Manchmal hat man Projekte bzw. Touren im Kopf, die man immer wieder vor sich herschiebt. So eine Tour wollen wir heute endlich in die Praxis umsetzen. Wir wollen vom Hafelekar über den Goetheweg, Pfeishütte, Stempeljoch und weiter über das Halltal nach Absam gehen. Doris ist mit von der Partie, wir starten mit der Hungerburg-, dann mit der Seegruben- und final mit der Hafelekarbahn hinauf auf „Top of Innsbruck“.

Hier startet direkt an der Bergstation der wunderschöne Goetheweg. Allerdings ist das Areal gerade in Nebel verpackt und die Aussicht dementsprechend dürftig.

Es ist frisch, ohne Sonne, doch wir haben Glück. Schon bald verzieht sich die Wolke und die Sonne kommt mehr und mehr hervor.

Der Goetheweg, früher auch mal Hermann-Buhl-Weg nach dem berühmten Innsbrucker Kletterer und Höhenbergsteiger benannt, führt spektakulär teils auf der Süd-, teils auf der Nordseite der Nordkette entlang.

Die Abwechslung der Wegeführung, einmal mit Blick auf das Inntal und die Landeshauptstadt, im nächsten Moment in das unbewohnte Karwendel, machen den Reiz dieses Weges aus.

Der Weg bis zum Gleiersjöchl führt an der Südseite der Nordkeitte entlang

Bei der Mühlkarscharte wechselt der Weg nun auf die Nordseite. Hier blickt man in das Herz des Karwendels, in den Matten unter uns scharen sich unzählige Gämsen, die sich vor dem Winter noch einen guten Vorrat anfressen.

Der Ausblick ist wunderbar, wir sehen die Stubaier Gletscher ebenso wie die Zugspitze, auch Scharnitz und die Arnspitzen lassen sich ausmachen.

Die Temperaturen sind herbstlich, perfekte Bedingungen zum Wandern. Die große Hitze des Sommers ist nun endlich vorbei.

Über die Mannlscharte erreichen wir schließlich die Pfeis mit der bekannten AV-Hütte. Nun müssen wir ein Stück absteigen, den weiteren Weg zum Stempeljoch können wir aber an der anderen Talseite schon ausmachen.

An der Pfeishütte angekommen, können wir uns einen richtig guten Cappuccino, eine richtige Wohltat auf der Wanderung.

Nun steht die Sonne hoch am Himmel und die Temperaturen werden sehr angenehm. Die Jacke ist verstaut, zu Heiß ist es dennoch nicht.

Der Boden, auch „In der Pfeis“ genannt, ist wunderschön, wir können ein paar verfallene Almhütten ausmachen, die auf früher rege Almwirtschaft schließen lassen.

Vorbei an diesen abgegangenen Gebäuden (nur mehr Ruinen) wandern wir nun in Richtung Stempejoch.

Im Hintergrund und über der Pfeishütte dominiert die mächtige Rumer Spitze (2.454m), ein wahrer Koloss, der auch noch auf eine Besteigung wartet.

Am Stempeljoch machen wir eine ausgiebige Pause, und genießen unsere Brotzeit.

Nun kommt der knifflige Teil der Wanderung, der Abstieg über das Stempeljoch. Bröseliger Weg, gerade mal von ein paar Brettern und Treppen in Platz gehalten, gemahnt zu sorgfältigem Steigen, jeder Tritt muss wohl gesetzt werden. Allerdings ist die Herausforderung nur von kurzer Dauer, je weiter wir absteigen, desto besser wir der Weg.

Im unteren Bereich der Reise steigen wir auf eine bewährte „Karwendel-Vorbewegung“ um, wir laufen einfach über den wunderbar feinen Schotter direkt zum unteren Weg ab. Schottereisen-Laufen ist zwar nicht Schuh-, aber nervenschonend und macht uns richtig Spaß.

Nun beginnt der lange Abstieg über die Stempelreise bis zum Issanger im Halltal. Vor uns liegen Speckkarspitze, Bettelwurf und die unscheinbare Hüttenspitze.

Der Weg über die Mondlandschaft der Stempelreise zieht sich ganz nett, gegenüber sehen wir Leute am Wilde-Bande-Steig in Richtung Lafatscherjoch gehen.

Rückblickend sehen wir Große und Kleine Stempeljochspitze und oberhalb des Weges Wildanger-, Latten- und Pfeiserspitze.

Schließlich erreichen wir den lieblichen Issanger, im Wald wandern wir nun auf den Spruren der Bergleute vom Salzberg.

Überall finden sich noch Spuren von den erst 1967 aufgelassenen Aktivitäten, vom oberen Wasserstollen nehmen wir den Weg direkt am Bergbach entlang.

Am Erzherzogberg nehmen wir den unscheinbaren Steig im Wald, der uns in kurzer Zeit nach St. Magdalena führt. Hier ist nochmals eine Pause angesagt, eine gute Suppe und ein Bier gibt uns die Stärkung für die letzten Meter.

Ein Besuch in der schönen Kapelle direkt am Gasthaus ist obligatorisch, hier verweile ich kurz, bevor wir weiter ins Tal ziehen.

St. Magdalena, für mich einer der stimmigsten Plätze in der Nähe der Landeshauptstadt, zeigt sich heute wieder mal von der besten Seite.

Über den Fluchtsteig geht´s nun weiter hinab nach Absam, zum sogenannten Hackl.

Je näher wir zum Ausgang des Halltals kommen, desto promienten wird auch die sonst so unscheinbare Hüttenspitze.

Vorbei an alten Holzrohren, die die Sole vom Salzberg hinab nach Hall transportieren, erreichen wir schließlich den großen Wanderparkplatz.

Da wir den Bus knapp verpasst haben, beschließen wir, unseren Füßen noch was Gutes zu tun. 3 Runden im Kneippbecken, und wir wissen, wie sich kaltes, also richtig kaltes Wasser anfühlt. Nachdem die Füße wieder aufgetaut sind, stellt sich wahres Wohlbefinden ein.

Eine wunderschöne, aber auch lange Tour mit viel Abstieg und überschaubaren Höhenmetern im Aufstieg liegt hinter uns. Und wir sind uns einig, das Halltal wird bald wieder besucht!
Tourendaten
Gesamtdauer: 5:59 h
Gesamtlänge: 17,42 km
Höhemeter: △ 525 m / ▽ 2.001 m
Schwierigkeit: T3


