde allerdings beschädigt…

Tourendaten
Gesamtdauer: 8:47 h
Gesamtlänge: 18,90 km
Höhenmeter: ∆ 1.317 m / ∇ 1.339 m

220824 Augsburger Höhenweg: Aufstieg Ansbacher Hütte (2.376m)

Der Lechtaler Höhenweg ist schon ein paar Jahre her, damals wollten Papa und ich den Augsburger Höhenweg „mitnehmen“. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten eine Alternativroute nehmen.
Einige Jahre später ist es nun so weit, wir probieren uns nochmals am Augsburger Höhenweg. Start der Tour ist in Schnann, das ich mit Bahn und Bus erreiche

Die Anfahrt ist sehr schön, schon ewig bin ich nicht mehr in dieser Ecke von Tirol gewesen. Das Wetter ist dieses Mal auch perfekt, was soll da noch schief gehen.

Start ist in der Ortschaft Schnann, die bekannt für die schöne Klamm ist.

Diese Schlucht ist eine Besonderheit. Man steigt durch einen kurzen, sehr engen Teil, dann weitet sich die Schlucht schon wieder. Durch diese Eigenheit bildet der vordere, enge Teil schon fast einen natürlichen Schutz gegen Lawinen und Muren.

Während die Engstelle aus hartem Gestein besteht, ist der hintere Teil aus Schiefer, der schneller verwitterte und diese Landschaft bildete.

Im Rückblick sieht man nochmals den Riegel, der die Engstelle bildet. Eine faszinierende Stelle, finde ich.

Der weitere Teil der kurzen Schlucht ist mit Leitern und Brücken begehbar gemacht, daher ist der Aufstieg einfach zu bewerkstelligen.

Die Temperaturen, wir sind erst zu Mittag gestartet, sind entsprechend warm, da sind wir um jeden schattigen Fleck, wie hier im Wald dankbar.

Steil zieht der Pfad immer weiter durch das Holz, nur kurze Stücke sind flach.

Nach 1:20 h erreichen wir die Fritzhütte, ein gemütlicher Rastplatz auf 1.736 m.

Gleich hinter der Hütte liegt ein kleiner Badeteich, in dem sich auch ein paar kapitale Forellen tummeln. Ob es die zum Abendessen gibt?

Nun lichtet sich der Wald, und die Aussicht auf den Arlberg wird immer besser.

Die Hütte können wir allerdings noch nicht sehen, es fliegt aber ein Versorgungshubschrauber immer wieder an uns vorbei, daher können wir ahnen, wo sich unser heutiger Schlafplatz befinden muss.

Der Hohe Riffler (3.168 m) lacht immer wieder mit seinem (noch) schönen Gletscher zu uns herüber.

Vor uns öffnet sich die ganze Pracht der Tiroler Bergwelt, der Verwall, die Saumnauner und Ötztaler Alpen direkt vor uns.

Auf der anderen Seite bekommen wir einen ersten Blick auf einen Teil unserer morgigen Route. Der Eisenkopf sendet uns schön Grüße.

Dann endlich erreichen wir nach 2:46 h die Hütte. Der Aufstieg hatte es in sich, aber nun sind wir gut angekommen. Der Hubschrauber fliegt immer noch, es sind Umbauarbeiten an der Hütte im Gange, da muss das Material fliegend geliefert werden.

Der Blick zurück offenbart nochmals den letzten Teil des Aufstiegs über schöne Almwiesen. Ein paar Schäfferhütten, teilweise noch aktiv, haben wir passiert.

Angekommen, ist es nun Zeit für etwas Gemütlichkeit. Wir sitzen in der Sonne, schon bald haben wir noch einen Bergsteiger kennengelernt, Manuel, der bei uns im Mehrbettzimmer untergekommen ist.

Die Sonne lässt alle Strapazen vergessen, es ist einfach nur perfekt hier oben.

Der Abend wir lustig, das Essen ist sehr gut, und die Hüttenleute und überhaupt alles sehr nett. Hier kehrt man einfach gerne ein. Nach einem längeren Plausch verabschieden wir uns in die wohlverdiente Nachtruhe.

Tourendaten
Gesamtdauer: 2:46 h
Gesamtlänge: 7,5 km
Höhenmeter: ∆ 1239 m / ∇ 88 m

180825 Karwendelmarsch

Tagwache: 3:15h. Das ist hart. Aber das ist das Motto für den ganzen Tag… heute steht endlich der Karwendelmarsch 2018 auf dem Programm.

Mit von der Partie sind Daniel, Alfons, Papa und ich. Wir treffen uns um 4:45h in Scharnitz, vorab wollen wir noch trockene Kleidung zum Transport nach Pertisau abgeben. Wir gehen gemeinsam ins Startgebiet, geben die Kleidung ab und stellen uns auf.

Um 6:00 Uhr fällt der Startschuss, nach schöner Tiroler Art mit Kanone. Dann setzen sich die Läufer und Wanderer in Bewegung. Das befürchtete Schubsen und Stechen mit Wanderstöcken fällt zwar aus, aber es ist gerade in der Anfangsphase sehr stressig. Das legt sich erst nach einer Weile…

Ist es die Aufregung oder doch der Kaffee, aber schon nach kurzer Zeit müssen Papa und ich „mal wohin“. Also übergeben wir die Stöcke an Alfons und Daniel und schlagen uns ins Gemüse. Schon nach kurzer Zeit sind wir wieder auf der Piste, im Laufschritt versuchen wir unsere Gruppe wieder einzuholen. Ich blicke noch einmal über die Schulter, Papa ist genau hinter mir. Dann erreiche ich unsere Beiden. Doch Papa ist weg…

Wir beratschlagen uns kurz, beschließen aber bis zur nächsten Labestation zu gehen, damit wir uns dort wieder sammeln.

Als wir dort ankommen, ist von Papa keine Spur. Wir warten eine 1/4h, dann marschieren wir weiter. Vielleicht ist er doch vorausgegangen…

Bald haben wir den ebenen Weg durch das Karwendeltal hinter uns und es steilt ein wenig auf, hinauf zum Karwendelhaus. Die spektakuläre Lage des Berghauses könnten wir schon von weitem bewundern.

Als wir die zweite Labestation erreichen, lacht uns ein lustiger Wandersmann, Papa entgegen. Er hat uns verwechselt und ist dadurch vorausgelaufen. Wir sind auch nicht langsam gegangen, daher muss er ein Mordstempo gehabt haben. Respekt…

Es ist richtig kalt hier auf dem Sattel, daher beeilen wir uns, um gleich wieder in Bewegung zu kommen. Der erste Anstieg ist somit geschafft, nun gehts wieder ein gutes Stück nach unten. Während Alfons und ich leicht joggend ins Tal laufen, gehen Daniel und Papa wegen der schweren Bergschuhe einen Schritt langsamer. Von nun an werden wir immer an den Labestationen aufeinander warten.

Immer wieder kommen wir an gut ausgestattete Labestationen, die warmen Tee, Kekse, Obst und manchmal Suppe kredenzen. Richtig gut gemacht, das muss man den Organisatoren zu recht eingestehen.

Über die Falkenhütte, bei der gerade rege Bautätigkeit von statten gehen, und das Hohljoch wandern wir zur Eng. Vor dem Hohljoch wird der Weg schmäler und wir müssen im Gänsemarsch rauf auf das Joch.

Das ist mühsam, weil auch langsamere Wanderer am Weg sind. Und doch geht es eigentlich recht gut voran…

Schließlich erreichen wir die Eng. Hier ist die größte Labestation und gleichzeitig die Endstation des „kleinen“ Karwendelmarsches mit ca. 32km. Hier gibt’s zur Abwechslung eine stärkende Gemüsesuppe, die tut richtig gut.

Für uns ist hier aber noch nicht Ende, es geht nun wieder bergauf, hinauf zum höchsten Punkt der Tour beim Gramai Hochleger, der Binssattel (1.903 m). Zuerst kommen wir noch bei der Binsalm an, auch hier können wir uns wieder laben.

Es wird kühler, daher gehen wir schnell weiter. Nun setzt immer wieder leichter Regen ein, jedoch nicht störend. Eigentlich haben wir perfektes Wanderwetter. Einzig der Weg ist arg in Mitleidenschaft gezogenen und sehr rutschig, kein Wunder bei den Maßen an Wanderern.

Schlussendlich fällt unterwegs der Akku meines Telefons aus, zumindest glaube ich das… später stellt sich heraus, dass doch Wasser ins Telefon gekommen ist.

Vom Hochleger wandern wir nun immer abwärts, zuerst nach Gramai, dann durch das Falzthurntal hinaus Richtung Pertisau, unserem Ziel. Die letzen 8km auf der Straße ziehen sich etwas, nun regnet es auch stärker und schön langsam wird die gesamte Kleidung nass. Nach insgesamt 10:20h erreichen wir glücklich und zufrieden das Ziel.

Hier bekommen wir eine Medaille und Applaus von den Zuschauern. Das ist ein schönes Gefühl.

Im Anschluss können wir uns trockenes Gewand anziehen, der Bus wartet schon. Dieser bring und zurück an den Startpunkt, wo wir auch das Auto geparkt haben. Diese letzten Schritte des Tages fallen uns allen schwer…

Am Abend gönnen Papa und ich uns noch eine Pizza im Villagio in Aldrans, dann ist Bettzeit. An anstehender Tag geht zu Ende.

Hier möchte ich nochmals an die feine Wanderergruppe ein großes Danke sagen, mir hat es viel Spaß gemacht mit euch Dreien.

Tourendaten
Gesamtdauer: 10:20 h
Gesamtlänge: 52 km
Höhenmeter: 2.281 m
Rang: 528 – 531

160908 Lechtalhöhenweg Etappe 6

Sechste Etappe – Muttekopfhütte Hütte zum Schloss Fernstein

Da wir gestern unser Soll mit der Anhalter Hütte nicht geschafft haben, beschließen wir, dafür heute nochmals auf „den Putz“ zu hauen…

Nach einem wunderbaren Frühstück, die Muttekopfhütte ist hier wirklich das Highlight der Tour, machen wir uns schon um 7:00 Uhr auf zum Scharnitzsattel (2.441m).

Gemütlich, aber kontinuierlich schrauben wir uns hinauf und schon bald stehen wir auf oben.

Der Abstieg durch die Rinne gestaltet sich nochmals abenteuerlich, denn hier ist es brüchig und steinschlaggefährlich. Zum Glück sind wir allein.

Bald sind wir aus dem Gefahrenbereich und über das Hahntennkar erreichen wir das Hahntennjoch (1.894m), der Klang der Motorräder verkündet die Nähe zur Zivilisation, die wir in den letzten Tagen nicht vermisst haben.

Am Joch steht ein Bus voll mit Touristen, die uns neugierig betrachten. Rasch huschen wir über die Straße und steigen auf, Richtigung Steinjöchl. Wir überholen eine ältere Frau und ein Mädchen, die mit einem Hund am Weg sind. Auf dem Rücken antike Rucksäcke und das Gewand ist sehr „erdfarben“ gehalten. Auf Nachfrage bestätigt sich unser Verdacht, zwei Jägerinnen. Sie sind aber heute nur mit Fernglas am Weg, „Viach schaug´n“.

Bald erreichen wir das Joch mit einem kleinen Kreuz, dann geht es schon wieder runter, fast schon auf einer Berg-Autobahn.

Hoher Zaun schützt vor Unvorsichtigkeit, teilweise ist der Weg sogar betoniert… echt schräg.

Erst als der Pfad wieder flacher wird, bekommt er auch das Aussehen eines normalen Bergweges. Um die Flanken des Maldongrates herumgehend erreichen wir auch schon die noch im Schatten liegende die Anhalter Hütte (2.038m).

Carmen, die Hüttenwirtin ist schon schwer beschäfigtigt, obwohl (oder weil) niemand mehr in der Hütte ist. Wir trinken einen Saft, und reden eine Weile mit ihr. Ich kaufe von einer Sherpani noch 3 Wollmützen für den Winter, die sehr kamod ausschauen, für die Kinder und Lucy.

Am mittlerweile nicht mehr existenten Kromsee vorbei gehen wir hinauf zum Kromsattel (2.137m). Über ein Schotterkar, anschließend durch eine Steilwiese kommen wir auf das Hinterbergjoch (2.202m).

Die beeindruckende Heiterwand steht rechts von uns, ein Versuch offenbart ein wunderbares Echo.

Was nun folgt, kann nur als langer Hatsch bezeichnet werden, der Weg wird zusehens schlechter und lehmiger. Unterwegs treffen wir noch ein paar Bauern aus Tarrenz, die ihr Vieh (Schafe und Ziegen) zusammensuchen, bald schon ist Almabtrieb.

Auf der Hinterberghütte, die wir versehentlich mit der Hinteren Tarrentonalpe verwechseln, bekommen wir einen Radler und gute Unterhaltung. Nach kurzer Pause geht es weiter zur Hinteren Tarrentonalpe (1.519m), an der wir aber nun einfach vorbeilaufen.

Rechts haltend gehen wir durch einen wunderschönen Boden an einem Jagdhäuschen und später am ehemaligen Bergbaugebiet Dirstentritt vorbei. Ein letztes Joch müssen wir übersteigen, das Schweinsteinjoch (1.564m), dann geht es nur mehr abwärts.

Über das Tegelstal steigen wir ab, zuerst noch flach auf einem schönen neuen Forstweg, später wird der Weg aber arg steil, sodaß ich mir denke, weder mit dem Auto noch mit meinem Mountainbike möchte ich hier fahren müssen. Gott sei Dank sind wir auf dem Abstieg.

Bei der Tegestalhütte (935m) drehen wir nochmals nach links und gehen zuerst vorbei am Campingplatz zum Fernsteinsee. Endlich sind wir am Ziel…

Im Selbstbedienungsrestaurant laben wir uns mit einem Bier und einem Sandwich, während wir auf den Postbus warten und wieder mitten im Hier und Jetzt angekommen sind.

Die letzten sechs Tage waren eine wahre Bereicherung für mich, die Zeit mit meinem Papa war sehr schön, wir haben viel und gut gesprochen, und ich merke, daß mir diese gemeinsame Reise sehr gut getan hat. Danke dafür meinem Papa!

Tourendaten
Gesamtdauer: 6:40 h
Gesamtlänge: 26,9 km
Aufstieg: 1.170 m
Abstieg: 2.110 m
Max. Höhe: 2.441 m

Höhenprofil
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Kartenausschnitt

160907 Lechtalhöhenweg Etappe 5

Fünfte Etappe – Hanauer Hütte zur Muttekopfhütte

Gestern war schon ein relativ anstrengender Tag, aber heute wollen wir das nochmals toppen, wir wollen von der Hanauer Hütte in einem „Ratsch“ auf die Anhalter Hütte gehen. Nach dem Frühstück legen wir gleich los, es geht heute gleich am Anfang aufwärts.

Zuerst müssen wir auf das Galtseitenjoch (2.421m), einen Weg, den Papa und ich schon mal zum Teil gegangen sind, aber abbrechen mußten, da zu viel Schnee in den Toebel gelegen ist.

Nach einer guten Weile, die wir aufwärts gehen, erreichen wir endlich das Galtseitenjoch und kehren dem Angerletal den Rücken und steigen hinüber ins Fundaistal.

Über dem Joch wandelt sich die Landschaft komplett, geologisch interessante Gesteinsarten liegen überall im Gelände.

Durch das „Hinteres Kar“ erreichen wir die Kernstrecke für heute, die berüchtigten Kübelwände…

…brüchig, ausgesetzt und steil geht es bis hinauf zum Joch beim Muttekopf, diesen bekannten Gipfel nehmen wir dann auch noch gleich mit.

Vom Muttekopf (2.774m) haben wir eine fantastische Aussicht auf den Alpenhauptkamm, aber auch auf den Säuling, die Zugspitze, die Lechtaler und Allgäuer Alpen.

Hier ist es wunderschön. Da wir noch ein gutes Stück vor uns haben, dürfen wir nicht zu lange auf dem Gipfel verweilen.

Wir steigen hinunter zum Joch, doch anstatt den „richtigen“ Weg, nämlich die verschicherte (zweite) Rinne abzusteigen, entscheidet sich Papa, wohl zu enthusiastisch, die erste Rinne zu nehmen. Schon nach kurzem wissen wir, daß der Weg nicht richtig ist, aber rauf wollen wir nicht mehr.

Und ganz so schlimmer ist dieser Weg dann doch nicht. Ich scherze noch, daß wir die Herrenabfahrt genommen haben, während der Rest der Muttekopf-Besteiger die Damenabfahrt nehmen 🙂

Über einen schönen Steig erreichen wir die Muttekopfhütte (1.934m). Unsere Beine sind müde, wir entschließen uns (nicht ganz so) spontan, nicht mehr auf die Anhalter Hütte weiterzugehen, sondern hier zu bleiben.

Zimmer sind leider keine mehr vorhanden, aber das Lager schaut gut aus und wir beschließen, das Lager zu nehmen. Zur Stärkung bestellen wir ein Schnitzel. Eine riesige Portion wird uns mit Salat vorgesetzt, auch der Geschmack ist super.

Das Essen ist eine Wucht. Am Abend brauchen wir nicht mehr viel, eine Nudelsuppe und ein Gläschen Wein runden den Tag ab.

Die Nacht hingegen ist die Hölle, denn ein älterer Mann in unserem „Abteil“ schnarcht, was das Zeug hält. Gott sei Dank ist die Hütte aus massivem Holz, ansonsten hätte sie das wohl nicht ausgehalten. Die halbe Nacht liegen wir wach im Schlafsack, dann übermannt uns doch schlußendlich der Schlaf.

Tourendaten
Gesamtdauer: 4:20 h
Gesamtlänge: 12,1 km
Aufstieg: 1.142 m
Abstieg: 1.138m
Max. Höhe: 2.723 m

Höhenprofil
hpetappe5

Kartenausschnitt

160906 Lechtalhöhenweg Etappe 4

Vierte Etappe – Memminger Hütte zur Hanauer Hütte

Obwohl der gestrige Abend schon ein wenig Sonne versprochen hat, ist der Morgen heute doch trüb.

Wir gehen ein wenig später frühstücken, da die Memminger Hütte, auch Dank des Massenandrangs auf die Hütte Gruppen zuerst abfertigt. 30min. später kommen die „normalen“ Leute dran. Uns passt das ganz gut, wir genießen wieder ein gemütliches Frühstück, dann packen wir unser Zeug und machen uns auf. Im Gegensatz zu dem Rest der Leute gehen wir mit kurzer Hose und Softschelljacke los, die Übrigen sind in „voller Montur“ unterwegs.

Der Weg zur Seescharte (2.599m) ist bald geschafft, dort überholen wir die 3te und letzte Gruppe für heute… die meisten Gruppen sind auf dem E5 Richtung Zams, wir zweigen bald nach der Seescharte nach links, Richtung Württemberger Haus, ab.

Hier geht der Weg zuerst eben über ein Schotterkar, dann steilt der Weg auf, Richtung Großbergkopf (2.574m) und weiter zum Gipfelkreuz der Großbergspitze (2.657m).

Die letzten Höhenmeter machen wir in einer undurchsichtigen Nebelbank, leider haben wir keinen Ausblick auf die umgebende schöne Bergwelt.

Kurz nach dem Gipfel treffen wir die erste Gruppe, die vom Württemberger Haus rüberkommt.

Gleich danach kommt und noch eine größere Gruppe entgegenen, es soll heute bei diesen zwei Gruppen bleiben.

Ein kurzes Wolkenfenster erlaubt uns einen Blick auf den Bürschlsee, dann erreichen wir schon das Württemberger Haus (2.220m).

Wir stärken uns mit einem alkoholfreien Weizen und einem Speckbrot… hier würde es mir schon gefallen. Doch wir müssen weiter, unser Ziel heißt heute Hanauer Hütte.

Auf der Bittrichscharte (2.535m) schauen wir nochmals zurück auf die „Lacke“, ins Medriol, eine wunderschöne Stimmung dank einem kleinen Sonnenfenster.

Der Abstieg ins Bittrich ist sehr kalt, aber als wir den Boden des Hochtals erreichen, ist es schon wieder ein wenig angenehmer.

Wir können die warme Kleidung ausziehen und wandern weiter mit kurzer Hose, aber immer noch Fließjacke. Staundend sehe ich mir die riesengroßen Findlinge an, die hier wohl vom Leiterferner übrig geblieben sind.

Der Weg führt um den Vorderen Gufelkopf hinauf zum Gufelsee. Wunderschön liegt dieser kleine, aber relativ tiefe See vor uns, im Hintergrund der jetzt blattförmige Vordere Gufelkopf.

Zum Gufelseejöchl (2.373m) ist es nur noch ein Proformaaufstieg, dann sehen wir schon „fast“ die Hanauer Hütte.

Am ehemaligen Parzinn-See und an der Parzinnalm vorbei erreichen wir nach einem längeren Tag endlich die Hanauer Hütte (1.922m).

Nachdem der Durst gestillt ist, fragen wir nach einem Zimmer, das es aber leider heute nicht gibt. Nur noch im Lager ist Platz, also müssen wir uns wohl oder über vom Luxus der letzten Tage verabschieden.

Das Essen am Abend ist in Ordnung, zwei Oberösterreicher setzten sich zu uns und wir verbringen den Abend noch mit Geschichten über das Bundesheer, die Forstwirtschaft und sonstige interessante Themen. Spät geht der Abend zu Ende, erst um 23:00 Uhr komme ich ins Bett. Dafür schlafe ich sofort ein, kein Schnarchen kann mich stören…

Tourendaten
Gesamtdauer: 8:30 h
Gesamtlänge: 16,26 km
Aufstieg: 1.421 m
Abstieg: 1.741 m
Max. Höhe: 2.610 m

Höhenprofil
hpetappe4

Kartenausschnitt

160905 Lechtalhöhenweg Etappe 3

Dritte Etappe – Ansbacher Hütte zur Memminger Hütte

Ein Blick aus dem Fenster bestätigt unsere Befürchtung, über Nacht, bzw. in der Früh hat es zu schneien begonnen.

Der geplante „Augsburger Höhenweg“ fällt also ins Wasser, viel Hoffnung hatten wir eh nicht mehr gehabt. Unsere Alternativroute führt über die Memminger Hütte, das Weitere werden wir dann am Abend planen.

Wir lassen uns den Tag trotzdem nicht verdriesen, frühstücken reichlich am guten Buffet und stellen dann die „Abmarschbereitschaft“ her. Da es immer noch schneit, ziehen wir gleich das Regengewand und auch die Gamaschen an.

Die ersten Schritte von der Hütte versprechen glitschiges Vergnügen, doch schon nach ein paar Höhenmetern wird der Schnee griffiger und wir kommen gut voran. Zuerst erreichen wir die Kopfscharte (2.523m), bald gefolgt vom heute korrekt bezeichneten Winterjöchl (2.528m).

Nach einiger Sucherei erreichen wir noch die Grießlscharte (2.684m). Hier suchen wir nach einem nicht ganz einfachen Abstieg mit Grödeln vergeblich den Weg, also beschließen wir, diretissima ins Tal abzusteigen.

Nach einiger Sucherei und einer rutschigen Überquerung eines zugeschneiten Altschneefeldes erreichen wir wieder den richtigen Weg und sehen an der anderen Talseite schon die Memminger Hütte… so nah, und doch so fern.

Durch das Langkar und die Schafgufel führt uns der Weg ins wunderschön grüne Parseier Tal, den Schnee haben wir mittlerweile hinter uns gelassen.

Den reißenden Parseierbach überqueren wir fast trocken, hier pausieren wir auch kurz und ziehen uns um.

Der nächste Abschnitt führt uns nun wieder hinauf, über das Bärenpleistal, „Im Kessel“ und Rosengarten zur Memminger Hütte.

Im unteren Teil ist der Weg noch ausgesetzt, im oberen Teil noch dazu unangenehm lehmig und rutschig. Das nasse Wetter hat diesen Weg richtiggehend versaut, aber mit der „Schritt-für-Schritt“-Technik erreichen wir auch hier wieder ohne Probleme unser Ziel, die Memminger Hütte. Der in der Früh noch sichtbare Schnee ist mittlerweile verschwunden, und kurze Sonnenfenster versprechen Wetterbesserung.

In der Gaststube werden wir unfreundlich empfangen, aber zumindest bekommen wir ein 4-Bett-Zimmer, zusammen mit zwei in Deutschlang lebenden Polen.
Wir erlauben uns eine kurze Rast, dann steigen wir noch in einer knappen 1/2h auf den Seekogel (2.414m), um die dort rastenden Steinböcke aus der Nähe zu bewundern.

Diese imposanten Tiere machen nicht die geringste Anstalt, von uns wegzulaufen. Mich reißt das zu einem Scherz hin, die Tiere sind wohl angepflockt…

Das Panorama vom Gipfel ist heute wunderschön, da die Wolken zusammen mit dem Restschnee eine wunderschöne Stimmung fabrizieren. Papa und ich genießen die wunderschöne Aussicht…

Die Bedienung auf der Memminger Hütte hat diesen Ausdruck fast nicht verdient, zumindest das Essen ist gut. Auch gesellen sich die Zimmergenossen aus Polen zu uns an den Tisch, später noch kommen zwei Deutsche, die wir schon auf der Ansbacher Hütte kennengelernt haben, zu uns, und wir haben einen lustigen Abend mit viel Gelächter… die vielgerühmte Bergsteigerkameradschaft!

Tourendaten
Gesamtdauer: 5 h
Gesamtlänge: 13,20 km
Aufstieg: 954 m
Abstieg: 1.121m
Max. Höhe: 2.632m

Höhenprofil
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Kartenausschnitt

160904 Lechtalhöhenweg Etappe 2

Zweite Etappe – Leutkirchner Hütte bis Ansbacher Hütte

Gut ausgeruht erwachen wir Frühmorgens und packen unsere Rucksäcke für die zweite Etappe. Das Frühstück ist etwas trocken, aber die große Tasse Kaffee hilft, das Brot runterzubekommen. Wir bedanken uns beim Hüttenwirt für die freundliche Aufnahme, bazahlt haben wir, wir auf den AV-Hütten üblich, schon am Abend.

Das Wetter ist gut, und wir kommen schnell hinauf auf das Winterjöchl (2.261m).

Dann geht der Weg über angenehme Pfade über die Hirschpleis, unter dem Stanskogel hindurch Richtung Schindlekopf (2.471m). Obwohl der Gipfel nicht direkt am Weg liegt, beschließen wir, den kleinen Kopf mitzunehmen. Wir stellen die Rucksäcke ab und kraxeln geschwind auf die kleine Erhebung. Der Ausblick ist wirklich schön von hier.

Von oben sehen wir schon unser nächstes Ziel, das Kaiserjochhaus (2.310m) und auch den Pfad dorthin.

Die AV-Hütte haben wir rasch erreicht, da es aber noch früh am Vormittag ist, beschließen wir auch hier, nicht einzukehren, sondern gleich das nächste Ziel anzusteuern. Über nun ausgesetz werdende Wege erreichen wir die Kridlonscharte (2.371m). Von hier haben wir einen wunderschönen Ausblick auf den Hintersee, und obwohl das Wetter nicht mehr ganz so gut ist, ist die Landschaft malerisch.

Hier treffen wir einen Wanderer mit seinen 3 Söhnen, die auch auf dem Weg zur Ansbacher Hütte sind. Der Vater meint zu uns, es sei ein Kreuz mit den Jungs, die springen immer so schnell, dafür brauchen sie öfter Pause. Er würde so viel lieber langsam durchmarschieren… ich kann ihn total verstehen.

Bald erreichen wir das Hinterseejöchl (2.482m), nochmals mit einem schönen Blick auf den Hinetersee. Zuerst ist der Weg wieder sehr angenehm zu gehen, wir kommen rasch voran, dann steigert sich der Anspruch wieder ein wenig, beim Jochrücken müssen wir einige schottrige Tobel durchqueren.

Trotzdem sind wir zügig am Weg, und bald stehen wir am Alperschonjoch (2.303m).

Nun teilt sich der Weg, da wir aber nicht sicher sind, wie der rechte Weg auf die Samspitze ((2.624m) ist, beschließen wir, den einfacheren Weg über das Flarschjoch (2.464m) zu nehmen.

Mit den Rucksäcken, die mit Wasser doch bis zu 13kg auf die Waage bringen, sind manche Balance-Akte doch nicht ganz so einfach.

Vom Flarschjoch umrunden wir die Samspitze, das Gipfelkreuz immer im Blick, und erreichen auch schon die Ansbacher Hütte.

Ein netter Empfang auf der Hütte, gepaart mit einem 3-Bett-Zimmer für uns Zwei, überzeugt uns schon, daß es uns hier gefallen wird.

Wir gönnen uns ein Weizen auf der Hütte, und schauen auf die Uhr… es ist noch sehr viel Tag übrig, also beschließen wir spontan, noch auf die Samspitze, aber ohne Rucksack zu gehen. Wir nehmen nur eine Jacke mit und starten los.

Nicht weit über der Hütte fängt es zu nieseln an, aber wir beschließen, noch weiter zur Spitze zu gehen. Bald hört das Nieseln wieder auf und wir erreichen den Gipfel der Samspitze (2.624m).

Am Abend genießen wir ein 3-Gänge-Hüttenmenü, das wirklich vorzüglich ist. Auch das Hüttenpersonal ist total freundlich und mit den anderen Gästen verstehen wir uns blendend. Ein Ällgäuer Künsterpaar gesellt sich zu uns und wir reden über Gott und die Welt, speziell was sich im Tourismus zwischen früher und heute unterscheidet. Ich höre hauptsächlich interessiert zu, denn Kurt kann so einiges aus vergangenen Tagen preisgeben.

Zeitig gehen wir wieder ins Bett, es hat nun zu regnen begonnen.

Der Wetterbericht ist also akurat gewesen! „Greißlige Stimmung draußen“, mehr fällt mir nicht ein und gerne kuschle ich mich in den Hüttenschlafsack.

Tourendaten
Gesamtdauer: 4:40 h
Gesamtlänge: 13,80 km
Aufstieg: 1.014 m
Abstieg: 908 m
Max. Höhe: 2.624 m

Höhenprofil
hpetappe2

Kartenausschnitt

160903 Lechtalhöhenweg Etappe 1

Erste Etappe – Zürs bis Leutkirchner Hütte

Heute geht es endlich los, Papa und ich machen uns auf, den Lechtaler Höhenweg zu begehen. Wir fahren schon in der Früh von Reutte mit dem Postbus bis nach Zürs, von dort wollen wir unsere Tour starten.

Im Bus rufe ich noch auf der Leutkirchner Hütte an, um ein Zimmer zu reservieren, aber der Hüttenwirt meint nur, „alles ausgebucht, da braucht´s gar nit kemmen…“. Welch ein Schock zuerst, aber wir beschließen, trotzdem unser Glück zu versuchen…

Nach ein wenig mehr als 2 Stunden erreichen wir unseren Ausgangspunkt, Zürs.

Der erste Teil von Zürs aus geht auf einer asphaltierten Piste über das Skigebiet hinauf zur Trittalm.

Hier wird der Weg dann „schotterig“, ist aber immer noch sehr breit. Es geht in einem schönen Boden, dem Pazüel, Richtung Stuttgarter Hütte. Schon vom Boden aus sieht man die stolze Hütte über dem Tal thronen…

Der Boden ist weit und zu unserer Rechten sehen wir größere Herden an Almvieh. Das gehört wohl zur Pazüel-Alm.

Vor der Stuttgarter Hütte wird der Weg ein wenig steiler, und wir erreichen das erste Joch auf der Tour, das Krabach-Joch (2.305m).

Dann sind wir auch schon bei der DAV-Hütte. Da es noch früh ist, beschließen wir, nicht einzukehren, sondern gleich weiter zur Leutkirchner Hütte zu gehen.

Nach kurzem Marsch erreichen wir das Erli-Joch (2.430m). Es geht zuerst recht einfach, immer weiter hinunter ins Almajurtal bis zur Erlach-Alm. Auf halbem Weg kommt uns eine Gruppe Zürser entgegen, bewaffnet mit Mountainbikes. Na, wer´s mag… Papa und ich sind uns einig, das würden wir nicht wollen.

Wir erreichen die Erlach-Alm (1.922m), eine größere Jägerschaft ist auch zugegen. Wir stärken uns mit einem Weizen und fragen die Jäger ein wenig aus. Murmeltier und Gemse hat heute dran glauben müssen, jetzt wird gefeiert, meinen sie. Als wir auf unseren weiteren Weg zu sprechen kommen, meint der Chef-Jäger, daß der Weg „arg schlecht beieinander ist“. Trotzdem wollen wir es wagen.

Wir gehen von der Alm zuerst noch ein paar Meter gerade aus, dann steilt der Steig auf, in den Stapfe-Tobel. Schon der Anblick des Weges verspricht „prickelnde Spannung“… ausgesetzt, schottrig und abschüssig, das sind die Charaktereigenschaften, die mir noch spontan einfallen. Aber nachdem wir einsteigen, stellen wir fest, daß es nicht so schlimm ist, wie es ausgeschaut hat. Klar, rutschen darf man nicht, aber wo darf man das schon in den Bergen!

Der Tobel ist bald bemeistert und wir steigen hinauf zum Almajur-Joch (2.237m). Von hier aus ist es nur ein kurzer Weg bis zur Leutkirchner Hütte (2.261m).

Auf Nachfrage beim Hüttenwirt ist wie erwartet kein Zimmer frei, Lager schaut auch schlecht aus, aber „wir werden schon was finden…“, wir müssen uns noch ein wenig gedulden. Nach einiger Zeit könnten wir den Winterraum mit „kleinem“ Hund für die Nacht haben, aber wir wollen das Lager nicht mit einem unbekannten, und wie sich herausstellt, gar nicht so kleinen Hund teilen. Wärend er uns das erzählt, schaut er mich augenzwinkernd an und meint nur: „Gel, du hast heute in der Früh angerufen…“

Etwas später haben wir doch noch Glück, eine Absage beschert uns ein feines 2-Betten-Zimmer, Luxus pur also. Ach das Essen am Abend ist sehr gut, und der Hüttenwirt ein feiner Kerl, ursprünglich aus Kärnten.
Um 19:30h liegen wir schon im Bett, wer mich kennt, weiß, daß das fast „Mittag“ ist… trotzdem schlafen wir auch Dank der Ruhe und der guten Luft bald ein, vorfreudig auf den nächsten Tag.

Tourendaten
Gesamtdauer: 4:30 h
Gesamtlänge: 13,60 km
Aufstieg: 1.299 m
Abstieg: 649 m
Max. Höhe: 2.441 m

Höhenprofil
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Kartenausschnitt