221009 Tauernüberschreitung (1.841 m)

Der Herbst mit seinen schönen Farben ist für mich einfach die beste Wanderzeit. Heute plane ich mit Papa die Tauernüberschreitung von Nordwest nach Ost und zurück über den Plansee.

Wir starten beim Parkplatz auf der Sattelhöhe, kurz vor Frauenbrünnele. Von dort kann man auch gut runter zu den Stuibenfälle spazieren.

Unser Aufstieg ist steil, teilweise rutschig und einsam. Manchmal steht eine Gams in der Nähe, schaut skeptisch und grast weiter… ansonsten sind nur ein paar Vögel und viel Natur vorhanden.

Während der untere Teil der Wanderung im Wald liegt, lichtet sich weiter oben die Vegetation, es sind nur ein paar Latschen vorhanden. Dafür nimmt die Aussicht zu, schon kann man den Talkessel, die Tannheimer Berge, Säuling und Alpenvorland gut einsehen.
Viel Zeit zum Erholen habe ich auf diesem Weg allerdings nicht. Papa macht gutes Tempo und der Weg steigt immer mehr oder minder steil den Hang hinauf.

Kurz vor dem Gipfel legt sich der Weg ein wenig zurück und wir erreichen den Grat. Nun geht es in leichtem Auf- und Ab zum Gipfelkreuz des Zunterkopfes (1.811 m).

Nebelschwaden hängen heute zwischen den Bergen, der Plansee kann von hier aus fast nicht gesehen werden. Die Stimmung ist allerdings magisch, wir sind uns einig, interessanter kann es fast nicht sein…

Immer wieder reißt die Wolkendecke auf, lässt uns weit sehen, Kohlbergspitze, Pitzeneck und Hochschrutte liegen direkt vor uns. Im Süden wälzt sich eine Wolkenwalze über das Gebirge.

Nach Nordwesten hin sehen wir den Säuling, auch hier schiebt sich eine Wolkendecke vom Alpenvorland herein. Gut einsehen kann man von hier auch den hinter uns liegenden Gratverlauf.

Ein paar steile Passagen müssen wir wieder runtergehen, ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Dennoch ist immer Obacht angesagt, schnell kann ein falscher Schritt zu Blessuren führen.

Da es, obwohl nicht besonders hoch, kühl und windig ist, haben wir uns präventiv gut eingepackt, als wir vom Zunterkopf losgegangen sind. Jetzt beim leichten Weiterweg bin ich froh um die Extraschicht am Körper.

Wieder ein Blick zurück, wir sehen im Verlauf den Zunterkopf und im Hintergrund die imposanten Felsgebilde der Tannheimer Berge.

Papa, der schon öfter am Tauern war, erklärt mir, dass der Weg dieser Tage um einiges besser ist als früher. Daher nehmen wir an, dass nun nun öfter Besucher auf diesen ehemals einsamen Hüter des Talkessels einfinden.

Schließlich erreichen wir auch den eigentlichen Tauerngipfel (1.841m). Oft wird bei der Besteigung fälschlicherweise der erste Gipfel, der Zunterkopf als Tauern bezeichnet.

Von hier führt nun ein schmaler werdender Steig weiter nach Osten, hinüber zum Jägersteig, der allerdings ob des größeren Ansturms auch schon besser gepflegt ist. Wenn ich hier von größerem Ansturm spreche, meine ich allerdings keine Innsbruck Verhältnisse… im Außerfern geht es immer beschaulich zu!

Der Heiterwanger See hat heute eine extrem auffällige Färbung, die durch das gedämpfte Licht noch besser zur Geltung kommt. Durch Sedimenteinträge hat das Gewässer einen milchigen Schein.

Im Gegensatz dazu strahlt der Plansee, mit der der Heiterwangersee durch den sogenannten Kanal verbunden ist, dunkel und klar zu uns herauf.

Der Weg ist hier stellenweise durch den gestrigen Regen aufgeweicht, das Gehen teilweise schwierig und unangenehm. Da meine alten Schuhe fast kein Sohlenprofil aufweisen, muss ich besonders aufpassen.

Hier im Bild sieht man nochmals den schönen Heiterwanger See, dahinter liegt Heiterwang, überragt vom Thaneller.

Über das „Verbrennte“ oder auch „Brand“, einer kahlen Bergflanke, die dem Namen nach mal abgebrannt ist, erreichen wir Ostseite des Massivs.

Gut sieht man von hier den Spieß und das Hochschruttemassiv, getrennt vom Pitzebach.

Alte Wälder säumen unseren Weg, ein kommerzieller Holzabbau würde sich wegen dem schwierigem Zugang nicht anbieten, daher dürfen die Riesen hier in Würde altern.

Auch so manchen verkrüppelten Kerl, evtl. durch starke Aufwinde verursacht, finden hier hier.

Kurz bevor wir den berühmten Aussichtspunkt über dem Plansee erreichen, stoßen wir auf die Jagdhütte der Familie Scharzkopf. Hier setzen wir uns und genießen die Aussicht. Jäger haben sich schon immer wunderbare Plätzchen ausgesucht…

Der Aussichtspunkt am Gratle, vor einigen Jahren nur einem auserwählten Kreise bekannt, wurde durch ein Instagramm-Foto berühmt und wird nun an schönen Tagen regelrecht belagert.

Die Aussicht, das muss gesagt werden, ist phantastisch, man steht genau am richtigen Blickwinkel, um den Plansee schön zu überschauen, links die Soldatenköpfe, rechts der Spieß.

Leider hat jeder Massenansturm seine dunkeln Seiten, der Weg bis zum Aussichtspunkt ist in schlechtem Zustand, der Wald in der Umgebung mit Taschentüchern und Sonstigem übersäht… leider hört hier die Rücksicht auf Mitwanderer an der ausgestreckten Hand auf.

Der Weg ist rutschig und ungut zu gehen, einen kurzer Moment nicht aufgepasst, sitze ich auch schon im Gatsch… sehr ärgerlich…
Am Plansee angekommen, wasche ich meine Hände. Die Hose ist zum Glück doch fast nicht verdreckt, da habe ich nochmals Glück gehabt.

Der Plansee ist der zweigrößte See Tirols und war schon zu Zeiten Kaiser Maximilians I. bekannt für seinen Fischreichtum und als Jagdgebiet. Auch heute noch kann man das gut nachvollziehen, trotz Ansturm an Menschen ist es hier sehr naturbelassen.

Wir wandern am Plansee entlang zum Seespitz, weiter auf der linken Seite, vorbei am Frauenbrünnele, erreichen wir nach kurzem Forstweg-Marsch die Stuibenfälle. Es ist schön, diese mal „ohne Canyoninggäste“ zu sehen…

Kurz nach dem kleinen Wasserfall zweigt unser Weg nach links bergauf und wir erreichen unseren Ausgangspunkt, den Parkplatz.

Eine tolle Tour, die ich schon lange machen wollte. Toll, dass ich das heute mit Papa „erledigen“ konnte, wir haben auch schon neue Ziele ausgemacht… es bleibt spannend!

Tourendaten
Gesamtdauer: 4:23 h
Gesamtlänge: 11,42 km
Höhenmeter: ▲ 1.076 m / ▼1.102 m

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