210214 Vom Patscherkofel zum Glungezer

Viele Jahre ist es hier (um genau zu sein, 2015), dass ich diese Route, die sogenannte „Route Roman“ mit Alfons gegangen bin. Schon länger will ich diese feine Skitour wiederholen, aber finde keine Mitstreiter. Heute mache ich mich alleine auf, die einfache Grattour zu absolvieren.

Mit der Kofelbahn gönne ich mir den Luxus des vereinfachten Aufstieges, die ersten 1000 Höhenmeter sind so ein Klax…

Da ich recht früh dran bin, und die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sind, ist auf im Skigebiet fast nichts los.
Von der Bergstation geht es gleich steil hinauf, im Nordhang des Patscherkofels ist eine angenehme Spur angelegt, der ich folge. Schön langsam strömen doch ein paar Leute zum Skifahren, bis hierher kann ich die Kanten knirschen hören.

Je näher ich dem Gipfel komme, desto mehr sieht man den Einfluss des Windes. Es hat schon einige Zeit nicht mehr geschneit, die Schneedecke ist windgepresst und überall sieht man „Gangeln“. Kein gutes Zeichen, aber in diesem Falle vernachlässigbar, da der Kofel extrem verspurt ist.

Der Patscherkofel ist ein Aussichtsberg par excellence, besonders schön an einem eiskalten Wintermorgen wie heute. Die Fernsicht ist grandios, und ich bin froh, dass ich mir diesen Tag für die Tour ausgesucht habe.

Am Gipfel ist es sonnig, windstill und sehr angenehm. Dennoch kann ich nicht verweilen, ich habe noch eine gute Strecke vor mir. Ich begebe mich zum Osthang, oberhalb dessen ich abfelle und mich für die erste Abfahrt des Tages bereit mache.

Einer der kleinen Nachteile dieser Tour ist die immer wieder dünne Schneeauflage am Grat. Da es in dieser Region immer windet, ist der Schnee teilweise verblasen. Dennoch finde ich ski-schonende Spuren zum Abfahren.

Zwischenzeitlich muss immer wieder geschoben werden, aber für´s erneute Auffellen ist es noch zu früh. Sobald ich in den Nordbereich der Tour wechsle, liegt Schnee von überraschend guter Qualität.

Ein Blick zurück offenbart den ersten Teil der Abfahrt, mit viel Gemüse dazwischen. Es führen nur ein paar wenige Spuren den Hang herunter, scheinbar ist die Tour aktuell nicht so gut besucht.

Der Blick Richtung Süden offenbart ein weiteres „Wunderland“ für Tourengeher. Das oft übersehene Viggartal mit schönen Skibergen, im Hintergrund die Kreuzspitze (2.746m) und das Rosenjoch (2.798m)

Nach ein wenig „Tretteln“ erreiche die das Lanser Kreuz, nun steht wieder eine schöne Steile Abfahrt vor mir. Zum Glück habe ich die Felle noch nicht „montiert“.

Bevor ich hinunter schwinge, schaue ich mir nochmals den Routenverlauf an. Vor mit ausgebreitet liegt wie auf einer Karte der Pfad. Dem sonnigen Grat entlang geht es rechts an der Viggarspitze (Pyramide) vorbei und dann zwischen Felsen nach oben zur Sonnenspitze.

Die Spur, der ich heute folge, unterscheidet sich an ein paar Stellen von der mir im Gedächtnis gebliebenen. Und da ich immer wieder mit Fellen abfahren muss, denke ich mir, dass die „alte“ Route von 2015 wohl geschickter angelegt war.

Noch ist es kühl und immer wieder schattig, nachdem ich allerdings ein Stück hinter Boscheben in die Sonne komme, kann die Jacke auch im Rucksack verschwinden.

An den Wegweisern kann man erkennen, dass hier viel Schnee liegt. Bei einer Abzweigung des Zirbenweges sehe ich die Viggarspitze in voller Pracht. Eine schöne geformter Pyramide…

Es geht fast gerade auf den Gipfel zu, hier im kleinen Tal ist es schattig und dementsprechend kalt. Aber vor mir lockt schon die Sonne.

Schlussendlich erreiche ich die Südhänge der Viggarspitze mit viel Sonne. Wind ist auch nicht vorhanden, daher sind die Temperaturen nun sehr angenehm.

Da ich eine längere Strecke vor mir habe, lasse ich die Viggarspitze heute aus. Das nächste Mal stehe ich wieder dort oben. Der Blick ins Viggartal und zurück auf den Patscherkofel zeugt recht deutlich, dass dieses Tal recht langzogen ist. Die Skitouren am Talschluss sind dementsprechend auch niemals „kurz“…

Nun bewege ich mich weiter auf die Sonnenspitze zu, auch zur Neunerspitze ganz in der Nähe sende ich meinen Gruß. Die Spur ist schon älter, daher ist stellenweise unberührter Schnee vor mir…

Die originale „Route Roman“ führt immer am Grat entlang, doch ich entscheide mich, der Spur am Sommerweg in den Südhängen zu folgen.

Der erste Teil des Weges ist wunderschön, wobei die Spur nicht wirklich hilfreich ist. Später erreiche ich aber auch Stellen, bei denen ich froh bin, wenn ich diese hinter mir lasse. Meine Versuche, Gefahrenstellen auszuweichen, sind fast immer von Erfolg gekrönt, dennoch brechen bei steileren Stellen immer wieder Schollen aus dem Bruchharsch, der hier vorherrscht…

Je Steiler die Hänge werden, desto vorsichtiger bin ich. Am Schluss muss ich noch durch den Gipfelhang, der mich auf die Glungezer Hütte bringen wird. Durch halbwegs geschickte Spurenwahl bleibt die Steilheit immer unter 35°. Die Hänge oberhalb habe ich besonders im Auge..

Der Schlusshang ist recht hart, daher muss ich die Harscheisen anlegen. Das klappt hervorragend, und nun ist das Raufgehen doch um einiges leichter geworden.
Dann erreiche ich, zugegeben erleichtert, den Grat vor der Hütte. Diese liegt nun direkt vor mir, ich zieht aber noch ein paar Meter weiter, zum Glungezer Kreuz (2.660m).

Hier gönne ich mir eine einsame Pause. Während auf der Sonnenspitze schon Menschenmassen stehen, bin ich hier, circa 250 Meter Luftlinie alleine…

Die Pause tut gut, ich merke allerdings, dass ich bedingt durch den nun einsetzenden Wind auskühle. Da ich eine tolle Abfahrt vor mir habe, packe ich zusammen. Nach der Hütte muss ich nochmals ein paar Meter in die Schulter der Sonnenspitze aufsteigen, denn dort startet die eigentliche „Piste“.

Das Aufwärmen in der Hütte bleibt mir heute/heuer corona-bedingt verwehrt, aber die Abfahrt wertet das Gesamterlebnis absolut auf. 1.800 m Abfahrt, wo hat man das sonst…

Vom Gipfel, mit Buckelpiste, über die sehr gut präparierte Piste im Skigebiet und schlussendlich über die gesperrte, weil teilweise recht eisige Talabfahrt erreiche ich zufrieden die Talstation der Glungezerbahn. Beim Weg zur Bushaltestelle hole ich mir noch ein Bier bei der Larchhittn, dann warte ich in der Sonne auf den Bus.
Eine wunderschöne Tour, die mir viel Spaß und manch erhöhten Puls beschert hat…

Tourendaten

Skitour
Gesamtlänge: 8,41 km
Gesamtdauer: 3:51 h
Höhenmeter: 1.171 m
Lawinenwarnstufe: 3 (Triebschnee, Altschneeproblem)

Abfahrt
Gesamtlänge: 8,89 km
Gesamtdauer: 35:00 h
Höhenmeter: -1.800 m
Lawinenwarnstufe: – (Pistenabfahrt)

Ein Gedanke zu „210214 Vom Patscherkofel zum Glungezer

  1. Pingback: 210329 Sonnenspitze (2.639m) | Bergfiaber

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