211121 Kaisersäule (1.700m) und Törl (1.773m)

„Auf den Spuren der Thaurer Knappen“, so würde der Alternativtitel meiner heutigen Tour wohl heißen. Wer meinen Ausführungen aufmerksam folgt, kennt meine Affinität zum Bergbau. Und das Halltal, dieses Tiroler Kleinod, ist hier ein wahrer Fundus.
Meine heutige Tour starte ich an anderer Stelle, in Thaur. Einige Salzknappen kamen aus Thaur, und der von mir gewählte Weg war ihr Arbeitsweg zum Salzbergwerk…

Mit dem Bus erreiche ich Thaur, durch das schöne Dorf wandere ich hinauf zum Romediuskirchl und weiter zum Thaurer Schlössl. Es ist noch früh, aber im Gasthaus herrscht schon emsiges Treiben… der letzte Tag vor dem Corona-Lockdown Nr. #4 muss noch genutzt werden.

Mir ist es für eine Einkehr noch zu zeitig, nach kurzem Gespräch mit der Wirtin wandere ich, noch im Schatten, in höhere Gefilde… schon bald lugt die Sonne über die Tuxer Alpen und wärmt mich angenehm auf.

Der Blick ins Inntal, leicht dunstig, offenbart den anrückenden Winter. Die Nordhänge können sich nicht mehr vom weißen Kleid befreien, an den Südhängen ist es aber noch angenehm.

Der Weg ist steil, mit dem logischen Vorteil, schnell Höhe zu machen. Überall strahlen die wunderschönen gelblichen Lärchen aus dem Wald hervor…

Bald schon erreiche ich die Thaurer Alm (1.464m). Zu meinem Leidwesen bin ich hier noch nie eingekehrt, obgleich ich schon ein paar Mal vorbei gelaufen bin. Auch heute hat sie, wie fast jede Alm, den Betrieb schon eingestellt. Einsamkeit pur, bis jetzt ist mir nur ein Wanderer entgegengekommen…

Von der Alm zieht ein feiner Weg in Richtung Osten, mit Umweg zur Kaisersäule, aber auch direkt zum Törl. Ich wähle den Umweg, der mich in Folge wieder zum Törl bringen wird.

Schon fast bei der Kaisersäule angekommen, genieße ich den Ausblick ins Oberland und zur wunderschön gelegenen Thaurer Alm.

Nun ist mein erstes Ziel, die Kaisersäule erreicht. Hier muss ich wohl ein paar erklärende Worte spendieren: Die Säule ist keine Säule, sondern eine Pyramide. Und der Namenspender ist Kaiser Franz I., der an diesem Ort die Schlachtorte der Tiroler Freiheitskämpfe von 1809 besichtigte. Im Erinnerung an diesen denkwürdigen Besuch errichteten die Salinenarbeiter anno 1838/39 das Denkmal.

Fürwahr wurde der Platz wunderbar gewählt, die Aussicht ist grandios und ich nutze die Gelegenheit, meine Jause hier zu verzehren. Bei so einem Blick schmeckt das Mitgebrachte gleich zweimal so gut…

Nach verdienter Pause mache ich mich auf, den weiteren Weg zu bestreiten. Zuerst muss ich ein paar Höhenmeter zum Törl zurücklegen. Hier könnte man zur Wildangerspitze abzweigeb, ein Ziel, das ich gerne nächstes Jahr machen würde…

Schatten, verursacht durch den Thaurer Zunterkopf lässt den Schnee hier nicht mehr abschmelzen, der wird die noch magere Unterlage für einen hoffentlich schneereichen Winter bilden.

Die Gämsen ziehen um diese Jahreszeit in tiefere Gefilde, immer wieder kann ich diese begnadeten Kletterer am Wege beobachten. Ich versuche, möglichst leise vorbei zu schleichen, damit der schon angefressene Winterspeck nicht unnötig reduziert wird.

Die Rücksicht lohnt, langsam und ohne Eile ziehen die Geißen an mir vorbei, und kommen so relativ nahe an meine Position.

Mit dem Übergang ins Halltal, beschattet durch die Berge, breitet sich nun Kälte aus… diese wird mich wohl mit kurzen Pausen bis zu Ausgang des Tales begleiten.

Bizarre Felsformationen, brüchig und bedrohlich, erinnern mich, dass vor kurzem der Übergang über das Törl noch wegen Steinschlags gesperrt war. Mittlerweile ist der Weg ein wenig verlegt, daher kann man diese Passage gefahrlos begehen.

Schließlich erreiche ich die Herrenhäuser, stumme Zeitzeugen einer einst glorreichen Zeit, als das Salzbergwerk noch aktiv war. Erst 1967 wurde der Bergbau eingestellt, nach 700jährigem Bestehen. Zwar weniger bekannt als der Silberbergbau in Schwaz, hatte die Saline den größeren finanziellen Ertrag pro Jahr. Zu besten Zeiten wurden hier 16.800 Tonnen Salz pro Jahr gefördert… lange Zeit der größte Industriebetrieb Tirols.

Leider hat der Zahn der Zeit und auch die Natur ihre Spuren an diesem wunderschönen Ensemble hinterlassen… seit kurzem bemüht sich neuerdings ein Verein um eine Revitalisierung der altehrwürdigen Gebäude. Hoffentlich sind sie erfolgreich…

Ein weiterer Zeitzeuge aus längst vergangenen Tagen ist St. Magdalena im Halltal. Ehemals als Kloster angelegt, ist hier nun ein kleines Berggasthaus einquartiert. Im Winter lockt der Platz unter anderem mit einer toller Naturrodelbahn.

Als Abstiegsweg nütze ich den Steig durch das Eibental. Der Steig führt hoch über dem Talboden hinaus zum Bettelwurfbründl.

Von hier hat man einen guten Überblick über den Talanfang. Auch das Mundloch des Margarethen-Trinkwasserstollen, der die Trinkwasserversorgung für die Region Hall-Wattens sicherstellt, kann entdeckt werden. Der Stollen wurde zwischen 1995 – 2002 erbaut, nachdem die alte Trinkwasserversorgung am 31. Juli 1992 durch eine gewaltige Mure zerstört wurde.

Zu guter Letzt erreiche ich den Hackl, Ausgangspunkt für viele Wanderungen im malerischen Tal. Der Parkplatz ist voll, viele Wanderer wollen das schöne Wetter nutzen und auch dem morgen startenden Lockdown nochmals entkommen.

Ich muss feststellen, dass ich noch eine Stunde Zeit bis zu meinem Bus habe, daher beschließe ich, nach Hall zu wandern. Dort genieße ich die Sonne im Kurzpark, während ich auf den Bus warte.

Zufrieden erreiche ich wieder mein Heim, eine feine Wanderung liegt hinter mir, mit vielen Eindrücken, von denen ich nun zehren kann.

Tourendaten
Gesamtdauer: 4:30 h
Gesamtlänge: 18,47 km
Höhenmeter: 1.230 hm / 1.367 hm

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