190915 Habicht [3.277m]

Der Hoger in Gschnitz
der Waldraster Spitz
und die Martinswand
sein die Höchsten im Land
– alter Spruch

Der Habicht, im Volksmund auch Hoger genannt, ist schon lange ein Ziel, das ich gerne besteigen möchte. Lange Zeit galt dieser mächtige, markte Block als höchster Berg des Landes. Obwohl dies schon länger widerlegt ist, der Habicht sticht aus der Berglandschaft heraus und stellt ein lohnendes und herausforderndes (Tages-) Ziel dar. Hier die Aussicht vom Zirbenweg (gestrige Tour).

Der Weg vom Gschnitztal über die Innsbrucker Hütte ist ein Langer, daher machen wir uns trotz herbstlich-später Dämmerung früh auf. Um 6:00 Uhr starten wir schon vom Wanderparkplatz kurz nach Gschnitz, mit von der Partie: Michi, Max und ich. Während wir uns noch die Bergschuhe anziehen, geistern eine deutsche Wanderin um uns herum, der wir heute noch öfter begegnen werden.

Der Aufstieg über den Jubiläumssteig ist unspektakulär, aber sehr schön und mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht aus besser. Bald schon haben wir eine umfassende Sicht auf die Tribulaune, die Schwarze Wand und die Gargglerin…

Das wären auch mal Ziele, philosophieren wir… zumindest der Gschnitzer Tribulaun ist für uns machbar, der Pflerscher Tribulaun ist dann schon was für Spezialisten… doch all zulange müssen wir nicht überlegen, noch lange ist unser heutiger Weg…

Nachdem wir die Waldgrenze, vorbei an ein paar verfallenen Stadeln, erreicht haben, wird die Rundumsicht doch noch spektakulär… und wir sind noch nicht mal bei der Hälfte, das wäre die Innsbrucker Hütte. Der Weg schmiegt sich schön an den Hang, immer wieder müssen wir kleine Schotterreise überqueren. Sogar eine Steinbock-Geiß sehen wir, die sich nur wiederwillig vom Steig entfernt, als wir ankommen.

Schlussendlich macht der Weg einen großzügigen Bogen nach Rechts und dann erhaschen wir das erste Mal einen Blick auf die Innsbrucker Hütte [2.369m]. Was für ein großer Bau, hier in diesem abgelegenen Teil der Welt…

Bei der Hütte machen wir eine kurze Rast, ohne jedoch einzukehren. Diesen Genuss müssen wir uns erst verdienen… also gibt´s Wasser und Müsliriegel. Direkt hinter der Hütte steilt nun der Weg auf, es wird steiniger, aber nicht weniger interessant… bis zur Hütte war der Wandererstrom noch recht überschaubar, hinter uns war eine Gruppe im Aufstieg, ansonsten waren wir alleine. Nun, ab der Innsbrucker Hütte kommen noch all die Hüttenübernachter dazu, daher sind jetzt doch einige Leute am Wege, wobei es trotzdem keine Verzögerungen gibt.

Der erste Teil ab der Hütte ist ein wenig steiler, teilweise auch mit Seilversicherungen, im weiteren Verlauf legt sich aber das Gelände zurück und es werden wieder normale Wanderwege. Bald erreichen wir den Habichtferner, ein kleines, spaltenfreies Schneefeld, das früher wohl ein mächtiger Gletscher gewesen sein mag. Ohne Probleme können wir am Rande vorbeigehen und erreichen den letzten Aufschwung zum Gipfel.

Die letzten Paar Meter auf den Gipfel sind dann nochmals mit Seil versichert und lassen imposante Tiefblicke auf das Schneefeld zu, dann erreichen wir den höchsten Punkt, den Gipfel des Habichts [3.277m], oder eben auch Hogers. Obwohl einige Leute hier anwesend sind, ist auf dem geräumigen Gipfelplateau auch für uns noch Platz. Andächtig setzen wir uns und genießen die fulminante Rundumschau…

Fast 1,5 Stunden bleiben wir am Gipfel sitzen, genießen eine gute Brotzeit, bestaunen die Bergwelt und genießen einfach das Nichtstun. Und die Aussicht ist wirklich grandios… Wildspitz, Ortler, Marmolada, Zugspitz… und im Süden dominierend, die Tribulaune. Herrlich, einfach nur herrlich…

Nach einer sehr guten Rast machen wir uns wieder auf den Rückweg. Der Tag ist nicht mehr ganz jung und wir wollen ja auch noch bei der Innsbrucker Hütte eine Rast machen. Der Abstieg folgt dem Aufstieg, bald haben wir wieder das Schneefeld erreicht. Hier ist schon manch Unglück passiert, wenn einer den Weg abkürzen wollte und über das Schneefeld abgefahren ist. Wir halten uns an den Umgehungsweg und sind wahrscheinlich auch nicht viel langsamer.

Bald erreichen wir den schwierigsten Teil der Tour, eine Geröllflanke mit Drahtseilversicherung. Nicht wirklich arg, aber auf die Tour bezogen wohl das Anspruchsvollste.

Rasch haben wir auch diesen Teil durchquert, dann sehen wir schon die Hütte vor uns. Endlich, denken wir uns alle Drei… denn durstig sind wir schon! Und ein wenig hungrig… zumindest die Michi. Essen tun wir aber dann alle was… Es ist hier total gemütlich in der Sonne, wir genießen zum zweiten Mal heute das gemütliche zusammensitzen und haben es lustig.

Die Zeit schreitet allerdings voran, und wir müssen aufbrechen, es ist noch ein Stück ins Tal. Am Anfang begleitet uns noch die Sonne und taucht die Landschaft in schönes herbstliches Nachmittagslicht ein…

Irgendwann erreichen wir auch das Auto, es ist nun schon dämmrig, wir beschließen noch, in Trins in der Pizzeria was zu essen, damit schließen wir diesen langen, aber sehr schönen und eindrucksvollen Tag ab… es war wieder ein herrliches Erlebnis in den Tiroler Bergen.

Tourendaten
Gesamtdauer: 7:50 h
Gesamtlänge: 17.97 km
Höhenmeter: 2.017 hm

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