220319 Sentiero Contrabbandieri Massimo Torti

Ausgesetzte Kraxlerei hoch über dem Gardasee, so wird diese etwas andere Tour beschrieben. Der Sentiero Contrabbandieri (Schmugglersteig), auch als Percorso alpinistico Massimiliano Torti bekannt, ist kein klassischer Klettersteig, da einige Passagen selber versichert werden müssen.

Wir fahren mit dem Auto Richtung Pregasina, dort finden wir bei der weithin sichtbaren Madonnenstatue einen Parkplatz. Direkt nebenan führt der Weg hinunter zum See, bzw. zum Einstieg in die Tour.

Noch ist es kühl, eine leichte Brise weht, aber wir sind flott unterwegs und der Weg ist anfänglich auch gut auffindbar. Kurz bevor wir am Start sind, versteigen wir uns, und machen eine Extrarunde zum Aufwärmen. Nachdem wir wieder „OnTrack“ sind, ist der Einstieg schnell gefunden.

Wir ziehen das Klettersteigset an, die Helme auf den Kopf, so gerüstet machen wir uns auf ins Abenteuer.

Gleich am Anfang zeigt der Schmugglersteig seine Qualitäten. Ein schmales Band schlängelt sich ungefähr 150m über dem See, leicht überdacht, entlang der Felswand. Gut zu gehen, aber schwindelfrei muss man schon sein, ansonsten hält sich der Genuss vermutlich in Grenzen.

Manchmal ist der Steig ein wenig breiter, und dann auch gut gangbar. An den schmalen Stellen sichern wir uns selber, denn ein Stahlseil sucht man hier im Regelfall umsonst. Nur die Schlüsselstellen sind solala versichert.

Man muss sich, auch ohne Höhenangst, immer sehr gut konzentrieren, ein falscher Schritt könnte hier fatale Folgen haben. Dennoch muss man auch den Blick auf den See und speziell auch über Riva del Garda schweifen lassen…

… die Sicht ist einfach phänomenal. Es ist eine wunderschöne Gegend, die mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Eigentlich ist man zu selten am Meer der Tiroler…

Bald erreichen wir die erste Schlüsselstelle, ein Spreizschritt hoch über dem See. Allerdings müsste man hier schon fast ein Balletttänzer sein, um grazil, mit guter Figur über den Spalt zu kommen.

So probiert jeder, eine mehr oder weniger gute Figur beim Grätschen zu machen. Das Resultat passt bei allen: Wir sind drüben… übrigens, das Stahlseil an dieser Stelle ist alles, bloß nicht vertrauenerweckend. Gut dass wir unser eigenes Sicherungsseil dabei haben.

Nach dieser Stelle wird das Gelände ein wenig einfacher, wir kommen zügig voran, die Seilsicherungen sind nun nicht mehr überall notwendig. Aber wir sind überzeugt, dass es das noch nicht gewesen ist…

Die zweite Schlüsselstelle stellt eine Strickleiter mit Aluminiumsprossen dar. Wenig vertrauenerweckend, ist auch schon eine Sprosse gebrochen und notdürftig repariert. Wir sichern uns von oben mittels HMS, die langjährige Übung zahlt sich aus…

Anschließend verengt sich der Pfad wieder, ist aber gut begehbar und offeriert schönste Ausblicke, unter anderem auch auf die vielen Segler und Surfern tief unter uns.

Ein paar pfiffige Stellen würzen den Weg immer wieder, es kommt also nie Langeweile auf, im Gegenteil. Ein sehr anregender Steig, der auch Respekt den Schmugglern gegenüber einfordert.

Eine „böse“ Stelle kommt nochmals, es scheint hier ist der Steig über eine längeres Stück abgebrochen zu sein. Dankenswerterweise hat jemand ein Stahlseil montiert, das auch sehr neu und gut verlegt den Eindruck bombenfester Sicherheit vermittelt.

Mit ein wenig Armkraft und der Zuhilfenahme versteckter Klammern meistern wir auch diese Stelle mit Bravour. Nun sind wir auch schon fast am Ende der Tour.

Ein gutes Stück laufen wir horizontal über kleine und weniger kleine Steige, allerdings bei weitem nicht mehr so ausgesetzt wie am Anfang. Schließlich erreichen wir den Ausstieg der Tour. Eine größere italienische Gruppe bereitet sich auch auf den bitteren Schluss vor.

Gute 300 Höhenmeter müssen nun erklommen werden, Der Steig steigt fast direkt durch eine Rinne hinauf zum Plateau von Pregasina.

Den Erbauern sind wohl am Schluss die Kurven ausgegangen… zumindest fühlt sich der Aufstieg so an.

Nach einem kurzen, aber nicht hässlichen Stück auf der Asphaltstraße erreichen wir wieder zufrieden die am Anfang erwähnte Madonnenstatue. Hier packen wir die Brotzeit aus, eine Dose Bier hat Papa auch noch die ganze Tour mitgeschleppt. Man schmeckt die Spannung bei jedem Schluck.

Auch von hier oben muss die wunderbare Aussicht nochmals erwähnt werden. Riva liegt uns zu Füßen, und im Norden liegt der Cima Rocca. Dort verläuft ein wunderschöner Klettersteig, den wir vor Jahren gemacht haben.

Zurück in der Unterkunft erfrischen wir uns, dann spazieren wir nochmals in die Stadt. Die Orangen hängen schon an den Bäumen. Der Ora, am Nachmittag ständig begleitender Wind lässt nicht glauben, dass hier Palmen, Kakteen und eben Orangen eine Überlebenschance haben.

Ein altes Schiff, vertaut am Kai lässt an alte Tage denken, als Riva noch zu Österreich gehörte…

Wir gönnen uns ein wunderbares Essen in einer kleinen Kneipe, gestärkt und zufrieden wandern wir wieder zurück zur Unterkunft.

Tourendaten
Gesamtlänge: 6,3 km
Gesamtdauer: 4:08 h
Höhenmeter: 600 m
Schwierigkeit: C/D

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