Archiv der Kategorie: Bergtouren

201101 Voldöpper Spitze (1.506m)

„Wo gehen wir heute hin? Auf die Volldeppenspitze…“ schon in der Früh hat Letu klare Worte für unser heuiges Tourenziel… und fürwahr, manche Namen im Rofan, auch Brandenberger Alpen genannt, lassen schon ein wenig Verwunderung zu. Dazu zählen die Unnutze, und eben die Voldöpper Spitze.
Und wie kommt man jetzt auf ein solches Ziel… der Berg ist ja nicht gerade ein Pflichtberg in Tirol, würde man meinen. Trotz der geringen Höhe sollte man sich nicht täuschen lassen, die Aussicht vom Gipfel ist phänomenal… doch dazu später mehr.

Wir starten vom Parkplatz am Krummsee, in der Seenregion Kramsach. Heute, das Wetter ist nicht besonders, stehen auch relativ wenig Autos am Ausgangspunkt. Das ist hier im Sommer ganz anders…

Ein kurzes Stück müssen wir an der Straße entlang, dann zweigt ein Forstweg nach Rechts weg.

Hier sind schon einige Leute zum Abmarsch bereit, ich hätte mir nicht gedacht, daß dieser Berg so einen Zulauf hat.

Schon bald wechseln wir auf einen Steig, der nun zügig an Höhe gewinnt. Immer wieder queren wir die Forststrasse, die natürlich nicht die Steilheit eines Steiges erreichen kann.

Bald lichtet sich der Wald immer mehr und läßt erahnen, welche Aussicht uns auf dem Gipfel erwarten wird. Aber noch haben wir einige Höhenmeter vor uns. Obwohl der Gipfel nur 1.509 Meter hoch ist, müssen doch ziemlich genau 1000 Höhenmeter bewältigt werden.

Schöne Buchenwälder, im feinsten Herbstfarben säumen unseren Weg.

Kurz vor dem Hauptgipfel steilt der Weg nochmals richtig auf, die letzten Meter müssen wahrlich erkämpft werden. Letu meint nur: „Jetzt wird´s Zeit daß der Gipfel in Sicht kommt!“. Dann ist auch das Ziel da… bestückt mit ein paar Mitstreitern.

Hier wird erst mal eine Pause gemacht, eine Brotzeit wird aus dem Rucksack gezaubert, heute gibt es sogar frisch gepressten Apfelsaft vom Bauern. So lassen sich die Aufstiegsqualen schnell wieder vergessen.

Nach der ausführlichen Rast machen wir uns zum Nordgipfel auf, der sage und schreibe 30m nördlich liegt. Hier muss ich ein Rätsel lösen, und mit diesem verknüpft steckt auch schon die Auflösung zu dem etwas ausgefallenen Tourenziel. Ein Geocache, der sich über 14 Gipfel verteilt, mit dem klingenden Namen: „Sattmanns Erben“. Wer kennt nicht die „Piefkesaga“ von Felix Mitterer… und dazu gibt es eben einen Geocache. Und das ist auch der Grund unseres Besuches bei der Voldöpper Spitze.

Kurz unter dem Gipfel sehen wir das erste und einzige Mal Schnee auf dieser Runde, das liegt wohl daran, daß dieser Fleck den ganzen Winter keine Sonne sieht.

Der Abstieg erfolgt nun gegen Osten, wir haben uns für eine Überschreitung entschieden. Zuerst folgen wir noch dem Grat mit ein paar schönen Ausblicken auf den Wilden und Zahmen Kaiser.

Auf erdigen, teilweise sehr rutschigen Steigen erreichen wir die Heumöseralm. Scheinbar wurde hier eine neue Hütte aufgebaut, die Reste der alten Hütte stehen direkt nebenan.

Dann wird es wieder waldig, schöne Buchenwälder mit teilweise extrem rutschigen Buchenblättern erfordern höchste Konzentration. Ein Ausrutschen könnte mancherorts zu einer nicht ganz so lustigen Abfahrt bis zur Forststraße führen.

Bei einem Parkplatz biegen wir nach links, und gehen über eine schöne Bauernwiese zu einem beeindruckenden Bauernhof, der hier hoch über dem Inntal thront. Kühe und Schafe, sogar ein Lama genießen hier ein angenehmes Leben.

Das nächste Highlight erreichen wir mit dem Berglsteinersee. Gerade jetzt im Herbst, wenn sich das bunte Laub im Wald spiegelt, wirkt der Platz mystisch. Und das finden neben uns auch noch hunderte andere Leute.

Direkt hinter dem Gasthof am See finden wir noch einen Geocache, dann wandern wir weiter in Richtung unseres Parkplatzes.

Vorbei am Reintalersee, der auch viele Besucher anzieht, erreichen wir schlußendlich wieder unser Auto. Nuns sind schon wesentlich mehr Autos am Parkplatz.

Eine wunderschöne Wanderung geht zu Ende, man wird wieder einmal erinnert, daß es nicht immer 2.500 Meter hohe Gipfel sein müssen.

Tourendaten
Gesamtdauer: 4:30 h
Gesamtlänge: 14,29 km
Höhenmeter: 1.067 m

200921 Dremelspitze (2.733m)

Heute steht ein besonderer Berg am Programm, die Dremelspitze im Parzinn. Wir treffen uns um 7:30 Uhr in Boden am Wanderparkplatz. Wir, das sind heute Papa, Luis und ich. Schon ziemlich am Anfang haben wir unser Ziel vor Augen, die Dremelspitze. Einer der schönesten, wenn nicht der schöne Gipfel im Lechtal.

Uns Ziel, die wunderschöne Dremelspitze

Von hier aus wandern wir zuerst flach ins Angerltal, bis wir die Seilbahn der Hanauerhütte erreichen.

Blick ins Angerltal

Ab hier steilt der Weg auf, ein paar Kehren führen uns hinauf auf die wunderschön gelegene Alpenvereinshütte. Kurz nach der Hütte sehen wir Reste vom gestrigen Hagelsturm, der hier durchgezogen ist.

Durch den Kessel des Parzinn steigen wir, zuerst eher flach entlang des Baches, in Richtung Vordere Dremelscharte. Ein Blick zurück offenbart uns die Schönheit dieses Abschnitts der Lechtaler Alpen. Nicht umsonst wird die Gegend um den Parzin als einer der schönsten Flecken hier gehandelt.

Mitten im Kessel des Parzin
Aufstieg zur Vorderen Dremelscharte

Bald erreichen wir den Fuß des Kars, das zur Scharte hochführt. Nicht immer ganz leicht, vor allem wegen des vielen feinen Schotters, erreichen wir das Ende des einfachen Weges.

Nun geht es ans Eingemachte. Zuerst müssen wir ein paar Meter ein Schotterband hochsteigen, dann kommt schon die erste, relativ leichte, aber nasse Rinne hochklettern.

Wir queren ein schönes Band, das uns in der Wärme der Sonne zur nächsten Kraxelstelle bringt.

Papa auf einem der Bänder…

Nun gehts gerade hinauf, anregende Kletterstellen wechseln sich mit einfacheren Passagen ab. Aber es bleibt immer steil.

… und am Grat

Unter uns leuchtet der Steinsee in Blau herauf, die Aussicht ist fantastisch. Und natürlich bleibt es nun immer steil…

Rinnen, Bänder und kleine Grate wechseln sich ab, es wird nie langweilig. Trotz gegenteiligem Anschein ist der Felsen recht kletterfreundlich, heißt nicht so brüchig, wie er erscheint.

Bei einer kniffligen Stelle probieren wir jeder von uns eine unterschiedliche Taktik, alle führen zum Erfolg, auch diese Stelle meistern wir.

Kurz vor dem Gipfel erreichen wir die Schlüsselstelle, ein Klemmbock, den wir „unterwandern“.

Anschließend müssen wir noch eine schottrige, aber gut zu gehende Steilerinne rauf, umd wir stehen auf dem Gipfel der Dremelspitze (2.733m).

Was für eine Aussicht tut sich uns auf, die Lechtaler Bergwelt liegt uns zu Füßen. Wunderschön zum Anschauen, einzig das Wetter schaut nicht mehr so gut aus. Wir sind bis jetzt die Einzigen auf diesem Berg, keiner Menschenseele sind wir hier beim Klettern begegnet.

Gipfelaspiranten am Ziel

Wir genießen die Pause, Brotzeiten und fotografieren. Dann bereiten wir uns wieder mental auf den Abstieg vor. Ein paar knifflige Stellen erwarten uns.

Die Rinnen im Abstieg lassen sich gut meistern, die schwierigere Stelle mit dem Band schaffen wir auch gut, wohlgemerkt mit ein paar Verrenkungen.

Den Steinsee immer im Blick

Schlussendlich erweist sich der Abstieg als viel weniger dramatisch als von mir angenommen. Wir schaffen alle Stellen mit Bravour.

Zurück in der Vorderen Dremelscharte können wir die Helme verstauen. Diese waren in diesem Gelände ein echter Sicherheitsgewinn. Unser Glück, wir waren heute alleine bei dieser Tour.

Abstieg durch Schotter

Schnell haben wir den Abstieg durch das Kar hinter uns gebracht, über Almengelände wandern wir zur Hanauerhütte. Hier gönnen wir uns eine Einkehr zur Feier des Tages.

Gestärkt wandern wir das lange Angerltal wieder zurück nach Boden. Unterwegs findet Papa noch zwei schöne Steinpilze. Im Hintergrund thront noch „unsere“ Dremelspitze.

Noch ein Blick retour

Müde, aber glücklich erreichen wir trocken das Auto. Während wir nach Hause fahren, öffnet sich der Himmel und es gießt aus Strömen. Da haben wir aber nochmals Glück gehabt.

Tourendaten
Gesamtdauer: 9:00 h
Gesamtlänge: 19,55 km
Höhenmeter: 1.692 m
Schwierigkeitsgrad: II+

200913 Sonnenspitze, Glungezer, Schartenkogel

So, am Freitag hatte ich schon gesagt, dass dies wohl als mein „Glungezerwochenende“ in Erinnerung bleiben würde, nun schließt sich heute der Kreis. Am Freitag waren wir im Tulferwald Pilze sammeln, gestern sind wir über den Zirbenweg zum Glungezer spaziert, und heute mache ich noch den Glugezerklettersteig mit Letu.

Der erste Aufstieg über die Piste ist heuer leider ein nicht besonders schönes, aber notwendiges Übel, das wir aber gerne in Kauf nehmen. Die steile Piste kenne ich schon vom Winter als Skitourenaufstieg, heute kommt mir aber alles noch ein wenig steiler vor.

Auch Letu, sonst nicht schnell unterzukriegen, schnauft erleichtert auf, als wir endlich die alte Bergstation erreichen. Ab hier flacht der Weg ein wenig ab.

Ein Stück über der Bergstation ist der neue Speichersee zu sehen, wunderschön schaut das Wasser aus.

Bei der Stütze 8 des Schartenkogellifts erreichen wir schließlich den markanten Stein mit einer Zirbe oben drauf… hier ist der Einstieg in den Klettersteig.

Zuerst müssen wir nur über ein paar Blöcke kraxeln, das geht auch noch ohne Ausrüstung. Auf einer kleinen Almmatte machen wir dann Pause, brotzeiten ein wenig und ziehen uns die Klettersachen an. Nun gehts los…

Der Klettersteig ist, wie die Beschreibung auch sagt, eigentlich eher ein Kraxelpark über Blöcke, durch Schründe und Schluchten… viel Klettersteig ist nicht vorhanden, trotzdem macht es uns beiden richtig Spaß.

Am Schluss kommt das eigentliche Highlight, die Abschlußwand. Letu meistert auch Diese mit Bravour, dann stehen wir am Ausstieg.

Nun müssen wir noch ein Geröllfeld durchqueren. Hier macht der Gang fast gleich viel Spaß wie der Klettersteig vorher. Weglos, aber nicht ohne Markierungen steigen wir fast gerade hinauf zur Sonnenspitze. Wer wohl all diese Steine hier verteilt hat…

Nur noch ein paar Minuten, dann haben wir den ersten Gipfel des Tages erreicht, die Sonnenspitze (2.639m). Wir setzen uns am Gipfel hin, viel los ist trotz des schönen Wetters nicht.

Wir sind recht durstig und haben fast keine Vorräte mehr, also beschließen wir, in der Glungezerhütte einzukehren. Diese ist nur 5 Minuten vom Sonnenspitzgipfel entfernt. Letu bekommt fürs brave Marschieren einen Kuchen, ich begnüge mich mit einem Isogetränk.

Nach der wohltuenden Pause nehmen wir noch rasch das Glungezerkreuz (2.660m) mit. Dieser nicht besonders schöne Gipfel, immerhin steht hier ein Betonklotz des österreichischen Bundesheeres, fesselt uns nicht lange. Ein kurzes Foto am Kreuz, dann gehen wir den Abstieg an.

Fast schon im Laufschritt geht es an der Hütte vorbei und durch das Geröllfeld weiter ins Tal, Richtung Schartenkogel. Unterwegs kommen wir an einem lustigen Tor vorbei, das hier irgendwie deplatziert wirkt.

Ein Blick ins Voldertal sagt mir, dass ich da auch bald wieder mal „reingehen“ muss. Im Hintergrund lacht der Olperer herüber

Die Aussicht ist fantastisch, egal wohin man schaut. Immer wieder bleiben wir stehen und schauen abwechselnd ins Oberland, Unterland, gen Süden zu den Gletscherriesen…

Schließlich erreichen wir das Tulfeinjöchl und kurz darauf den Schartenkogel. Hier pausieren wir noch einmal und genießen die Aussicht.

Die kleinen Wolken vom Vormittag haben sich fast verzogen, aber immer noch ist es relativ diesig. Der Blick auf Innsbruck ist trotzdem spektakulär.

Direkt am Gipfel des Schartenkogels steht eine Bank mit allen Gipfeln der näheren Umgebung. Ein kurzer Vergleich zeigt uns, dass wir Beide schon alle gezeigten Gipfel erstiegen haben. Letu will es aber nochmals wissen, und steigt in Sekundenschnelle über alle Gipfel.

Nun folgen wir dem Schartenkogelsteig, bei der Abzweigung zur Bergstation nehmen wir den Alternativweg, der uns ein Stück hinunter ins Voldertal führt.

Die Nachmittagssonne taucht mit ihren Strahlen die ganze Natur in ein warmes, herbstliches Licht, dazu kommen noch die wunderbaren Herbstfarben.

Der Steig scheint nicht so oft begangen zu sein, führt uns aber immer näher an Halsmarter. Nun wird Letu schön langsam müde, und ich muss ihn immer wieder motivieren. Wir spielen ein paar Buchstabenspiele und schon geht es wieder.

Am Weg kommen wir erst an der Stalsinsalm vorbei, dann noch bei der Hubertushütte.

Schlussendlich stehen wir bei der Mittelstation bei Halsmarter. Das ist nun auch Zeit geworden, viel länger hätte die Tour für Letu nicht mehr sein brauchen.

Wir hüpfen in die Gondel und fahren hinunter zum Parkplatz. Einen Sprung schauen wir noch im Larchenhittl vorbei, eine kleine Stärkung muss nach dieser Tour sein!

Eine tolle Tour, die uns beiden sehr gut gefallen hat. Diese müssen wir in irgendeiner Form wieder mal machen, sind wir uns einig.

Tourendaten
Gesamtlänge: 14,0 km
Gesamtdauer: 6:05 h
Höhenmeter: 1317 m

200821 Steingrubenkogel (2.633m)

Das Wetter soll am Wochenende wieder schlechter werden, der schönste Tag soll der heutige Freitag werden. Spontan beschließen Michi und ich, noch eine etwas andere Sonnenaufgangstour zu machen. Wir treffen uns um 2:45 Uhr in Innsbruck und starten mit einem Auto los Richtung Kemater Alm.

Dort wird dann erst mal das Geleucht aufgesetzt, denn es ist noch richtig finster… da brauchen wir eine gute Beleuchtung, um den Weg zu finden. Rasch erreichen wir die Adolf-Pichler-Hütte (1.977m), im oberen Stock sehen wir schon die ersten Lichter… noch wissen wir nicht, wen wir hier später noch treffen werden.

Weiter geht es von der Hütte über ein steiles Kar hinauf zur Alpenklub-Scharte (2.451m). Der Weg ist steil, im oberen Bereich auch ein wenig brüchig, aber durch die Dunkelheit haben wir einen großen Vorteil… wir sehen nicht, wie lange der Aufstieg ist.

Bei der Alpenklub-Scharte angekommen, ziehen wir uns das Klettersteigset an, im Westen ist schon ein Silberstreif am Horizont sichtbar. Doch noch ist es nicht hell genug, um ohne Lampen weiterzugehen. Die Stimmung ist ein Wahnsinn, über uns ein wunderschönes Himmelszelt und über den Bergen das eben erwähnte erste Zeichen eines neuen, wunderschönen Tages.

Der Klettersteig auf den Steingrubenkogel ist nicht schwer, seit ein paar Jahren sind auch die Versicherungen auf neuen Stand gebracht. Die Routenführung ist sehr gelungen, nicht umsonst wird dieser Klettersteig manchmal mit den großen Steigen in den Dolomiten vergleichen. Die schwierigste Stelle, Schwierigkeit C, ist ein Kamin kurz vor dem Gipfel, der aber mittels Metallstiften ein wenig entschärft ist.
Nachdem diese Stelle gemeistert ist, sehen wir schon bald das Gipfelkreuz.

Wir erreichen den Gipfel der Steingrubenkogels (2.633m), ziehen uns eine Jacke an, setzen uns hin, und schon beginnt das Spektaktel. Ein Wunder, das jeden Tag aufs Neue bewundert werden kann. Der Sonnenaufgang über den Bergen. Wir sind auf die Sekunde genau angekommen… keine 5 Minuten haben wir warten müssen.

Der Feuerball schiebt sich nun immer weiter über den Horizont, und damit kommt auch ein wenig Wärme zu uns. Wobei man heute sagen muß, daß wir wahrscheinlich einen der wärmsten Tage im Gebirge erwischt haben, der Aufstieg mit kurzer Hose und T-Shirt auf dieser Höhe ist nicht alltäglich.

Während wir die Stimmung rund um uns aufsaugen, schnell ändern sich die Farben und auch das Licht, verzehren wir unsere Brotzeit, die nätürlich auf dieser Höhe besonders gut schmeckt…

Wir sitzen eine Weile, doch irgendwann müssen wir auch wieder ins Tal, während Michi heute frei hat, heißt es für mich nach der Tour noch zur Arbeit zu gehen. Das sollte mir allerdings ob dem tollen Tagesstart heute nicht schwerfallen.

Der Abstieg von diesem Berg erfolgt gleich wie der Aufstieg. Da wir früh unterwegs sind, müssen wir uns den Steig mit niemandem teilen. Das wäre ja an sich kein Problem, aber Gegenverkehr in einem Klettersteig ist nicht das Allerfeinste.

Der Steig ist in beiden Richtungen sehr angenehm zu gehen, wir kommen zügig voran.

Nun, im schönen Tageslicht sehen wir die ganzen Türmchen, Bänder und Felsformationen, die wir im Aufstieg teilweise nur erahnen konnten.

Ohne jemandem zu begegnen, erreichen wir die Alpenklubscharte. Dort verstauen wir unser Kletterzeug wieder.

Einen Teil des Abstieg versuchen wir im „Schotterreisenlauf“ hinter uns zu bringen, es sind aber jetzt schon die ersten Leute im Aufstieg, daher entscheiden wir uns aus Sicherheitsgründen gehen diese schnelle Varianten. Trotzdem entwischt uns einmal ein Stein, der sofort mit einem lauten „Achtung Stein“ verkündet wird, und eine hektische Flucht zweier unter uns gehenden Bergsteiger zur Folge hat.

Ansonsten kommen wir ohne Zwischenfälle zum Grund der Reise und gehen durch das Weidegebiet hinüber zur Adolf-Pichler-Hütte. Plötzlich sehen Noah und Martin, zwei Nachbarn aus Aldrans vor uns… sie gehen heute auch auf diesen schönen Kletterberg. Im Haus treffen wir dann noch Martina, Greta und das Neugeborene… die Welt ist doch klein… und Tirol sowieso.

Von der Adolf-Pichler-Hütte ist es nicht weit bis zur Kemater Alm, dort haben wir das Auto geparkt. Ein pünklicher Arbeitsbeginn geht sich heute bei mir nicht mehr aus, ich werde mich wohl ein klein wenig verspäten.

Eine tolle Bergtour mit sehr schönen Eindrücken endet hier, mögen uns noch viele wunderbare Tage beschert sein!

Tourendaten:
Gesamtdauer: 4:50 h
Gesamtlänge: 11,71 km
Höhenmeter: 1.059 m

200816 Hohe Munde (2.662m) Überschreitung

Jedes Mal, wenn ich nach Hause fahre, komme ich an „Ihr“ vorbei… die Hohe Munde hat es mir schon lange angetan, da will ich schon lange hinauf. Heute endlich ist es soweit, mit Michi und ihrem Vater Konrad wagen wir die Überschreitung vom Strassberghaus zur Rauthhütte.

Schon am Anfang kämpfen wir mit kleineren Problemen, die wir aber souverän lösen können. Der von uns gewählte Weg führt uns ins Gelände, irgendwann stellen wir fest, dass wir nicht mehr zum Normalweg „811“ wechseln können. Daher beschließen wir, unser Glück zu probieren und weiter in Richtung Latschengürtel zu gehen.

Wir steigen das Tal, das zum Scharnjoch (ca. 1.640m) führt, hinauf, gegen Ende mit einer ganz netten Steigung. Wir erreichen das Scharnjoch, wo wir kurz pausieren und uns beraten. Zurück wollen wir alle drei nicht, daher schauen wir uns den weiteren Weg an.

Konrad ruft einen Kollegen an, der uns einen Weg ansagt. Ich schaue mir mit dem Fernglas den weiteren Weg an und kann einen scheinbaren Durchschlupf durch die Latschen erkennen. Das müsste der alte Mundesteig sein, der aber nicht mehr in den Karten eingezeichnet ist.

Wir beschließen, unser Glück zu versuchen. Erst folgen wir einem Grasband, das unterhalb einer Felswand verläuft, dann erreichen wir den Einstieg zum Latschengürtel. Und siehe da, es scheint sogar vor nicht allzu langer Zeit ausgeschnitten worden sein. Steil und immer steiler, und zusätzlich richtig nass führt uns der Weg geschwind hinauf zur Niederen Munde (2.059m).

Der weitere Weg ist nun wieder gut markiert, wir schauen nochmals zurück uns sind froh, diesen Durchschlupf gefunden zu haben. Wir waren auf dem alten Mundesteig, hier gehen sicher die wenigsten Gipfelaspiranten rauf…

Wir steigen von der Niederen Munde über einen gewaltigen Rücken hinauf Richtung Hohe Munde. Erst sind noch ein paar Latschen vorhanden, dann mehr und mehr Geröll.

Zwischen drinnen finden wir auf einer Wiese zig Edelweiß, die es sich hier bequem gemacht haben. Schön anzuschauen, vermute ich, dass nicht jeder Wanderer diese Blumen zu Gesicht bekommt… zu unscheinbar sind sie, erst als Michi uns drauf hinweißt, sehen wir wie viele Alpenwahrzeichen hier stehen.

Der Weg wird ein wenig steiler und teilweise sind schon Seilversicherungen vorhanden. Der Weg ist wunderschön angelegt und macht Spaß.

Immer wieder müssen kleine Stufen überwunden werden, doch nirgends ist der Weg schwierig… der Teil zwischen Niederer Munde und Hoher Munde Westgipfel wird auch Untere, Mittlere und Obere Fürleg genannt.

… bald erreichen wir das „Rauhe Tal“. Hier wurde vor ein paar Jahren die Steiganlage, kein richtiger Klettersteig, aber doch versichert, erneuert. Leider sind schon nach kurzer Zeit Stahlträger korrodiert und die Verankerungen ausgerissen. Daher ist das Belasten der Seile mit Vorsicht zu genießen…

… der Weg ist dennoch gut zu gehen, die Sicherungen braucht man nur an ganz wenigen Stellen und dort schauen die Anker stabil aus. Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl, wenn man diese Sicherungen belastet.

Nun liegt unser Ziel, die Hohe Munde, direkt vor unseren Augen und fast greifbar nahe vor uns…

Die letzten Meter auf den Gipfel sind wieder Gehgelände. Vor uns liegt eine richtige Mondlandschaft, die ihren eigenen Charm hat.

Bevor ich schließlich auf dem Gipfel stehe, muss ich mich noch um einen Geocache kümmern, der hier ganz in der Nähe versteckt ist. Ich finde das edle Teil: Eine Munitionskiste, sowas hatte ich noch nicht.

Am Gipfel der Hohen Munde (2.662m) wird dann erst mal Pause gemacht. Die Aussicht ist grandios, obwohl schon ein paar Wolken den nächsten Wetterwechsel ankündigen. Trotzdem sieht man schön über das Mieminger Plateau, Tschirgant, und weit ins Oberland.

Leider habe ich heute kein Brot mit, Konrad spendiert mir ein Vinschgerle mit Brot und Wurst… an dieser Stelle nochmals Danke für die „Rettung“!

Nach einer feinen Pause machen wir uns auf zum Ostgipfel. Dazu muss man ein wenig absteigen und dann nochmals auf das zweite Gipfelplateau aufsteigen.

Unterwegs wundern wir uns immer wieder, warum auf dem Gipfelplateau so viel Schotter liegt. Eine Vermutung unsererseits liegt in der ehemaligen Vergletscherung…

Aber egal, woher die unwirkliche Landschaft entstammt, es ist hier wunderschön, auf eine karge Art und Weise.

Am Ostgipfel der Munde (2.592m) ist viel mehr los, der Weg von der Rauthhütte zum Gipfel ist auch ein wenig einfacher als der von uns Gewählte.

Hier verweilen wir nur kurz, uns zieht es jetzt eindeutig zur Hütte, denn schon langsam regt sich bei uns Dreien der Hunger und Durst…

Der Abstieg über die Ostflanke der Munde ist richtig steil. Dafür ist der Ausblick Richtung Innsbruck und Unterland wunderschön. Immer wieder fliegen Wolkenfetzen vor uns vorbei, das Wetter verschlechtert sich.

Gemütlich steigen wir ab, an manchen Stellen muss man aufpassen, die Steine sind glatt und abgeschliffen, hier sind schon viele Bergschuhe rauf- und runtergelaufen, dementsprechend rutschig sind diese Passagen.

Wir erreichen den Latschengürtel, der Weg wird nun flacher. Am Schluss wandern wir noch durch lichten Wald, die Hütte ist jetzt in greifbarer Nähe.

Bei der Rauthhütte machen wir ausgiebige Pause, wir bestellen uns Essen und Getränke und lassen es uns gut gehen. Die Pause und Jause tut richtig gut.

Als wir von der Hütte aufbrechen, sehen wir schon dunkle Wolken am Himmel. Trotzdem gibt es immer noch Leute, die auf den Berg rauf laufen…

Für uns ist die Tour aber fast zu Ende, die letzten Meter bis zum Parkplatz in Buchen haben wir bald erledigt. Hier verabschieden wir uns, Michi und Konrad fahren ins Oberland, ich muss zurück nach Innsbruck.

Auf dem Weg ins Inntal schaue ich nochmals rauf auf den beeindruckenden Koloss. Kaum zu glauben, dass wir da heute darüber gelaufen sind.
Eine wunderschöne Tour, die ich sicher nochmals machen werde. Die Wanderschaft, also unsere Runde heute, war auch vom Feinsten, auch hier kann ich mir eine Wiederholung sehr gut vorstellen!

Tourendaten
Gesamtdauer: 7:54 h
Gesamtlänge: 15,66 km
Höhenmeter: 1.707 m

200813 Hahnenkamm (1.938 m)

Der Wetterbericht heute ist durchwachsen, daher beschließen wir, statt einer „satten“ Tour im Lechtal eine weniger gefährliche Tour in den Tannheimern, genauer gesagt auf den Hahnenkamm zu machen. Da seit geraumer Zeit die Seilbahn ihren Betrieb (die Tageszeitung berichtete) eingestellt hat, müssen wir vom Parkplatz an der Talstation los, per Pedes über die Skipiste.

Ein paar Meter wandern wir an einer Forststraße entlang, dann wechseln wir auf den Steig, der der Skipiste folgt.

Schnell machen wir Höhe und schon bald haben wir einen schönen Ausblick auf den Talkessel Reutte

Die Piste ist gehörig steil, bald schon erreichen wir die geschlossene Cilli-Hütte, deren Terrasse sichtlich von den Kühlen als Rast und Schlafplatz verwendet wird.

Höher, immer höher geht es hinauf, Richtung Gipfel. Das Wetter hat sich verschlechtert, nun tropft es immer wieder ganz leicht. Solange es nicht schlimmer wird, beschließen wir weiterzugehen…

Vorbei an der alten Bergstation, die zwar nicht mehr im Betrieb, aber auch nicht abgerissen wurde, erreichen wir einen weiteren schönen Pfad. Ohne Seilbahnbetrieb ist es hier am Hahnenkamm schön ruhig.

Dann sehen wir auch schon unser Ziel. Kein spektakulärer Berg, aber dennoch ein wunderbarer Aussichtspunkt. Und ein Geocache ist hier auch versteckt, denn ich mir schnell unter den Nagel reiße…

Wir stehen am höchsten Punkt unserer Wanderung, im Hintergrund sehen wir den Haldensee. Hier im Tannheimertal regnet es schon… das erinnert uns daran, weiter zu gehen.

Unser nächstes Ziel ist die Lechaschauer Alm, dort wollen wir einkehren. Unterwegs beginnt es ein wenig stärker zu regnen, da müssen die Regenjacken aus dem Rucksack raus…

Schöne Blicke in die Nähe, auf die Blumen und in die Ferne, speziell auf den Talkessel und die Tannheimer Berge entschädigen für das nicht so gute Wetter.

Während es bei uns bis auf kurze „Tropfer“ relativ ruhig bleibt, können wir in der Umgebung, hier im Talkessel immer wieder stärkere Regenschauer beobachten. Unser Ziel ist nun in greifbarer Nähe.

Auf der Lechaschauer Alm kehren wir ein, wir sind fast die einzigen Besucher. Seit die Bahn nicht mehr fährt, ist es auch mit den Besuchern mau geworden. Trotzdem lassen wir uns die Stimmung nicht verderben, es ist gemütlich hier…

… wir bekommen ein gutes Essen kredenzt und genießen die Sonne. In „normalen“ Zeiten passiert es auch selten, dass sich Hüttenwirte länger zu den Gästen setzen, heute ist eine Ausnahme, die Hüttenwirtin sitzt über eine halbe Stunde bei uns und wir reden über Gott und die Welt.

Dann machen wir uns auf den Endspurt ins Tal auf… es ist nun angenehm warm und wir können die Jacken wieder verstauen. Der Steig ist vor kurzem renoviert worden, genauer gesagt, die sumpfigen Strecken sind überbaut worden.

Rasch erreichen wir wieder den Parkplatz bei der Talstation. Im Wald haben wir ein paar Abkürzungen genommen und geschaut, ob wir Pilze finden. Leider war nicht viel zu holen… die kleine Ausbeute bekommt Papa zum Abendbrot.
Wieder einmal geht eine wunderbare Bergtour zu Ende, sicher nicht die Letzte…

Tourendaten
Gesamtdauer: 3:53 h
Gesamtlänge: 11,55 km
Höhenmeter: 1.034 m

200705 Largoz (2.214m)

Ein sehr heißer Tag steht uns laut Wetterbericht bevor, daher starten wir heute mal sehr früh. um 5:45 ist für die Kinder Tagwache, das ruft initial keine große Freude hervor. Trotzdem schaffe ich es irgendwie, die zwei Junioren zu motivieren…
Im Anschluss holen wir Michi ab, die ist heute auch mit von der Partie. Dann fahren wir zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, zum Parkplatz bei der Krepperhütte (1.352m).

Der erste Teil der Wanderung geht durch Nadelwald, die Kühle ist noch spürbar, den Kindern ist erst sogar kalt. Das legt sich aber schon bald, die Temperaturen steigen langsam, aber unaufhaltsam. Als wir ins Almgelände kommen, sind die Temperaturen trotz der Höhe recht warm.

Die Aussicht, sobald man den Wald verlässt, ist atemberaubend, das Inntal liegt einem zu Füßen, im Hintergrund die Stubaier Alpen und der Karwendel.

Der Weg zieht sich in angenehmer Steigung den Berg hinauf, bald schon erreichen wir unser erstes Ziel, die Largozalm (1.930m)

Wir machen hier noch keine Pause, zuerst wollen wir auf den Gipfel des Largoz, im Anschluss werden wir uns hier eine Erfrischung gönnen.

Ein wenig verwundert muss ich verstellen, dass hier sehr viele Leute am Weg sind. Ich bin immer davon ausgegangen, dass der Largoz nur im Winter stark frequentiert wird, aber dem ist nicht so. Ganze Heerscharen ziehen gen Gipfel, der größte Teil sind Einheimische.

Schaut man gegen Süden, sieht man die Wattenspitze, auch ein schöner Skiberg. Im Hintergrund sieht man die Tuxer Skiberge, die jedoch ob der Abgelegenheit nicht ganz so viel Besuch erhalten.

Kolonnen wälzen sich auf den Gipfel, der nun schon in greifbare Nähe gerückt ist. Sara braucht nochmals ein kleines Motivationsgespräch, dann stehen wir auf dem höchsten Punkt der Tour.

Ein Blick in den Osten offenbart im Vordergrund zwei kleine Seelein, dahinter der Bergrücken mit der Walder Alm und weiters die Ausläufer des Karwendels und Teile des Rofan.

Die Brotzeit am Gipfel schmeckt uns heute bei diesem Kaiserwetter natürlich besonders. Es ist windstill, warm und der Ausblick ist auch noch toll… das hat man nicht so oft.

Letu ist natürlich gleich wieder am erkunden der Gegend und kraxelt auf jeden Stein und Felsblock hinauf.

Vom Gipfel des Largoz gehen wir zum Gipfelkreuz der Pfadfinder Wattens (2.096m). Dort genießen wir nochmals die sensationelle Aussicht ins Unterland, dann wandern wir weiter zur Alm.

Überall blühen die Almrosen, wunderschön anzuschauen…

Rasch erreichen wir die Largozalm, nun können wir eine Pause machen. Die Alm ist nicht bewirtschaftet, aber der Senn stellt immer ein paar Kisten Getränke in den Brunnen, gegen einen kleinen Obolus kann man sich hier bedienen.

Hier ist wirklich gemütlich sitzen, aber eine Kleinigkeit treib uns dann doch noch ins Tal… nach der Tour, da wir eh durch Hall fahren, gibt es noch ein Eis vom „Kasenbacher“… das ist genau der richtige Abschluss für die gelungene Tour.

Tourendaten:
Gesamtlänge: 11,07 km
Gesamtdauer: 4:30 h
Höhenmeter: 859 m

200620 Bergfeuern Viggarspitze (2.306m)

Es ist wieder soweit, das Bergfeuer bzw. Herz-Jesu-Feuer steht für heuer wieder an. Leider, wie fast jedes Jahr ist das Wetter heute wieder durchwachsen. Am Nachmittag ist es mal sonnig, dann ziehen wieder Wolken über das Mittelgebirge.
Da es nicht regnet, machen wir uns doch mit den Jungschützen und Junghuttlern auf, erstes Ziel, eine Jause auf der Aldranser Alm.

Da wir einiges zum transportieren haben für die Feuer, sind wir motorisiert auf der Alm. Übrigens hat die „Aldranser“ heuer einen neuen Pächter… die erste Probe der neuen Küche passt auf jeden Fall mal…

Den Jungs schmeckt es auch, so gestärkt können wir weiter rauf zum Issboden fahren, von wo aus wir dann zur Viggarspitze wandern werden.

Heuer haben wir keine Übernachtung im Zelt geplant, daher sind wir schnell abmarschbereit. Jeder bekommt ein wenig Brennmaterial in den Rucksack, dann marschieren wir los.

Zuerst müssen wir durch die Weide mit übermütigen Haflingern… so manchem ist sichtlich unwohl, aber die Pferde sind eindeutig nur neugierig.

Dann steigen wir durch den Wald hinauf Richtung Viggarspitze

Wir sind ca. 1 Stunde am Weg, das passt genau, damit alle gut nachkommen.

Auf den letzten Metern wird es nochmals kurz ein wenig dunkel, aber wir haben Glück, wir bleiben vom Regen verschont.

Schlußendlich erreichen wir den Gipfel, wir haben noch genügend Zeit, alles herzurichten. Und das Wetter hält auch… das könnte heuer noch richtig gut werden!

Als es dämmert, werden die Feuer angezündet. Schon bald bekommen wir Feedback vom Tal, es schaut schön aus. Ja dann hat sich das Feuern heuer auf jeden Fall rentiert.

Es ist kühl geworden am Gipfel, daher stehen wir ein wenig um die Feuer und genießen die Aussicht ins Inntal. Dann bereiten wir uns für den Abstieg vor. Jeder hat eine Taschenlampe oder Fackel dabei, bedächtig steigen wir ab.

Natürlich braucht man in der Nacht ein wenig länger für den Abstieg, aber es läuft gut, die Jungs sind diszipliniert und folgenden unseren Anweisungen.

Im Rückblick sehen wir noch die Feuer am Gipfel, ein paar von uns sind noch zurückgeblieben…

Am Issboden lassen wir den Abend mit einer kleinen Grillerei ausklingen, dem Obmann sei dank: es gibt Brot und Wurst.

Zufrieden erreichen um mitten in der Nacht wieder Aldrans… heuer hat es allen sichtlich Spaß gemacht.

Tourendaten
Gesamtdauer: 2:35 h
Gesamtlänge: 4,70 km
Höhenmeter: 487 m

200618 Rauher Kopf (2.308m) und Brechten (2.419m)

Heute bin ich mal alleine am Weg, es ist wieder Zeit für eine ausgedehntere Tour. Ein Ziel, das mir schon öfter auf- und eingefallen ist, ist der Rauhe Kopf, bei Inzing. Normalerweise bekannter im Winter als längere Skitour, ist er auch im Sommer für seine Aussicht bekannt. Ich fahre von Inzing ein Stück den Berg hinauf und parke im Weiler Hof, den ich vor kurzem schon mal besucht hatte…

Blick auf Hof

Zuerst muss ich eine Asphaltstraße entlanglaufen. Nicht gerade ein super Start, denke ich mir, als ich plötzlich „etwas“ über die Strasse hüpfen sehe… bei einer genaueren Nachschau entdecke ich einen Buntspecht, der gerade fliegen lernt… aber es eben noch nicht kann. Ich kann das kleine, hilflose Tier auf einen Baum lotsen, bevor Nachbars Katze angerannt kommt.

Kurz nach der netten Begegung mit dem Specht zweigt ein steiler Steig von der Straße ab, das soll nun mein weiterer Weg sein. Ziemlich gerade zieht der Steig, steil und ohne Pause über schöne Felder und vorbei an alten Städeln.

Schöne Aussicht

Immer wieder fällt mir heute die wunderschöne Natur auf, die überall allgegenwärtig ist. Grillen, Schmetterlinge, Eichhörnchen…

… und bunte Wanderer. Von denen ich aber heute das einzige Exemplar bin. Keine Menschenseele begegnet mir auf dem Anstieg.

Seltene Spezies

Einmal nehme ich eine „falsche“ Abzweigung und muss mich richtig steil hochplagen, als ich den Pfad wieder erreiche bin ich verschwitzt, aber froh.

Endlich wieder am richtigen Weg…

Bei der Archbrandalm (1.696m) mach ich eine kurze Pause und geniee die Aussicht. Und die ist heute trotz oder eben wegen der schönen Wolken wunderbar. Leider zieht manchmal eine Nebelbank ein und versperrt wieder die Sicht ins Inntal.

Archbrandhütte

Ein wenig oberhalb der Hütte befindet sich das schöne Jugendkreuz (1.960m), von dem aus auch eine grandiose Aussicht versprochen wird, wenn nicht gerade Nebelwolken vor dem Kreuze ziehen… ich bin jedoch dankbar, denn die Stimmung ist wunderschön.

Jugendkreuz

Nun wird die Vegetation ein wenig karger, waren hier noch ein paar Almrosen zu sehen, die gerade anfangen zu blühen, ist kurz nach dem Kreuz die typische Bergwiesen mit kurzem Gras, von Fern höre ich immer wieder Gebimmel… von Schafen.

Nun kommt auch mein Ziel in Sicht, das Gipfelkreuz des Rauhen Kopfes (2.308m). ein kurzes Stück muss ich noch über einen einfach Wiesengrat laufen, dann habe ich mein erstes Ziel erreicht. Den Geocache am Gipfel finde ich auch gleich mal, der wurde schon über ein Jahr nicht mehr gelogged.

Blick auf das erste Ziel (Rauher Kopf)

Leider ist die Aussicht nicht so toll, daher mache ich mich gleich auf zum Nachbargipfel, dem Brechten (2.419m). Auch hier ist der Weg sehr einfach, einzig eine Herde Schafe macht mir sorgen. Nicht, daß die Tiere in irgendeiner Art und Weise gefährlich erscheinen, das ist es nicht. Scheinbar habe ich ihr Interesse erweckt und sie wollen mich begutachten. Das behagt mir gar nicht, schon mal, vor vielen Jahren, wurde ich von Schafen, die den Salzstein in meinem Rucksack gerochen hatten, bedrängt… und die Tiere können ganz nett schieben…

Blick ins Inntal

Ich schalte einen höheren Gang ein und entkomme den Schafen. Was aber wahrscheinlich nicht an meiner Geschwindigkeit, sondern eher am einsetzenden Desinteresse der Schafe gelegen haben muss.

Aussicht auf den Brechten

Am Brechten stehe ich nur kurz, ein sehr unspektakulärer Berg, mit einem riesigen, grasigen Gipfelplateau…
Im Abstieg steht noch eines der hartnäckigeren Schafe am Horizont und blöckt mir nach…

Gruß vom letzten Schaf

Nach einer Weile, wie schon im Aufstieg bemerkt, ändert sich die Vegetation, es wird wieder grün und die Almrosen blühen vor sich hin… im Hintergrund gut sichtbar, die Martinswand und der Inn.

Almrosenblüte hoch über dem Inntal

Bald erreiche ich wieder die Archbrandhütte, hier fülle ich meine Wasservorräte ein wenig auf.

Fast wieder bei der Archbrandhütte

Am Schluß mache ich noch eine kleine Abzweigung, denn in der Nähe ist ein Geocache versteckt, den ich auch noch mitnehmen möchte. Heute ist die Bilanz an gefundenen Dosen recht gut und ich bin zufrieden.

Aussicht auf den Weiler Hof und im Tal Inzing

Tourendaten
Gesamtdauer: 4:45 h
Gesamtlänge: 15,70 km
Höhenmeter: 1.640 m

190923 Kleiner und Großer Bettelwurf [2.726m]

„[…]U. 10 ist der höchste Punkt erreicht. Jetzt erst fliegen die Blicke rings in’s Weite. Blauer Himmel oberhalb und die vorhandenen Wolken über den Gebirgen. Rufe der Freude schallen hernieder rings in’s Thal.“

Carl Gsaller, Österreichischer Alpinist

Um 6:00 Uhr ist Abmarsch, das Dreiergespann, Michi, Max und meine Wenigkeit stehen wieder mal in den Startlöchern. Der vierhöchste Karwendelgipfel ist heute unser Ziel.

Wir wollen über die Bettelwurfhütte [2.077m], den Klettersteig auf den Kleinen Bettelwurf [2.650m] und dann auf den Großen Bettelwurf [2.725m] gehen. Gestartet wird am Hackl, dem Eingang zum geschichtsträchtigen und mir gar so lieben Halltals.

Wir steigen auf dem unteren Fluchtsteig, da es noch recht finster ist sehen wir nicht viel, auf zum Wasserwerk der Hall AG, jenem besonderen Bauwerk, das wegen Muren- und Lawinengefahr in der Berg gebaut wurde und somit heutzutage als sicher gilt. Nun kitzel die Sonne schon die ersten Berggipfel, schön sind sie an zusehen, Speckkarspitze und Lafatscher…

Hier startet der neue Steig auf die Bettelwurfhütte, nachdem der alte Steig dem „Zorn“ der Bettelwurfreise zum Opfer gefallen ist. Steil geht´s erst durch lichten Wald und Latschen, dann erreichen wir auch schon die Reise selber, und gehen im Zickzack, vorbei am Gamsgufel hinauf zum Alten Schlag.

Hier tauchen wir nun wieder ein in die Latschen, da es aber noch relativ kühl ist, ist der Aufstieg angenehm und wir kommen zügig voran. Ich erinnere mich noch an ein Mal, wo ich hier später am Vormittag unterweg war… da war ich richtig ins Schwitzen gekommen.

Vorbei am Juchizer, von hier hat man einen ersten Blick auf die Bettelwurfhütte, und ein paar Gämsen erreichen wir den Quergang zur Hütte. Nun haben wir unser erstes Ziel schon fest vor Augen und nach 2:45 h haben wir endlich die AV-Schutzhaus erreicht. Wir machen nur eine kurze Pause, noch lange ist unser Weg heute

Direkt hinter der Hütte ist der Weg auf den Kleinen Bettelwurf angezeigt, vor uns ist eine größere Gruppe, wie wir später erfahren vom Alpenverein. Abgesehen davon sind noch ein paar Individualisten unterwegs, ansonsten ist es heute recht ruhig. Evtl. spielt das Wetter eine Rolle, besonders sonnig ist es nicht, aber das Wolkenspiel dafür umso schöner und imposanter.

Wir steigen über den Rücken bis zu den Felsbändern auf, dann wird es Zeit, das Klettersteigset anzulegen. Der Steig auf den Kleinen Bettelwurf ist kühn angelegt, nicht besonders schwer, aber entgegen den heute gewohnten Klettersteigen auch nicht durchgehend gesichert. Immer wieder müssen Bereiche bis zum Schwierigkeitsgrad UIAA II- begangen werden. Nicht arg schwierig, aber ungewohnt und auch sehr anregend.

Bänder, kleine Wände, Stufen, wie Bänder… schön zieht sich der Steig direkt Richtung Einschartung zwischen Kleinem und Großem Bettelwurf. Bei dieser müssen wir nochmals ein paar Meter in die entgegengesetzte Richtung, damit wir endlich auf unserem ersten Gipfel stehen. Der Kleine Bettelwurf ist erreicht, nicht ohne kleine Irrwege bei den letzten Metern…

Nun haben wir uns eine „gscheite“ Brotzeit verdient, es ist gerade windstill, zwar keine Sonne, aber aushaltbar. Wir sitzen schlussendlich nicht so lange hier, denn die Kälte kriecht unter das Gewand und die Finder werden taub…

Wir machen uns wieder auf den Weg zurück zur Einschartung, ab hier geht’s nun ein wenig mehr zur Sache. Von der Philosophie, nicht alles mit Stahlseilen abspannen zu müssen, hat sich wenig geändert, aber die Schwierigkeit ist nun ein wenig höher. Tritte sind spärlich, trotzdem kommen wir gut voran… und es macht richtig Spaß.

Ein paar Leute vor und hinter uns sind ohne Klettersteigset am Weg, naja, jeder wie er will. Die meisten Stellen gingen auch ohne, aber zwei, drei Stellen möchte ich ohne KS-Set nicht bewältigen müssen…

Bald schon werden die Schwierigkeiten weniger, wir sind noch auf dem Plateau vom Gipfel und wandern noch auf schönem Steig, nahe am Grat hinauf zum Höchsten Punkt des Massivs. Glücklich erreichen wir den Gipfel des Großen Bettelwurfs [2.736m], einem der wenigen Berge im Karwendel, die die Höhe von 2.700m übersteigt.

Die Aussicht ist grandios, die ersten schweren Wolken sind schon am Pflerscher Tribulaun zu sehen. Der Wetterumschwung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen…

Allzu lange bleiben wir nicht, denn die Gipfelhause beim letzten Gipfel war definitiv angenehmer. Der Wind hat aufgefrischt und es ist recht kühl geworden. Also auf ins Tal… es sind noch über 2.000 Höhenmeter runter. Gerade als wir starten wollen, rutscht Michi auf einer Schotterreise aus… puh, das war knapp. Ausrutschen ist hier nie eine gute Idee!

Nun machen wir uns über das Eisengattergrat auf ins Tal. Schnell laufen wir die gut abgesicherte Steiganlage, an den kniffligen Stellen sind Stahlseile. Plötzlich das nachte Unglück… Max rutscht auf einem Stein aus und schlägt sich den Daumen auf, und zwar richtig. Er blutet richtig, daher muss ein Schnellverband drauf… Michi hat das schon im Griff. Bald ist unser Schwerverwundeter versorgt und wir können weiter.

Der Weg zieht sich, aber irgendwann kommt dann doch die Hütte in Reichweite. Vorher sehen wir noch ein paar Gämsen, die auf dem Steiglein stehen. Noch ein Hinweis drauf, das sich das Wetter wohl verschlechtern wird…

Schlussendlich erreichen wir die Hütte und gönnen uns eine Pause mit Speis und Trank. Das Wetter ist wieder ein wenig besser geworden, aber von Schön ist es noch weit entfernt. Wir genießen die Pause auf dem „schönsten Balkon in Innsbrucker Nähe“. Leider sind die Wirtsleute ein wenig gestresst und daher nicht so fein wie sonst. Aber jeder halt mal einen schlechten Tag, das wird schon wieder…

Bei der Hütte haben wir noch ausgemacht, einen Sprung nach St. Magdalena zu schauen, dort ist es auch immer fein zu sitzen. Ein kurzer Gegenanstieg sollte uns wohl nichts ausmachen… von der zweiten Ladhütte bis ‚Magdalena ist es eh nur 10 Minuten… sag ich!

Erst müssen wir mal zur Ladhüttekommen. Wir steigen flott ab, überholen so manche Mannschaft, auch den Innsbrucker Alpenverein. In der Bettelwurfreise nehmen wir fast jede mögliche Abkürzung über den Schotter und haben in Null-Komma-Nix den Talboden bei der Ladhütte erreicht. Obwohl wir schnell gehen, schaffen die die prognostizieren 10 Minuten nach Magdalena knapp nicht, aber das Kaltgetränkt schmeckt dann trotzdem und ich werde nicht angefeindet… a feine Truppe sind wir schon!

Der Schlussweg führt uns dann über den wunderschönen Fluchtsteig hinunter nach Absam, zum Hackl. Unterwegs sehen wir den Schaf-Abtrieb von St. Magdalena, die Tiere müssen jetzt auch wieder ins Tal.

Nach über 9 Stunden erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt. Hier, eine echte Wohltat, hängen wir unsere Füsse ins Kneippbecken, bis sie schmerzen… doch anschließend sind die Beine wieder fit.

Noch ein Blick zurück offenbart die wunderschönen Berge, die wir heute wieder besuchen durften. Einfach herrlich…

Tourendaten
Gesamtdauer: 9:20 h
Gesamtlänge: 21,94 km
Höhenmeter: 2.297 hm