190923 Kleiner und Großer Bettelwurf [2.726m]

„[…]U. 10 ist der höchste Punkt erreicht. Jetzt erst fliegen die Blicke rings in’s Weite. Blauer Himmel oberhalb und die vorhandenen Wolken über den Gebirgen. Rufe der Freude schallen hernieder rings in’s Thal.“

Carl Gsaller, Österreichischer Alpinist

Um 6:00 Uhr ist Abmarsch, das Dreiergespann, Michi, Max und meine Wenigkeit stehen wieder mal in den Startlöchern. Der vierhöchste Karwendelgipfel ist heute unser Ziel.

Wir wollen über die Bettelwurfhütte [2.077m], den Klettersteig auf den Kleinen Bettelwurf [2.650m] und dann auf den Großen Bettelwurf [2.725m] gehen. Gestartet wird am Hackl, dem Eingang zum geschichtsträchtigen und mir gar so lieben Halltals.

Wir steigen auf dem unteren Fluchtsteig, da es noch recht finster ist sehen wir nicht viel, auf zum Wasserwerk der Hall AG, jenem besonderen Bauwerk, das wegen Muren- und Lawinengefahr in der Berg gebaut wurde und somit heutzutage als sicher gilt. Nun kitzel die Sonne schon die ersten Berggipfel, schön sind sie an zusehen, Speckkarspitze und Lafatscher…

Hier startet der neue Steig auf die Bettelwurfhütte, nachdem der alte Steig dem „Zorn“ der Bettelwurfreise zum Opfer gefallen ist. Steil geht´s erst durch lichten Wald und Latschen, dann erreichen wir auch schon die Reise selber, und gehen im Zickzack, vorbei am Gamsgufel hinauf zum Alten Schlag.

Hier tauchen wir nun wieder ein in die Latschen, da es aber noch relativ kühl ist, ist der Aufstieg angenehm und wir kommen zügig voran. Ich erinnere mich noch an ein Mal, wo ich hier später am Vormittag unterweg war… da war ich richtig ins Schwitzen gekommen.

Vorbei am Juchizer, von hier hat man einen ersten Blick auf die Bettelwurfhütte, und ein paar Gämsen erreichen wir den Quergang zur Hütte. Nun haben wir unser erstes Ziel schon fest vor Augen und nach 2:45 h haben wir endlich die AV-Schutzhaus erreicht. Wir machen nur eine kurze Pause, noch lange ist unser Weg heute

Direkt hinter der Hütte ist der Weg auf den Kleinen Bettelwurf angezeigt, vor uns ist eine größere Gruppe, wie wir später erfahren vom Alpenverein. Abgesehen davon sind noch ein paar Individualisten unterwegs, ansonsten ist es heute recht ruhig. Evtl. spielt das Wetter eine Rolle, besonders sonnig ist es nicht, aber das Wolkenspiel dafür umso schöner und imposanter.

Wir steigen über den Rücken bis zu den Felsbändern auf, dann wird es Zeit, das Klettersteigset anzulegen. Der Steig auf den Kleinen Bettelwurf ist kühn angelegt, nicht besonders schwer, aber entgegen den heute gewohnten Klettersteigen auch nicht durchgehend gesichert. Immer wieder müssen Bereiche bis zum Schwierigkeitsgrad UIAA II- begangen werden. Nicht arg schwierig, aber ungewohnt und auch sehr anregend.

Bänder, kleine Wände, Stufen, wie Bänder… schön zieht sich der Steig direkt Richtung Einschartung zwischen Kleinem und Großem Bettelwurf. Bei dieser müssen wir nochmals ein paar Meter in die entgegengesetzte Richtung, damit wir endlich auf unserem ersten Gipfel stehen. Der Kleine Bettelwurf ist erreicht, nicht ohne kleine Irrwege bei den letzten Metern…

Nun haben wir uns eine „gscheite“ Brotzeit verdient, es ist gerade windstill, zwar keine Sonne, aber aushaltbar. Wir sitzen schlussendlich nicht so lange hier, denn die Kälte kriecht unter das Gewand und die Finder werden taub…

Wir machen uns wieder auf den Weg zurück zur Einschartung, ab hier geht’s nun ein wenig mehr zur Sache. Von der Philosophie, nicht alles mit Stahlseilen abspannen zu müssen, hat sich wenig geändert, aber die Schwierigkeit ist nun ein wenig höher. Tritte sind spärlich, trotzdem kommen wir gut voran… und es macht richtig Spaß.

Ein paar Leute vor und hinter uns sind ohne Klettersteigset am Weg, naja, jeder wie er will. Die meisten Stellen gingen auch ohne, aber zwei, drei Stellen möchte ich ohne KS-Set nicht bewältigen müssen…

Bald schon werden die Schwierigkeiten weniger, wir sind noch auf dem Plateau vom Gipfel und wandern noch auf schönem Steig, nahe am Grat hinauf zum Höchsten Punkt des Massivs. Glücklich erreichen wir den Gipfel des Großen Bettelwurfs [2.736m], einem der wenigen Berge im Karwendel, die die Höhe von 2.700m übersteigt.

Die Aussicht ist grandios, die ersten schweren Wolken sind schon am Pflerscher Tribulaun zu sehen. Der Wetterumschwung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen…

Allzu lange bleiben wir nicht, denn die Gipfelhause beim letzten Gipfel war definitiv angenehmer. Der Wind hat aufgefrischt und es ist recht kühl geworden. Also auf ins Tal… es sind noch über 2.000 Höhenmeter runter. Gerade als wir starten wollen, rutscht Michi auf einer Schotterreise aus… puh, das war knapp. Ausrutschen ist hier nie eine gute Idee!

Nun machen wir uns über das Eisengattergrat auf ins Tal. Schnell laufen wir die gut abgesicherte Steiganlage, an den kniffligen Stellen sind Stahlseile. Plötzlich das nachte Unglück… Max rutscht auf einem Stein aus und schlägt sich den Daumen auf, und zwar richtig. Er blutet richtig, daher muss ein Schnellverband drauf… Michi hat das schon im Griff. Bald ist unser Schwerverwundeter versorgt und wir können weiter.

Der Weg zieht sich, aber irgendwann kommt dann doch die Hütte in Reichweite. Vorher sehen wir noch ein paar Gämsen, die auf dem Steiglein stehen. Noch ein Hinweis drauf, das sich das Wetter wohl verschlechtern wird…

Schlussendlich erreichen wir die Hütte und gönnen uns eine Pause mit Speis und Trank. Das Wetter ist wieder ein wenig besser geworden, aber von Schön ist es noch weit entfernt. Wir genießen die Pause auf dem „schönsten Balkon in Innsbrucker Nähe“. Leider sind die Wirtsleute ein wenig gestresst und daher nicht so fein wie sonst. Aber jeder halt mal einen schlechten Tag, das wird schon wieder…

Bei der Hütte haben wir noch ausgemacht, einen Sprung nach St. Magdalena zu schauen, dort ist es auch immer fein zu sitzen. Ein kurzer Gegenanstieg sollte uns wohl nichts ausmachen… von der zweiten Ladhütte bis ‚Magdalena ist es eh nur 10 Minuten… sag ich!

Erst müssen wir mal zur Ladhüttekommen. Wir steigen flott ab, überholen so manche Mannschaft, auch den Innsbrucker Alpenverein. In der Bettelwurfreise nehmen wir fast jede mögliche Abkürzung über den Schotter und haben in Null-Komma-Nix den Talboden bei der Ladhütte erreicht. Obwohl wir schnell gehen, schaffen die die prognostizieren 10 Minuten nach Magdalena knapp nicht, aber das Kaltgetränkt schmeckt dann trotzdem und ich werde nicht angefeindet… a feine Truppe sind wir schon!

Der Schlussweg führt uns dann über den wunderschönen Fluchtsteig hinunter nach Absam, zum Hackl. Unterwegs sehen wir den Schaf-Abtrieb von St. Magdalena, die Tiere müssen jetzt auch wieder ins Tal.

Nach über 9 Stunden erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt. Hier, eine echte Wohltat, hängen wir unsere Füsse ins Kneippbecken, bis sie schmerzen… doch anschließend sind die Beine wieder fit.

Noch ein Blick zurück offenbart die wunderschönen Berge, die wir heute wieder besuchen durften. Einfach herrlich…

Tourendaten
Gesamtdauer: 9:20 h
Gesamtlänge: 21,94 km
Höhenmeter: 2.297 hm

Ein Gedanke zu „190923 Kleiner und Großer Bettelwurf [2.726m]

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